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Stuttgarter Nachrichten, 11.08.2006

In hohem Bogen schießt die Rakete in die Luft

Forschungsferien für Nachwuchs von Wissenschaftlerinnen

Sie experimentieren im Chemielabor, spielen Clowns oder schießen selbst gebastelte Raketen in die Luft: Langeweile kommt bei den Kindern der Stuttgarter Forschungsferien nicht auf. Drei Wochen lang wird der Nachwuchs der Mitarbeiter der Stuttgarter Universität und der Mitgliedsfirmen des Vereins Kind betreut.

Nüredin Canacaya hat es eilig. Hastig probiert der Neunjährige verschiedene Zangen aus und versucht, eine Korken aus seiner Plastikflasche zu ziehen. Doch keine will so recht passen. Ungeduldig beißt er schließlich in den Korken und zieht ihn mit den Zähnen heraus. Nüredin stürmt aus dem Zimmer und saust die Treppe hinunter. Auf der Terrasse des Kinderhauses Junges Gemüse warten die anderen. Denn gleich ist es so weit: Die ersten selbst gebastelten Raketen sollen starten. Aus leeren Plastikflaschen haben die Jungen und Mädchen die Geschosse gebaut. Stolz präsentiert Pascal Preisner sein Exemplar. In den Flaschenhals hat er einen Korken mit einem Ventil gesteckt. Ein weiteres Stück Pappe ist in Kegelform am Boden befestigt. "Die Spitze sorgt dafür, dass die Rakete die Richtung hält", erläutert der Achtjährige.

Eine große gelbe Pumpe haben die Jungen und Mädchen auf der Terrasse platziert. Lorenz Meyke will damit seine Rakete starten. Sorgsam setzt der Sechsjährige die mit etwas Wasser gefüllte Flasche auf eine Holzvorrichtung und steckt den Pumpenschlauch in das Ventil. Mit aller Kraft setzt er die Pumpe in Bewegung. Auf dem Balkon kämpfen die anderen um die besten Plätze. Alle Augen sind auf Lorenz gerichtet. Eifrig stößt der Junge Luft in die Rakete, hat aber ein wenig Mühe, die Flasche in die Luft zu schießen. Mit lauten Rufen feuern die Jungen und Mädchen ihren Kameraden an: "Zehn, neun, acht, sieben, sechs..." - und in hohem Bogen fliegt die Flaschenrakete unter dem Jubel der Kinder in die Luft.

Hinter dem Konzept der Forschungsferien steht der Verein Kind, die Uni Stuttgart und das Fraunhofer-Institut. Ziel ist es, dazu beizutragen, Wissenschaft und Familie besser unter einen Hut zu bringen. Matthias Weegmann vom Veranstalter Konzepte betreut die Kinderfreizeit, seit sie 2004 ins Leben gerufen wurde. "Das Besondere ist, dass die Kinder jeden Tag etwas anderes machen", sagt der Student der Erziehungswissenschaften. Immer jedoch lernten sie etwas dabei. So haben die 52 Kinder bereits im Forschungslabor Parfüm hergestellt, Farbstoffe untersucht und unter der Anleitung eines Artisten Clown-Nummern einstudiert.