Summer of Science

Unikurier Nr. 108, 2/2011

Luftwellensurfen gegen Langeweile

Summer of Science

Vom 1. bis 20. August herrschte in der Mensa auf dem Campus Vaihingen ausgelassene Experimentierlaune: Langeweile in den Sommerferien lässt sich – manchen mag das überraschen – bestens mit Physik und Mathematik vertreiben. Das haben die Akteure rund um Prof. Tilman Pfau vom 5. Physikalischen Institut mit dem Wissenschaftsfestival „Summer of Science“ bewiesen und lockten über 3.000 Besucher in die Ausstellung mit über 40 Experimentierstationen und Workshops.

Funkelnde Kinderaugen, heisere Betreuer und tausend Fragen und Antworten – das war der „Summer of Science”. „Die Besucher und die Betreuer in der Ausstellung haben sich während der Veranstaltung gegenseitig so stark begeistert, dass die Spannung und der Spaß am Experimentieren richtig zu spüren war“, freut sich Prof. Pfau. Mit dem „Summer of Science“ ist den Veranstaltern ein weiterer Schritt hin zur erlebbaren Naturwissenschaft gelungen. Erwachsene, die sich teilweise zunächst selbst nur als Begleitperson sahen, wurden von der Experimentierfreude ihrer Kinder angesteckt. Erstmals wurde dieses Angebot bewusst in den Sommerferien platziert, um sowohl Familien, als auch Gruppen im Rahmen von Ferienprogrammen zu erreichen.

„Mir hat am besten gefallen, dass ich alle Experimente selbst ausprobieren konnte, wie zum Beispiel auf dem Fahrrad mit annähernd Lichtgeschwindigkeit fahren oder Blitze in der Plasmakugel mit der Hand ablenken“, berichtet die 10-jährige Janine Stephan aus Stuttgart. An über 40 Stationen führten die Besucher entweder selbst Versuche durch oder folgten gespannt den Erläuterungen der wissenschaftlichen Mitarbeiter und Studierenden. „Eine der wichtigsten Zutaten, um den Appetit auf Naturwissenschaften mit Ausstellungen zu wecken, ist den Besuchern möglichst viele Ansprechpartner zur Verfügung zu stellen“, erläutert Karin Otter, die Organisatorin des Festivals vom 5. Physikalischen Institut.

Neu am „Summer of Science“ war das umfangreiche Workshopangebot zusätzlich zur Ausstellung, das mit rund 500 Teilnehmern ab acht Jahren in den drei Wochen voll ausgebucht war. Für alle, die sich mit einem Thema intensiver befassen wollten, standen sieben Workshopthemen vom Papierflieger bis zur Seevermessung zur Auswahl. „Der Großteil der Experimente wurde in den letzten vier Monaten zusammen mit Lehramtsstudierenden und studentischen Mitarbeitern konzipiert und im Vorfeld mit Stuttgarter Grundschulkindern getestet“, berichtet Otter. Während des „Summer of Science“ bestanden die Workshops die Feuertaufe und werden ab Herbst das Programm des Schülerlabors „Spiel der Kräfte“ im Grundschul- und Unterstufenbereich bis Klassenstufe 6 verstärken.

Ganz nebenbei entwickelte sich in der Vorbereitungsphase zum „Summer of Science“ eine Kooperation zwischen dem Sportwissenschaftlichen Institut und dem Schülerlabor. Der Workshop „Alles in Balance“ kombiniert geschickt theoretische Aspekte, Experimente und Bastelarbeiten rund um Balance und Schwerpunkt, die der Sportwissenschaftler Dr. Udo Grabowiecki aus seiner jahrelangen Erfahrung in der spielerischen Artistik einbrachte.

Eins der absoluten Highlights war der Workshop „Luftwellensurfer“: Das sind federleichte rotierende Papierobjekte und -gleiter, die scheinbar unendlich lange durch den Raum surfen, gesteuert nur mit Hilfe eines Kartons. Der 14-jährige Henry Göttler war zunächst nur als Besucher beim „Summer of Science”. Vom „Luftwellensurfen“ war er so fasziniert, dass er seine ehrenamtliche Mithilfe anbot. Statt die Sommerferien mit Faulenzen oder im Schwimmbad zu verbringen, brachte er die restliche Ausstellungszeit anderen Jugendlichen und Kindern diese „Sportart“ mit viel Geduld und Enthusiasmus näher. Neben Göttler engagierten sich noch sechs weitere Schülerinnen und Schüler, alle um die 15 Jahre alt, ehrenamtlich als Betreuer. „Neben Physik und Mathematik habe ich auch viel über Menschen gelernt und wie leicht man Kindern Lernstoff spannend und anschaulich erklären kann“, resümiert der 15-jährige Vincent Gairing aus Köngen.

Das Festival wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG im Rahmen des Teilprojekts für Öffentlichkeitsarbeit im Sonderforschungsbereich SFB/TRR21 CO.CO.MAT in besonderer Weise unterstützt. Neben 17 Projekten in der Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Quantenphysik ist das Ziel von „CO.CO.MAT goes public“ bei einer breiten Öffentlichkeit das Interesse und die Faszination an physikalischen Phänomenen und aktuellen Forschungsthemen zu wecken.