Modellseite: 3 Spalten (links, Mitte, rechts)

Stuttgarter Zeitung, 12.08.2006

Eine Kindertagesstätte wird zur Raketenbasis

Fraunhofer-Institut, Universität Stuttgart und Kind e.V. veranstalten in diesem Jahr zum dritten Mal Stuttgarter Forschungsferien

Während ihre Eltern an der Universität Stuttgart studieren, sich wissenschaftliche weiterqualifizieren oder an einem der Fraunhofer-Institute forschen, verwandeln rund 50 Kinder die Kindertagesstätte Junges Gemüse in Vaihingen in eine Raketenbasis.

Pascal und Florian halten ihre Wasserraketen zum Abschuss bereit. Zusammen mit ihrer Betreuerin Eva Braunert haben sie am Donnerstagmorgen eine einfache Wasserflasche zum Wurfgeschoss umfunktioniert. Mit einem Korken, in dem ein Fahrradventil befestigt ist, haben die Kinder die Rakete verschlossen. "Für die Aerodynamik haben wir noch ein Leitwerk aus Pappkarton gebastelt", erzählt die Betreuerin. Nun muss die Flasche mit Wasser gefüllt und mit einer Luftpumpe aufgepumpt werden, und schon kann sie durch die Lüfte segeln.

Die Kinder sind begeistert, mit einem lauten "Plopp" saust die Flasche aufs Dach. Yvonne und Isabell halten sich derweil etwas im Hintergrund, hier wird nämlich schon die nächste Backpulverrakete gezündet. Der sechsjährige Eric ist Feuer und Flamme für seine Konstruktion. In einer ausgedienten Filmdose mischt er Backpulver und Wasser, durch die chemische Reaktion des Gemischs wird die Dose dann nach oben befördert.

Die Idee für das spannende Flugprojekt stammt von der Studentin Eva Braunert. Sie studiert an der Universität Vaihingen Luft- und Raumfahrttechnik und ist bei den diesjährigen Forschungsferien, die von 7. August bis 25. August stattfinden, für die Projekte im Bereich Flug und Technik zuständig. Zusammen mit anderen engagierten Studenten und Pädagogen hat sie das Ferienprogramm gestaltet und betreut. "Die Kinder können hier zwischen verschiedenen Workshops wählen", erzählt Matthias Wegmann, der die Stuttgarter Forschungsferien, die jeweils im Sommer und an Pfingsten stattfinden, im Vorfeld organisiert hat.

Bei einer morgendlichen Kinderkonferenz in der Tagesstätte stellen die Betreuer die Programmpunkte vor, dann können die Kinder entscheiden, was sie am liebsten machen möchten,. oder sie können das Programm sogar selbst mitgestalten. "Die Vereinbarkeit von Kind und Beruf steht bei dem Konzept der Forschungsferien mit Sicherheit im Vordergrund", sagt Wegmann, der momentan an der Universität Tübingen Erziehungswissenschaft studiert.

"Wir freuen uns, dass wir den Kindern ein Ferienprogramm anbieten können, das nicht nur sie, sondern auch alle Eltern begeistert", freut sich Barbara Unteutsch, Leiterin des Gleichstellungsreferats der Universität Stuttgart, die zusammen mit Inge Fiegel-Kölblin vom Fraunhofer-Institut die Stuttgarter Forschungsferien ins Leben gerufen hat.

Denn hier zählt man neben der Betreuung auch auf ein spannendes Programm. Jonas hat sich bei den Forschungsferien für einen Besuch im Fehling-Lab der Universitäten Stuttgart und Hohenheim entshcieden. " Wir haben in weißen Kitteln Parfum gemixt, Kristalle und Säuren untersucht. Aber auch im Fraunhofer-Institut war es spannend", erzählt er begeistert. Dort haben die Kinder durch ein Rasterelektronenmikroskop ein Insektenauge beobachtet.

Die Künstler kommen ebenfalls nicht zu kurz. Ein Clownerieworkshop, eine Führung durch die Monet-Ausstellung der Staatsgalerie und ein Besuch im Alten Schauspielhaus sind bereits fest eingeplant.