Weitere Schritte für Genderkonzept

Unikurier Nr. 108, 2/2011

Weitere Schritte für Genderkonzept

Service Uni & Familie und Neuanfang beim Mentoring-Programm

Ein „überzeugendes Gesamtkonzept“ sei „bereits überwiegend implementiert“ – dieses Zeugnis stellte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) der Uni Stuttgart in ihrem Zwischenbericht über die Umsetzung der „Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards“, sprich: über die Umsetzung ihres Genderkonzepts, aus. Die DFG attestierte das Umsetzungsstadium 3 (von 4 möglichen Stadien) und lobte insbesondere die breite Verteilung der Verantwortung, die umfangreichen Maßnahmen für die unterschiedlichen Zielgruppen sowie das effiziente Controlling. Seit Sommer 2011 ist die Uni Stuttgart auf diesem Feld um weitere, entscheidende Schritte vorangekommen.

So wurde im Gleichstellungsreferat der „Service Uni & Familie“ ins Leben gerufen, der die bereits bestehenden vielfältigen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Studium, wissenschaftlicher Karriere und Familie an der Uni Stuttgart weiter fortführen und ausbauen soll. Hierzu gehören zum Beispiel Belegplätze für Kleinkinder in Einrichtungen privater Träger, Kitaplätze für Drei- bis Sechsjährige in Einrichtungen des Studentenwerks, eine Notfallbetreuung sowie die Ferienbetreuung „Stuttgarter Forschungsferien“. Orientierung im Angebotsdschungel finden Eltern und Studierenden seit dem 1. August bei der neuen Leiterin der Service-Stelle, Dr. Bettina Schmidt. Die in Südafrika aufgewachsene Sozialwissenschaftlerin, die Erfahrung aus dem Projektmanagement an Hochschulen und aus internationalen Kooperationen, darunter mit der Nelson Mandela Universität in Port Elizabeth/Südafrika mitbringt, fasst den Begriff Familie weit. „Familie bezieht sich auf die Eltern, Großeltern, Kinder, Enkel, ‚Patchwork-Familien’ und andere langfristig verbindliche Lebensgemeinschaften“, erklärt Schmidt. „Daraus leitet sich mein Auftrag ab, Eltern mit Kindern durch vielfältige Maßnahmen zu unterstützen. Mit dem demographischen Wandel und der Alterung unserer Gesellschaft wird aber auch die Unterstützung von Beschäftigten mit pflegenden Angehörigen an Bedeutung gewinnen.“

Darüber hinaus wird Schmidt die Zertifizierung der Uni Stuttgart als familiengerechte Hochschule im Rahmen des von der Hertie-Stiftung eingeführten Qualitätssiegels “audit berufundfamilie“ vorbereiten und begleiten - ein Prozess, in den alle von der Thematik betroffenen Gruppen eingebunden sein werden. „Mit dieser Auditierung macht sich die Universität mit all ihren Mitgliedern einschließlich der Studierenden, auf den Weg, eine familienfreundlichere Hochschulkultur zu gestalten, die Vielfalt und Chancengleichheit fördert und wertschätzt“, so Schmidt.

Ein neues Gesicht hat auch das bereits seit 2003/04 bestehende „Mentoring-Programm für Frauen in Wissenschaft und Forschung“: Regina Rapp wird als Geschäftsführerin das Programm für Nachwuchswissenschaftlerinnen mit der Vielzahl seiner bedarfsorientierten Elemente weiterführen und verbessern. Rapp studierte Soziologie, Politikwissen-schaften und Kunst- und Medienwissenschaften an der Universität Konstanz und leitete dort zuletzt das Mentoring-programm für Studentinnen und Absolventinnen der Konstanzer Hochschulen. Ihre zentrale Aufgabe im Rahmen des Stuttgarter Mentoring- Programms, das mit mehr als 90 Aktiven und knapp 200 Alumnae zu einem der größten dieser Art im Bereich der Hochschulen gehört, ist die Betreuung der Mentoring-Tandems sowie die Konzeption  und Durchführung von Weiterbildungs- und Networking-Veranstaltungen.

Strategische Erweiterung: Junior-Mentoring
Darüber hinaus wird Rapp sich um die Umsetzung des Genderkonzepts im Bereich Mentoring kümmern und das bisher vornehmlich an Nachwuchswissenschaftlerinnen gerichtete Programm um ein Junior-Mentoring-Programm für Bachelor- und Masterstudierende ergänzen - eine Novum in der strategischen Personalentwicklung der Universität. „Die Idee ist, leistungsstarke und motivierte junge Menschen direkt nach ihrer Orientierungsprüfung auf ihrem Qualifizierungsweg zu begleiten, um so frühzeitig Potentiale identifizieren und gezielt fördern zu können“, erklärt Rapp. „Das Ziel ist eine kontinuierliche Orientierungshilfe vom Bachelorstudium über das Masterstudium bis hin zur Promotion und darüber hinaus.“ Durch eine frühzeitige Bindung soll die Rekrutierung von hochqualifiziertem wissenschaftlichem Nachwuchs gelingen und die Identifikation mit der Universität Stuttgart erhöht werden.