Datum: 29. Januar 2013, Nr. 9

Studierende und Absolventen loben Informatik an der Uni Stuttgart

Von Theorielastigkeit keine Spur

Mit dem Studium der Informatik oder Softwaretechnik an einer Universität verbindet man vielfach eine gewisse Theorielastigkeit. „Falsch“, sagen aktive und ehemalige Studierende des Fachbereichs, die an der Uni Stuttgart schon während des Studiums an bedeutenden Forschungsprojekten beteiligt sind oder ihr Studium als Sprungbrett ins Ausland beziehungsweise in verantwortungsvolle Jobs in der Industrie genutzt haben. Für die spannenden Lehrveranstaltungen von Prof. Jochen Ludewig gab’s jüngst sogar eine Auszeichnung des Fakultätentags Informatik.

Ob IPhone-Programmierung oder App-Entwicklung: viele praxisnahe Studienangebote klingen erst einmal spannend, haben aber eine kurze Halbwertzeit. „Studieninhalte, die sich auf bestimmte Anwendungen konzentrieren, bergen gerade in der Informatik das Risiko, dass die Produkte oder Technologien bei Studienabschluss bereits vom Markt verschwunden sind“, erklärt Prof. Albrecht Schmidt, Inhaber des Lehrstuhls für Mensch-Computer-Interkation in der Fakultät Informatik der Uni Stuttgart. „Das Wissen über grundlegende Konzepte oder objektorientierte Programmierungen dagegen gibt eine Basis, die sich auf immer neue Technologien übertragen lässt.“
Dr. Christiane Taras, Projektleiterin beim Werkzeugmaschinenbauer TRUMPF in Ditzingen, bestätigt dies. Die 1983 geborene Thüringerin studierte Softwaretechnik an der Uni Stuttgart und untersuchte im Rahmen ihrer Dissertation, wie man Bilder und graphische Darstellungen in Computerprogrammen für Blinde und Sehbehinderte zugänglich machen kann. Heute sorgt sie bei TRUMPF dafür, dass die graphischen Oberflächen zur Bedienung von Blechbearbeitungsmaschinen leicht verständlich und ansprechend gestaltet sind. „Schon in der Schulinformatik und dann auch während des Studiums habe ich am liebsten graphische Benutzungsoberflächen entwickelt und konnte dies während meiner Promotion vertiefen. Die Studienprojekte haben mich gut auf meine Arbeit als Projektleiterin und die Herausforderungen der Kommunikation mit Menschen aus anderen Fachrichtungen vorbereitet“, sagt Christiane Taras im Rückblick.
 
Keine Störung durch Mobiltelefone
Praxisnahe Forschung schon im Studium betreibt auch Johannes Knittel, der nach dem Bachelorstudium Informatik an der Uni Stuttgart seit 2012 seinen Master „draufsetzt“. Der 23-Jährige aus Böblingen sucht nach einer Technologie, mit der man herausfinden kann, ob man einen Handy-Gesprächspartner gerade stört. Der Schlüssel dazu sind kontextbezogene Informationen, die das Handy regelmäßig ermittelt und anderen zur Verfügung stellt: „Normalerweise ist es die Aufgabe des Telefonbesitzers, dafür zu sorgen, dass das Telefon nicht in unpassenden Momenten stört, aber das kann dazu führen, dass wichtige Gespräche nicht durchkommen. Der Anrufer wiederum kann zwar die Dringlichkeit seiner eigenen Nachricht einschätzen, weiß jedoch nicht, inwieweit sein Gesprächspartner gerade verfügbar ist. Könnte man Informationen über die aktuellen Umgebungsbedingungen mit anderen teilen, wäre dieses Problem lösbar“ erklärt Knittel.
Die Bereitschaft zur Preisgabe solcher Kontextinformationen ist nach einer ersten Studie bei den meisten Handybenutzern vorhanden, solange diese die Kontrolle darüber behalten, mit wem sie was teilen. Darauf aufbauend entwickelt Knittel eine Telefonbuchanwendung für Smartphones, die neben den herkömmlichen Funktionen zur Verwaltung der eigenen Kontakte es zusätzlich ermöglicht, mit anderen Kontextinformationen, zum Beispiel; ob man gerade unterwegs ist oder kürzlich Anrufe verpasst hat, zu teilen.
 
Zum Industriepraktikum nach England
Eine spannende Stelle für das sehr empfohlene Industriepraktikum konnte Miriam Greis, die im 9. Semester Softwaretechnik studiert , ergattern: die 24-Jährige implementiert derzeit Webanwendungen bei der Firma In Touch im englischen Morecambe, einem führenden Anbieter für Mobilfunklösungen im Business-Bereich. Der Arbeitsbereich reicht von Programmierungen an der Benutzerschnittstelle bis zur Anbindung an die Datenbank. „Meine Aufgaben umfassen so ziemlich alles, was ich an der Uni in der Theorie gelernt habe und es ist ein tolles Gefühl, dieses Wissen nun praktisch anzuwenden“, berichtet Miriam Greis begeistert. „Gerade mein Konzeptwissen und das Wissen aus den Vorlesungen helfen mir jetzt weiter, mich schnell in neue Themengebiete einzuarbeiten. Hier in der Firma sind alle überrascht, wie gut ich mich schlage.“
 
Preis für projektorientierte Studienangebote
Dass die Lehrangebote im Bereich Informatik und Softwaretechnik an der Uni Stuttgart ankommen, honorierte jüngst auch der Fakultätentag Informatik der Universitäten in Deutschland. Er verlieh Prof. Jochen Ludewig vom Institut für Softwaretechnologie sowie dessen Mitarbeitern Markus Knauß und Ivan Bogicevic den mit 2.500 Euro dotierten Preis des Jahres 2012 für ein Konzept zur Steigerung der Studierendenmotivation durch projektorientierte Studienangebote. Die Auszeichnung galt der Lehrveranstaltung „Softwarequalität“ für Erstsemester, die wegen ihres innovativen Ansatzes und ihrer überzeugenden Resultate ausgewählt wurde.
 
Ihre Ansprechpartner:
Prof. Albrecht Schmidt, Universität Stuttgart, Lehrstuhl Mensch Computer Interkation, Tel. 0711/685-60048,
E-Mail: albrecht.schmidt (at) vis.uni-stuttgart.de
Prof. Jochen Ludewig, Universität Stuttgart, Institut für Softwaretechnologie, Tel. 0711/685-88354
E-Mail: ludewig (at) informatik.uni-stuttgart.de
Andrea Mayer-Grenu, Universität Stuttgart, Abt. Hochschulkommunikation, Tel. 0711/685-82176, E-Mail: andrea.mayer-grenu (at) hkom.uni-stuttgart.de