Datum: 1. Oktober 2010,

NBBW fordert: „Baulandpotenziale im Bestand nutzen – endlich Ernst machen mit der Reduzierung des Flächenverbrauchs“

In Baden-Württemberg wird trotz einer leichten Entspannung beim sogenannten Flächenverbrauch noch immer zu viel „auf der grünen Wiese“ gebaut. Siedlungs- und Verkehrsflächen sind in den vergangenen Jahren um durchschnittlich etwa acht Hektar pro Tag (das entspricht elf Fußballfeldern) gewachsen. Wenn dies so weitergeht, werden die ökologisch vertretbaren Flächenpotenziale im Land in 25 Jahren aufgebraucht sein. Zu diesem Ergebnis kommen die Wissenschaftler des Nachhaltigkeitsbeirats Baden-Württemberg (NBBW) in ihrem Gutachten mit dem Titel „Nachhaltiges Flächenmanagement in Baden-Württemberg: Vom Wachstums- zum Bestandsmanagement“. Kommende Generationen müssten für Häuser und Straßen hochwertige Böden bebauen oder Wälder roden, wenn der beschriebene Trend anhält. Nahrungsmittel und nachwachsende Rohstoffe müssten verstärkt importiert werden, weil zu wenig einheimische Landwirtschaftsfläche verfügbar ist. „Dies wäre eindeutig nicht nachhaltig. Die hohe Flächeninanspruchnahme ist auch gar nicht notwendig. Die noch zu erwartende Mehrnachfrage nach Wohn- und Gewerbeflächen könnte zu erheblichen Teilen in Bestandsgebieten befriedigt werden. Kommunen wachsen in die Fläche, weil sie wachsen wollen oder weil sie meinen, wachsen zu müssen“, erläuterte der Siedlungsexperte des NBBW, Prof. Dr. Stefan Siedentop vom Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung der Universität Stuttgart, bei der Übergabe des Gutachtens an die Ministerin für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Baden-Württemberg Tanja Gönner.

Ein Hauptgrund für die Ausweisung von neuem Bauland seien entwicklungsstrategische Interessen der Gemeinden. Mehr Einwohner und Gewerbebetriebe versprechen ausgelastete Infrastrukturen und mehr Steuereinnahmen. Doch diese Rechnung geht nicht immer auf, da die Folgekosten für neue Infrastruktur (z. B. für Straßen, Schulen und Abwassernetze) häufig nicht berücksichtigt werden und bei stagnierender Bevölkerungsentwicklung im Land Einwohnerzuwächse der einen Gemeinde immer Verluste anderer Gemeinden nach sich ziehen. Außerdem werden die baulichen Entwicklungspotenziale im Innenbereich der Städte und Gemeinden zu wenig genutzt, da beispielsweise die Flächen nicht bekannt sind oder die Eigentümer nicht verkaufen wollen. Nur eine Minderheit der Gemeinden führt ein Baulandkataster, mit dem der Bestand baulich nutzbarer und marktverfügbarer Brachflächen und Baulücken systematisch erfasst wird.

Der Beirat hatte sich bereits 2004 mit dem Thema Siedlungsentwicklung befasst und mehrere gestaffelte Reduktionsziele in Hektar pro Tag für das Wachstum der Siedlungs- und Verkehrsflächen bis 2020 empfohlen. Der NBBW hält an seiner Forderung nach Festlegung eines quantifizierten Reduktionsziels fest. Der Landesregierung wird eine flexible Lösung vorgeschlagen, die sich am Verhältnis von Einwohnerzahl und Siedlungs- und Verkehrsflächenbestand orientiert. Bei positiverer demografischer Entwicklung können größere Ausweisungsspielräume eingeräumt werden, bei negativerer Entwicklung müssen die Ausweisungsmengen reduziert werden.

Vorgeschlagen wird ein Dichteziel von 21 Einwohnern je Hektar Siedlungs- und Verkehrsfläche im Jahr 2020. Das entspricht einem Wert von 480 Quadratmetern besiedelter Fläche pro Einwohner und bedeutet bei den aktuellen demografischen Prognosen für das Land, dass bis 2020 nicht mehr als 10.000 Hektar Fläche für neue Straßen und Siedlungsgebiete in Anspruch genommen werden können.

 

Der Beirat hält die Bewahrung einer kompakten „Siedlungsstruktur der kurzen Wege“ für ein Schlüsselthema der Nachhaltigkeit in Baden-Württemberg. Mit einer verstärkten baulichen Innenentwicklung in den Städten und Gemeinden kann ein wertvoller Beitrag zur Reduktion des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstoßes erbracht werden. Kompakte, flächensparende Siedlungsstrukturen sichern ferner die Mobilität der nicht-motorisierten Haushalte und begrenzen die von der Bevölkerung zu tragenden Kosten für die Aufrechterhaltung kommunaler Infrastruktur.

 

Außerdem empfiehlt der Beirat der Landesregierung, ihre Bemühungen bei der Intensivierung des Problembewusstseins fortzusetzen. Durch Informationskampagnen sollten die Kommunen für die wirtschaftlichen und städtebaulichen Risiken des Bauens „auf der grünen Wiese“ weiter sensibilisiert werden. Zur Förderung des kommunalen Bestandsmanagements sollten Baulandpotenziale im Innenbereich systematisch erfasst werden. Ein Modellprojekt zur Einführung handelbarer Flächenzertifikate könnte die Wirkung von ökonomischen Anreizen aufzeigen. Des Weiteren wird empfohlen, ökologisch sensible Flächen effektiver als bisher zu schützen.

Das Gutachten kann bei der Geschäftsstelle des Nachhaltigkeitsbeirats Baden-Württemberg angefordert oder auf der Homepage des NBBW abgerufen werden.

Kontakt:            Dr. Michael Ruddat
                        Geschäftsstelle des Nachhaltigkeitsbeirats Baden-Württemberg
                        Tel. 0711 685-83261
                        Fax 0711 685-82175
                        E-Mail: info@nachhaltigkeitsbeirat-bw.de
                        Internet: http://www.nachhaltigkeitsbeirat-bw.de

Der Nachhaltigkeitsbeirat Baden-Württemberg (NBBW) ist ein unabhängiges, wissenschaftliches Beratungsgremium der Landesregierung und besteht aus zwölf Mitgliedern. Er wurde am 22. April 2002 von der Landesregierung Baden-Württemberg ins Leben gerufen und am 04. Oktober 2005 für weitere drei Jahre berufen. Am 03. Februar 2009 wurde eine weitere Verlängerung um drei Jahre vom Kabinett gebilligt. Der Nachhaltigkeitsbeirat hat die Aufgabe, das Land auf dem Weg in eine nachhaltige und dauerhaft umweltgerechte Entwicklung zu beraten und die Umsetzung und Fortschreibung des im Dezember 2000 vom Ministerrat beschlossenen „Umweltplan Baden-Württemberg“ kritisch zu begleiten. Dazu überprüft er in regelmäßigen Abständen die Erreichung der dort formulierten Ziele und gibt Empfehlungen zu Schwerpunkten bei der Umsetzung ab. Weitere Informationen sowie sämtliche bisher erschienene Gutachten sind auf der Homepage des NBBW abrufbar: www.nachhaltigkeitsbeirat-bw.de.
Die Mitglieder des Nachhaltigkeitsbeirats (Periode 2009-2012) sind:

  • Prof. Dr. Stephan Dabbert, Institut für Landwirtschaftliche Betriebslehre, Universität Hohenheim
  • Prof. Dr. Thomas Dyllick, Institut für Wirtschaft und Ökologie, Universität St. Gallen
  • Dr. Peter Fritz, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
  • Dr. Ulrich Höpfner, IFEU - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg
  • Prof. Dr. Giselher Kaule, Institut für Landschaftsplanung und Ökologie, Universität Stuttgart
  • Prof. Dr. Lenelis Kruse-Graumann, Psychologisches Institut, Universität Heidelberg (stellv. Vorsitzende)
  • Prof. Dr. Dr. Hans Müller-Steinhagen, Institut für Technische Thermodynamik, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt Stuttgart
  • Prof. Dr. Christine Neumann, Abteilung Dermatologie und Venerologie, Universität Göttingen
  • Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher, Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung/n (FAW/n), Ulm
  • Prof. Dr. Dr. h. c. Ortwin Renn, Institut für Sozialwissenschaften, Abteilung für Technik- und Umweltsoziologie, Universität Stuttgart (Vorsitzender)
  • Prof. Dr. Stefan Siedentop, Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung, Universität Stuttgart
  • Prof. Dr. Lutz Wicke, Institut für Umweltmanagement (IfUM), Europäische Wirtschaftshochschule Berlin

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