Datum: 2. November 2015, Nr. 81

Konkurrenz unter der Erde

Darcy-Lecturer Prof. Rainer Helmig spricht über den Einfluss von Energiespeicherung und Energiegewinnung auf das Grundwasser

Die Ernennung zum „Darcy-Lecturer“ der Nationalen Grundwassergesellschaft der USA (NGWA) gilt als eine der weltweit höchsten Auszeichnungen im Bereich der Grundwasserforschung. 2015 wurde diese Ehre Prof. Rainer Helmig vom Institut für Wasser- und Umweltsystemmodellierung der Universität Stuttgart zuteil. Helmig wurde in diesem Rahmen von etwa 60 führenden Wissenschaftseinrichtungen rund um den Globus zu Vorträgen eingeladen, darunter nach Princeton, Stanford und Berkeley in den USA und nach Delft in den Niederlanden. Am 10. November um 16.00 Uhr spricht er an seiner Heimatuniversität über den Einfluss von Energiespeicherung und Energiegewinnung auf das Grundwasser.

Zeit:     10. November 2015, 16.00 Uhr
Ort:      Campus Stuttgart-Vaihingen, Pfaffenwaldring 7, Hörsaal V 7.04

Vertreter/innen der Medien sind herzlich eingeladen (Vortrag in englischer Sprache).

Der Untergrund wird sowohl als Ressource für Rohstoffe verschiedenster Art (Wasser, Öl, Wärme, etc.) als auch als Speichermedium, beispielsweise für Gase oder Abfälle, zunehmend genutzt. Dadurch kommt es verstärkt zu Nutzungskonflikten, so zum Beispiel, wenn in der Nähe eines Geothermie-Projektes, bei dem Erdwärme zum Beheizen von Wohnungen genutzt wird, Schiefergas produziert (Fracking) oder Kohlendioxid gespeichert wird. Nähe ist dabei ein sehr dehnbarer Begriff, denn die Einflussradien solcher Untergrundnutzungen sind individuell sehr verschieden.

In der Darcy-Lecture gibt Helmig einen Einblick, wie mithilfe numerischer Modelle der wechselseitige Einfluss von Ingenieurprojekten im Untergrund analysiert werden kann, um deren Auswirkungen auf das Grundwasser zu prognostizieren. Neben Nutzungskonflikten im Untergrund werden vor allem die Grundlagen der mathematisch-numerischen Modellierung von Strömungen mehrerer Fluide im Untergrund erklärt. Dies umfasst die Bilanzgleichungen, den Stofftransport innerhalb der Fluidphasen und über deren Phasengrenzen hinweg (z.B. Verdampfungsvorgänge), sowie hydraulische Beziehungen, die das Verhalten von Fluiden in porösen Medien beschreiben. Großskalige Simulationsbeispiele zeigen die Anwendungsmöglichkeiten solcher Modellierungskonzepte, wobei anhand der Beispiele auch die Limitierungen und Schwächen diskutiert werden.

Die "Henry Darcy Distinguished Lecture Series in Ground Water Science" wurde von der National Groundwater Association (NGWA) der USA bereits 1986 eingerichtet, um breites Interesse und exzellente Forschung im Bereich der Grundwasserforschung zu fördern. Jedes Jahr ernennt dabei ein Gremium aus Wissenschaftlern und Ingenieuren einen herausragenden Forscher im Bereich Grundwasser zum Darcy-Lecturer, damit er seine Arbeit weltweit vor Kollegen und Studenten vorträgt. Benannt ist die Darcy-Lecture nach dem französischen Ingenieur Henry Darcy. Der im 19. Jahrhundert lebende Wissenschaftler formulierte das so genannte Darcy-Gesetz, einen für die Beschreibung von Grundwasserströmungen wichtigen Zusammenhang zwischen der Strömungsgeschwindigkeit und dem Wasserstandsgradient, der bis heute die wohl berühmteste Gleichung in der Grundwasser-Society ist. 

Weitere Informationen:

Prof. Rainer Helmig, Universität Stuttgart,  Institut für Wasser- und Umweltsystemmodellierung (IWS), Lehrstuhl Hydromechanik & Hydrosystemmodellierung, Tel.: 0711/ 685-64741, E-Mail: rainer.helmig (at) iws.uni-stuttgart.de

Andrea Mayer-Grenu, Universität Stuttgart, Abt. Hochschulkommunikation, Tel. 0711/685-82176, E-Mail: andrea.mayer-grenu (at) hkom.uni-stuttgart.de