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Stuttgarter Zeitung, 13.08.2007

Bedarf an Ferienbetreuung steigt stetig

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird gerade in der schulfreien Zeit auf die Probe gestellt

Etwa 50 Kinder turnen jede Woche durch das Junge Gemüse. So heißt die Vaihinger Kindertagesstätte, in der drei Wochen lang Forschungsferien angeboten werden. Viele bleiben zwei Wochen, manche die volle Zeit – die Nachfrage ist groß.

Der kleine Blondschopf zieht und zerrt seine Mama am Ärmel, bis sie die kleine Schwester Johanna auf den Arm nimmt und Philipp in den Musikraum folgt. Wieder mal ist eine Forschungsferienwoche in Vaihingen zu Ende, und die Kinder zeigen ihren Eltern, was sie in den verschiedenen Workshops gelernt und geübt haben: Breakdance und Textildesign zum Beispiel, Flugtechnik und eben auch Musik.

Philipp und seine Gruppe haben gleich ihren Auftritt an Xylofon, Regenrassel und Gong. Ein bisschen aufgeregt sind sie, vor so viel Publikum zu spielen: 55 Kinder waren in der zweiten von insgesamt drei angebotenen Wochen da, jetzt werden alle von ihren Eltern abgeholt. „Den Kindern hat es sehr gefallen, sie haben schöne Sachen gemacht“, sagt Brigitte Steinmetz, die Mutter von Philipp und Johanna. Sie ist froh über das außerplanmäßige Sommerprogramm. „Heilfroh. Mein Mann ist voll berufstätig, ich in Teilzeit. Keiner von uns kann die vollen drei Wochen, in denen unser Kindergarten geschlossen ist, freinehmen.“ Da es in der Nähe keine Großeltern gibt, die auf die Kinder aufpassen, müssten sie beide versetzt Urlaub nehmen – gäbe es nicht Angebote wie zum Beispiel die Forschungsferien.

Das Programm richtet sich an die Kinder von Angestellten der Universität Stuttgart und des Frauenhofer-Instituts. Für die Zeit des Sommerprogramms wird die für den regulären Betrieb geschlossene Kindertagesstätte Junges Gemüse angemietet. Das pädagogische Personal wird von der Firma Konzepte für Bildung und Soziales gestellt, ein privater Träger; unter anderem berät und unterstützt Konzepte Unternehmen, um Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie leichter zu machen. „Es ist wichtig, den Eltern hier zu helfen. Der Bedarf an Ferienbetreuung ist groß, und er steigt stetig“, sagt Zofia Fabbro von Konzepte. Diese Entwicklung zeigt sich vor allem an der zunehmenden Anzahl von Angeboten: Vor vier Jahren gab es die ersten Forschungsferien im Sommer, mittlerweile gibt es sie auch an Ostern und Pfingsten. Und nicht nur in Vaihingen. Weitere betriebsnahe Kindertagesstätten erarbeiten mit Konzepte ein Ferienprogramm, etwa in der Bärcheninsel Dürrlewang oder im Spatzennest auf dem Burgholzhof.

„Wie sollte das ohne ein Ferienprogramm auch gehen?“ fragt Anna Seitz-Bisenberger. Sie arbeitet in Halbzeit als Bibliothekarin am Frauenhofer-Institut und müsste sich schon sehr verbiegen, um die langen Sommerferien mit ihren Söhnen Florian und Franz anders zu gestalten.

Auch Ulrich Schneider, dessen Frau wie er berufstätig ist, ist froh über das Angebot. Sohn Eberhard ist zum ersten Mal bei den Forschungsferien dabei: „Früher haben sich entweder die Großeltern gekümmert, oder er ist wie vergangenes Jahr ins Waldheim gegangen.“ Gefallen hat es Eberhard dort nicht: „Da waren viel mehr Kinder auf weniger Betreuer zugeteilt. Man will sein Kind ja auch nicht überall hinschicken; hier können wir wenigstens sicher sein, dass sich geschultes Personal kümmert“, sagt Ulrich Schneider.