Studium mit Kind wird leichter

Stuttgarter Zeitung (online) vom 09.07.2010

Studium mit Kind wird leichter

Neues Kinderhaus auf dem Campus der Universität Stuttgart - 50 Bewerber auf der Warteliste

Unbeschwert tollt eine Horde Kinder im Hof des neu gebauten Kinderhauses am Pfaffenwaldring 3. Dort können Ein- bis Dreijährige den ganzen Tag mit ihren Freunden toben, spielen und ausruhen. Unbeschwert soll so nicht nur der Alltag der Kleinkinder sein, sondern vor allem auch der ihrer studentischen Eltern.

Das Kinderhaus liegt direkt am Campus der Universiät Stuttgart und wurde am Donnerstag offiziell eingeweiht. Der Neubau bietet bislang Platz für zwei Krabbelgruppen, die mit 20 Kindern voll besetzt sind. Im Herbst sollen in einer dritten Gruppe noch einmal zehn zusätzliche Plätze geschaffen werden. Wer aufgenommen werden will, muss allerdings viel Geduld haben. Schon jetzt stehen über 50 Bewerber auf der Warteliste. Der Bedarf an Berteuungsplätzen übersteigt das Angebot bei weitem. Gegenwärtig sind an der Uni Stuttgart ungefähr 20 000 Studenten eingeschrieben.

Wer glaubt, dass vor allem ältere Semester die Angebote der Kinderbetreuung wahrnehmen, der täuscht sich gewaltig. Den typischen Langzeitstudenten gibt es nämlich schon lange nicht mehr. Seit der Einführung vom achtjährigen Gymnasium, Studiengebühren und den neuen Bachelor- und Master-Studiengängen bleibt keine Zeit zum Trödeln. Für Erstsemester beginnt mit der Immatrikulation ein stetiger Kampf gegen die Zeit, denn die ist an der Uni teuer. Daraus ergibt sich, dass studentische Mütter immer jünger werden und ihr Kind gut versorgt wissen wollen, wenn sie im Hörsaal sitzen. Das Alter der Eltern reicht von Anfang 20 bis MItte 30. 

"Das Kinderhaus ist ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Familienfreundlichkeit der Uni Stuttgart", sagt Bettina Buhlmann, Kanzlerin der Uni Stuttgart bei der Einweihung des neuen Gebäudes. Dabei geht es natürlich um die Unterstützung von jungen Studierenden. Da eine der drei Krabbelgruppen aber ausschließlich für den Nachwuchs von Mitarbeitern der Uni eingerichtet ist, soll so auch der wissenschaftliche Nachwuchs beim Einstieg in den Beruf unterstützt werden. So verspricht man sich einen Vorteil im Wettbewerb um qualifizierte Akademiker.

"Wir hoffen, unseren Studierenden und Beschäftigten den familiären Alltag zu erleichtern", so Buhlmann, die aus eigener Erfahrung spricht, da sie zu Beginn ihrer Promotion in Stuttgart als alleinerziehende Mutter selbst auf ein gutes Betreuungsangebot angewiesen war.  

Bereits seit Mitte der Siebziger Jahre wurde das Gebäude am Pfaffenwaldring 3 als Betreuungsstätte für zehn Kinder genutzt. Eine Sanierung dieser alten Bauleitungsbaracke war unrentabel, darum wurde sie abgerissen und das neue Gebäude als Systembauweise an dessen Platz gesetzt. Insgesamt kostet das Kinhaus 830 000 Euro, die größtenteils vom Studentenwerk Stuttgart, der Universität und Fördermitteln des Bundes getragen wurden. Zusätzlich gab es noch einige großzügige Spender, der die Finanzierung ermöglichten.

Christoph Hartmeier, der Geschäftsführer des Studentenwerks Stuttgart, freute sich über die Fertigstellung und die Eröffnung des Kinderhauses. "Man sieht, dass sich unsere Anstrengungen gelohnt haben", sagte er mit Blick auf die zufrieden spielenden Kinder.