Mehr Frauen forschen

Stuttgarter Zeitung, 23. Januar 2010

Mehr Frauen forschen

Die Universität Stuttgart kümmert sich um den weiblichen Nachwuchs für die Wissenschaft.

Unter den Studierenden technischer Studiengänge sind zu wenig Kommilitonninen. Obwohl der Frauenanteil an den Universitäten kontinuierlich steigt, zeigt ein Blick in die Hörsäle von Ingenieur- und Naturwissenschaftlern, dass die Plätze überwiegend von männlichen Studenten besetzt werden. Dies setzt sich fort: zwar promovieren immer mehr Absolventinnen und wollen sich an den Universitäten auch beruflich weiterentwickeln, dennoch sind Professorinnen weiter deutlich in der Minderzahl - in Deutschland sind sie mit gerade einmal 17 Prozent vertreten, europaweit mit 18 Prozent.

Bei der Förderung von Professorinnen ist die Universität Stuttgart nun einen Schritt weiter. Mit ihrem Gleichstellungskonzept hat die Uni bei den Gutachtern des Professorinnenprogramms, das 2008 von Bund und Ländern ausgeschrieben worden war, gepunktet. Im Rahmen des Programms kann jede Hochschule Fördermittel für bis zu drei Professuren erhalten. Für die Universität Stuttgart wurden alle Anträge genehmigt. Bundesweit ist es bisher nur sechs weiteren Hochschulen gelungen, diese Höchstförderung zu erreichen. Die Professorinnen Nadja Schott, Cristina Tarin und Meike Tilebein haben inzwischen ihre Arbeit an der Universität Stuttgart aufgenommen. 

"Seit den 90er Jahren betreiben wir eine gezielte Gleichstellungspolitik, um den Frauenanteil zu stärken und junge Talente auf ihrem Weg zu einer wissenschaftlichen Karriere zu unterstützen", berichtet Gabriele Hardtmann, die Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule. Sie hat sich bei ihrer Arbeit ein konkretes Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2012 soll der Anteil der Studentinnen von derzeit 33 Prozent auf 40 Prozent und jener der Wissenschaftlerinnen von 24,6 auf 30 Prozent steigen. Besonderen Nachholbedarf sieht Gabriele Hardtmann bei den Promotionen. Ein Mentoringprogramm, bei dem etablierte Professoren dem karrierewilligen Nachwuchs unter die Arme greifen, soll Frauen auf dem Weg zum Doktortitel unterstützen.

Der Unirektor Wolfram Ressel sieht Potenzial im weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs: "Für uns als technisch orientierte Universität ist der Gewinn von Frauen immer ein Erfolg." Mit Veranstaltungen wie dem Girls' Day und Workshops sollen junge Frauen für technische und naturwissenschaftliche Studienfächer begeistert werden. Mit ihren Angeboten will die Uni junge weibliche Talente werben und verhindern, dass sie in andere Bereiche abwandern.

Meike Tilebein, eine der geförderten Professorinnen, gehörte während ihres Studiums zur weiblichen Minderheit. Wegen der Geburt ihrer beiden Kinder hatte sich ihre Karriere verzögert. Nun hilft ihr die Förderung beim Wiedereinstieg. Frauen sollten es heute einfacher haben, Familie und Wissenschaft miteinander zu verbinden, sagt Gabriele Hardtmann. Dazu gehöre nicht nur ein gutes Betreuungsangebot für Kinder. Hardtmann: "Wir arbeiten gerade an einem Modell für Teilzeitstudiengänge und -professuren."