Warum Frauen lieber Autos bauen

Stuttgarter Nachrichten, 07.03.2009

Warum Frauen lieber Autos bauen

Zahl der Ingenieurinnen seit 2000 deutlich gestiegen

Der Frauenanteil in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen an der Uni Stuttgart steigt. Auch in der Praxis arbeiten immer mehr Ingenieurinnen. "Wir sind aber noch nicht am Ziel", sagt eine Sprecherin der Uni.

Alle Männer, die immer noch behaupten, sie würden besser Auto fahren als Frauen, müssen sich mit folgendem Gedanken anfreunden: Frauen verursachen nicht nur weniger Unfälle, sondern sie haben möglicherweise sogar das Auto gebaut, das in der Garage dieser Männer steht. Es gibt in der Praxis nämlich immer mehr Ingenieurinnen.

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes hat sich die Zahl der studierten Technikerinnen im Südwesten seit dem Jahr 2000 um 60 Prozent erhöht. Der prozentuale Zuwachs sei demnach fünfmal so stark wie bei den Männern.

Die Ingenieurin Ines Marquardt-Schmidt, die am Mädchengymnasium St. Agnes den Projekttag "Perspektive Ingenieurin" organisiert hat, erklärt sich den Anstieg mit einem Kreislauf, der jetzt in Gang gesetzt worden sei: Je mehr junge Mädchen bereits an der Schule durch Vorbilder aus der Praxis für den Ingenieurberuf begeistert werden könnten, desto höher wäre später die Zahl der Uni-Absolventinnen. Dadurch stiege die Zahl der Ingenieurinnen im Berufsalltag. Und diese Frauen hätten dann wieder eine Vorbildfunktion für noch mehr Schülerinnen.

Ingenieurinnen, StN 070309

Und tatsächlich steigt der Frauenanteil der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge an der Universität Stuttgart. In den Bereichen Technische Kybernetik sowie Elektro- und Informationstechnik hat sich der Frauenanteil in den letzten zehn Jahren fast verdreifacht. Verdoppelt hat sich der Anteil der Frauen in den Fächern Luft- und Raumfahrttechnik sowie Maschinenwesen. "Ich habe das Studium als sehr angenehm empfungen", sagt Birgit Lenz, Absolventin des Studiengangs Luft- und Raumfahrttechnik. "Alle haben sich um mich gekümmert", erzählt sie. Auffällig hoch sind die Frauenanteile in den naturwissenschaftlichen Fächern wie Chemie und Mathematik.

Das verdeutliche nicht nur, dass Veranstaltungen wie "Probiert die Uni aus!" oder "Girls' Day" allmählich Wirkung zeigen", sagt Barbara Unteutsch, Leiterin des Gleichstellungsreferats der Uni Stuttgart: "Die Industrie braucht Nachwuchs und hat das Potenzial der Frauen erkannt, die bereits in der Schule zunehmend die besseren Leistungen erbringen." Beate Langer, ebenfalls vom Gleichstellungsreferat, weist alledings darauf hin, dass der Anstieg des Frauenanteils in den genannten Studiengängen noch längst nicht bedeute, dass sie an ihrem Ziel angekommen seien: "Zufrieden können wir erst dann sein, wenn der Männer- und Frauenanteil in den entsprechenden Studiengängen in etwa der Zusammensetzung der Gesellschaft entspricht."

An diesem Bestreben darf auch die Finanz- und Wirtschaftskrise nichts ändern, sagt Ruth Weckenmann, die sich bei der Bundesagentur für Arbeit mit Chancengleichheit am Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg befasst. Sie ermutigt junge Frauen, weiterhin Ingenieurwissenschaften zu studieren. "Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsorientierung spricht nach wie vor von einem Fachkräftebedarf."