Uni punktet mit Familienfreundlichkeit

Stuttgarter Nachrichten (online) vom 09.07.2010

Die Uni will mit Familienfreundlichkeit punkten

Die erweiterte Kindertagesstätte in Vaihingen hält Studenten und Forschern den Rücken frei.

Auf die Welt ist Moritz in Australien gekommen. Doch jetzt wirft der 14 Monate alte Junge seine kleinen Kieselsteinchen auf den frisch eingesäten Rasen des Kinderhauses Pfaffenwald. "Wir haben echt Glück gehabt, den Kitaplatz zu finden", sagt ein junger Vater, Janosch Klebensberger, und schleicht in gebückter Haltung seinem Spross hinterher. Der Kleine ist in seiner Neugierde nicht zu bändigen und erforscht jeden Winkel der neuen Kinderkrippe auf dem Vaihinger Campus der Uni Stuttgart. Nur ein paar Steinwürfe entfernt geht Klebensberger senior seiner Arbeit als promovierter Mikrobiologe nach.

Zuvor war Klebensberger zweieinhalb Jahre lang als Nachwuchsforscher an der University of South Wales in Sydney und hat untersucht, wie sich Bakterien zu sogenannten Biofilmen zusammenrotten. Jetzt ist die Familie zurück in Deutschland und die Betreuung des Sohns zentrale Frage der Karrierenplanung von Klebensberger und seiner Partnerin, die in der Marketingbranche wieder Fuß fassen will. 

Das neue Kinderhaus will junge Eltern unterstützen: Studium oder Unianstellung und Familie müssen sich eben nicht ausschließen, sondern können aufeinander abgestimmt werden. Dazu bietet die Kinderkrippe, die gestern offiziell eröffnet worden ist, zwei Krabbelgruppen für Studierende und Beschäftigte der Universität an. Eine weitere Ganztagsgruppe soll im Herbst folgen, sagt Corinna Wiechmann vom Studentenwerk Stuttgart.

Zu den Gesamtkosten von rund 580 000 Euro haben das Studentenwerk und die Universität jeweils rund 230 000 Euro beigetragen, berichtet Sybille Müller, die Leiterin des Unibauamts. Die übrigen Gelder kommen aus verschiedenen weiteren Fördertöpfen und aus Spenden. In der Endausbaustufe gibt es dann zwei Betreuungsgruppen für jeweils zehn Kleinkinder im Alter von eineinhalb bis drei Jahren von studierenden Eltern sowie eine zehnköpfige Gruppe für Kinder des akademischen Unipersonals. Nach einer Bauzeit von nur knapp einem halben Jahr ersetzt das neue Kinderhaus die bisherige Einrichtung am selben Ort, die seit über 30 Jahren in einer Bauleitungsbaracke untergebracht war und nur zehn Betreuungsplätze anbot.

Der Bedarf gerade bei der Betreuung der Kinder in den ersten Lebensjahren ist groß. 50 Voranmeldungen verzeichnet Corinna Wiechmann schon auf der Warteliste, Tendenz steigend: "Die jungen Studentinnen haben natürlich keine älteren Kinder, daher ist ihnen mit einer Krabbelgruppe am besten geholfen. "

Familienfreundliche Arbeitsmöglichkeiten sind auch entscheidend, um die besten Studierenden und die kreativsten Forscher nach Stuttgart zu locken, davon ist die Kanzlerin der Universität, Bettina Buhlmann, überzeugt: "Das neue Kinderhaus ist ein weiterer Baustein zur framilienfreundlichen Uni", sagt sie.