Gratis Kinderessen in der Mensa

Stuttgarter Zeitung vom 13.12.2010

Kinder von Studenten essen gratis

Die Initiative wird über den Studentenwerksbeitrag finanziert

"Piep-piep-piep - guten Appetit!" Der Mittagessen-Spruch der Kinder in der Mensa Holzgartenstraße gefällt dem Kultusstaatssekretär Dietrich Birk. Für das Fotoshooting sitzt er mit ihnen am Tisch und bindet fürsorglich einem Mädchen ein Lätzchen um. Nicht irgendein Lätzchen, sondern eines, das im Auftrag des Staatsministeriums gestylt wurde: "Kleiner Entdecker", steht drauf. Es dient künftig den Studentenkindern als Mensaausweis. Die Maultaschen mit Nudeln, die die Studentenkinder verspeisen, kosten ihre Eltern keinen Cent. Jedenfalls keinen Cent extra. "Ab sofort können alle Kinder von Studenten bis zehn Jahre kostenlos essen", sagt der Staatssekretär.

Finanziert wird dieses Angebot jedoch nicht von der Landesregierung, sondern über die Beiträge für das Studentenwerk, die jeder Studierende zahlen muss. Die landesweite Aktion soll - kurz vor der Wahl - das "Kinderland Baden-Württemberg" nach vorn bringen. Birk begründet die Infokampagne so: "Wir wollen damit unsere Bekanntheit als Studienort weiter erhöhen." Man wolle den studierenden Eltern Gelegenheit geben, gemeinsam mit dem Nachwuchs in der Mensa zu essen.

Wie viele Kinder von der Essensaktion tatsächlich profitieren, konnte auch Christoph Hartmeier nicht sagen, der Geschäftsführer des Studentenwerks Stuttgart. Landesweit gebe es rund 7000 Studentenkinder. Allein von den mehr als 21.000 Studierenden an der Uni Stuttgart hätten gut 500 Nachwuchs, berichtet die Stuttgarter Unikanzlerin Bettina Buhlmann. Allerdings essen diejenigen Sprösslinge, die einen Kitaplatz haben, für gewöhnlich dort - und nicht in der Mensa. 150 Betreuungsplätze bietet das Stuttgarter Studentenwerk an, davon 140 für Studentenkinder. Wie groß die Warteliste ist, kann Hartmeier nicht sagen. Immerhin liege in Baden-Württemberg die Betreuungsquote mit zwölf bis 13 Prozent fast doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt von sieben Prozent.

Wimmelmotive für den Studienstandort
Als Gag hat das Staatsministerium neben den 2000 Lätzchen auch 5000 Teller mit Wimmelmotiven und Suchaufgabe produzieren lassen: Wo sind Hirsch und Greif? Das kostet 60.000 Euro und wird vom Wissenschaftsministerium und den Studentenwerken gezahlt.

Mit den Studentenwerken von Osnabrück oder Potsdam kann das Ländle damit aber kaum konkurrieren. Dort bietet man den lieben Kleinen eine Babylounge in der Mensa oder gar eine Kindersauna.