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Der Beruf des Bauingenieurs zeichnet
sich wie kaum ein anderer durch ein breites Berufsbild mit vielfältigen
Beschäftigungsmöglichkeiten aus. Bauingenieure sind nicht
nur in Entwurf, Konstruktion und Ausführung von Bauwerken aller
Art tätig, sondern im gleichen Maß auch in der Leitung
von Unternehmen und Baustellen, in der Bauverwaltung, in Verkehrsbetrieben,
im Umweltschutz, in der Raumordnung und
Landesplanung, in Versorgungsbetrieben, in Industrieunternehmen – kurzum
überall dort, wo bautechnische Kenntnisse unabdingbar sind.
Bauingenieure errichten etwa Wohnhäuser, Verwaltungs- und Industriegebäude sowie auch
Messe- und Sportzentren. Von Bauingenieuren
entworfene und realisierte Tunnel und Brücken überwinden natürliche Grenzen.
Verkehrsanlagen verbinden Stadtteile, Regionen und ganze Kontinente. Dämme
schützen Lebensräume. Komplexe Systeme gewinnen und verteilen Trinkwasser.
Anlagen zur Abwasserreinigung und Abfallverwertung schützen die Umwelt. Wasser-, Gezeiten- und Aufwindkraftwerke
sichern die Energieversorgung der Zukunft. Und neben dem für
jeden sichtbaren Bauen steht das Planen und Konstruieren, das Beraten
und Betreiben sowie das wirtschaftliche und umweltschützende
Vorausdenken als gleichfalls wichtige und originäre Tätigkeitsfelder
von Bauingenieuren.
Der Bauberuf gehört zu den ältesten Berufszweigen, die
wir kennen. Längst bevor Maschinen erfunden und hergestellt
wurden, mussten Bauwerke errichtet werden. Die Entwicklung der Kultur
und Zivilisation ist eng mit dem Wirken von Bauingenieuren verbunden.
Nicht umsonst leitet sich das Wort Ingenieur von Ingenium, d.h.
kreative Begabung, ab. Schon aus der Antike sind bedeutende Ingenieurbauten
bekannt, wie z. B. Häfen, Kanäle, Wasserleitungen, Brücken,
Kanalisationsanlagen, Leuchttürme, ohne die sich unsere heutige
Welt nicht hätte entwickeln können.
In dieser Zeit war der Bauingenieur der Ingenieur schlechthin und
diese Einheit des Berufsstandes, die auch den Architekten mit einschloss,
blieb bis in das 18. Jahrhundert hinein erhalten. Prominenteste
Vertreter dieses sogenannten Baumeisters sind Michelangelo und Leonardo
da Vinci. Von Leonardo sind Entwürfe zu Festungs- und Kanalbauten,
aber auch Pläne zu Schloss- und Gartenanlagen überliefert.
Er konstruierte als umfassend gebildeter Ingenieur und Naturforscher
vielfältige Maschinen wie z. B. Kräne, Fluggeräte,
Pumpen, Taucherglocken. Die fortschreitende Entwicklung der Naturwissenschaften,
insbesondere aber die im 18. Jahrhundert beginnende industrielle
Revolution mit der Erfindung der Dampfmaschine ließen das
Berufsbild von Ingenieur und Architekt auseinanderstreben. Und aus
den Naturforschern und Ingenieuren entwickelten sich die vielfältigen
Ingenieurzweige, die wir heute kennen. Häufig waren es anfangs
Militäringenieure (Festungsbauer), die auch große zivile
Ingenieurbauten ausführten. Später entwickelte sich eine
eigenständige Berufsgruppe, die Bauingenieure, die in vielen
Ländern auch heute noch Zivilingenieure genannt werden.
Die Vielzahl der Aufgaben des Bauingenieurwesens lassen sich in
vier Hauptbereiche einteilen. Zunächst entwickelten sich die
drei klassischen Bereiche, deren Ursprung in den folgenden Anwendungsgebieten
zu finden ist:
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Konstruktiver Ingenieurbau |
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Verkehrswesen |
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Wasserwesen. |
Durch den Einzug moderner, numerischer Methoden und Analysen, sowie
der Entwicklung der Rechentechnik und Computer (als erster Computer gilt übrigens die Rechenmaschine Z3 des deutschen Bauingenieurs Konrad Zuse!) entwickelte sich
in den letzen Jahren ein vierter Bereich, der übergreifend in allen
drei klassischen Bereichen zu Hause ist:
| · |
Modellierungs- und Simulationsmethoden. |
Die Aufgaben von konstruktiven Bauingenieuren umfassen den Entwurf,
die Berechnung, die bauliche Durchbildung und die Ausführung
der Bauwerke. Hierzu gehören Hoch- und Industriebauten, der
Brückenbau, der Tiefbau, der Tunnelbau sowie der konstruktive
Wasserbau.
Bauingenieure im Verkehrswesen sind tätig sowohl in der
Planung, beim Entwurf, beim Bau und beim Betrieb von Anlagen des
Straßen-, Schienen-, Wasser- und Luftverkehrs als auch in
der allgemeinen Verkehrsplanung, die nicht nur die Gestaltung des
Verkehrsangebots, sondern auch die Beeinflussung der Verkehrsnachfrage
im Rahmen des so genannten Mobilitätsmanagements umfasst.
Das Wasserwesen befasst sich mit den menschlichen Einwirkungen
auf das ober- und unterirdische Wasser. Es gliedert sich in die
Wasserwirtschaft und den Wasserbau. Beispiele sind die Landschafts-
und Verkehrswasserwirtschaft, der Siedlungswasserbau sowie die Speicher-
und Energiewirtschaft. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Schutz
des Wassers als einer der wichtigsten Lebensgrundlagen zu.
Zum Aufgabengebiet der Modellierungs- und Simulationsmethoden gehört
es beispielsweise, komplexeste Versagensmechanismen von Tragstrukturen
einschließlich der dazugehörigen Materialmodelle und
Berechnungsverfahren realistisch abzubilden. Andere Felder finden
sich in den Bereichen der Simulation von Verkehrsströmen unter
Beachtung komplexer Leitvorgaben, bzw. die Simulation von komplexen
Hydrosystemen unter Beachtung von Schadstoffausbreitungen in der
Umwelt.
Die Arbeitsbereiche von Bauingenieuren sind äußerst
vielfältig. Sie sind beispielsweise tätig:
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in der Bauwirtschaft, |
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in Ingenieurbüros, |
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in Verkehrsunternehmen, |
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in der Forschung, |
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bei Behörden und Verwaltungen, |
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in Verbänden oder |
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im produzierenden Gewerbe. |
Viele Bauingenieure finden ihren Arbeitsplatz aber auch außerhalb
des eigentlichen Bauwesens, bei Beratung und Dienstleistung, in
der Softwareentwicklung, in der Fahrzeug- und Elektroindustrie,
in der Luft- und Raumfahrt oder im Maschinenbau.
Das Studium ist auf diese Berufstätigkeit ausgerichtet. Erwartet
wird von jedem Bauingenieur ein breites Wissen in möglichst
vielen Bauingenieurfächern und vertieftes Wissen in einigen
Fachgebieten. Dies bedeutet, dass der interdisziplinären Arbeit
großes Gewicht beigemessen wird.
Der Aufbau des Studiums sieht eine Unterteilung in einen Bachelor-Studiengang
mit sechs Semestern und einen Master-Studiengang mit vier Semestern
Dauer vor. Der Abschluss Bachelor of Science (B.Sc.) ist dabei eine der
Eingangsvoraussetzungen zum Master.
Der Bachelor vermittelt neben den Grundlagen, dem notwendigen Rüstzeug
zur eigentlichen Ingenieurausbildung, auch Fachwissen sowie methodische und
kommunikative Kompetenzen. Die Absolventen sind nach bestandener Bachelorprüfung berufsbefähigt ausgebildet.
Das Studium umfasst Pflichtveranstaltungen (Höhere Mathematik, Statistik, Informatik,
Technische Mechanik, Werkstoffkunde, Bauphysik, Grundlagen der Konstruktion,
Baubetriebslehre, Baustatik, Geotechnik, Konstruieren und Entwerfen, Fluidmechanik,
Verkehrsplanung und Entwurf von Verkehrsanlagen) und eine ganze Reihe von
Wahlveranstaltungen. Im sechsten Semester wird die Bachelorarbeit angefertigt.
Der Master bietet anschließend einen sehr großen Wahlbereich an Veranstaltungen,
in denen vertieftes Fachwissen vermittelt wird, und schließt mit der Masterarbeit
(4. Semester) ab. Der Abschluss als Master of Science (M.Sc.) qualifiziert auch zu einer Tätigkeit
in der Forschung. Die Studierenden können sich im Master für
eine der folgenden Studienrichtungen entscheiden:
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Allgemeines Bauingenieurwesen, |
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Konstruktiver Ingenieurbau, |
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Verkehrswesen, |
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Wasserwesen oder |
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Modellierungs- und Simulationsmethoden. |
Hier finden Sie Einzelheiten zum Studienaufbau.
Die breite Ausbildung macht Bauingenieure nach bestandener Bachelor- oder Masterprüfung
vielseitig einsetzbar und sichert ihnen hierdurch - wenn sie sich ständig
in ihrem Beruf weiterbilden - lebenslang die Möglichkeit,
eine verantwortungsvolle Tätigkeit in der Privatwirtschaft
oder im öffentlichen Dienst zu finden.
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