Studienwahl-Kompass

Umweltschutztechnik

Bachelor Umweltschutztechnik − Orientierung für Studieninteressierte

Studieninhalte

Studienstart – die ersten vier Semester

In den ersten vier Semestern lernen Sie die Grundlagen. Das heißt manchmal auch: Durchhalten! So ist die Basisausbildung in „Höherer Mathematik”, Technischer Mechanik” oder Anorganischer Chemie” intensiv und für viele Studierende eine Herausforderung. Es werden Grundlagen der linearen Algebra und der Differenzial- und Integralrechnung für Funktionen einer Veränderlichen aufgefrischt und weiter entwickelt, damit Sie später zum Beispiel Tragwerke und Strömungen berechnen können. In der „Technischen Mechanik” erlernen Sie Methoden, um Bewegungen und Kräfte zu bestimmen, die für die Konstruktion von technischen Anlagen relevant sind. Die Grundlagen der Naturwissenschaften sind notwendig, um Umwelteinflüsse bewerten und Verfahren und Methoden zur Umweltschonung entwickeln zu können. Hier lernen Sie schon ab dem zweiten Semester mit Hilfe von Laborpraktika in Physik und Chemie praktisches Arbeiten sowie das Protokollieren und Auswerten von Versuchen. 

Wenn Sie sich bereits vor Studienbeginn vorbereiten wollen, können Sie die Angebote des MINT-Kollegs nutzen. 

Fünftes und sechstes Semester

Haben Sie sich durch die Grundlagen der ersten Semester gearbeitet, werden die Studieninhalte zunehmend fachspezifischer und anwendungsorientierter. Im fünften und sechsten Semester können Sie aus einer Vielzahl von Modulen wählen. So erlangen Sie die Grundlagen für die Studienrichtungen Energie, Entsorgung, Luftreinhaltung, Verkehr, Verfahrenstechnik und Wasser, wie Sie beispielsweise im Master Umweltschutztechnik an der Uni Stuttgart unterrichtet werden.

Am Ende des Studiums fertigen Sie Ihre erste selbständige wissenschaftliche Arbeit zu einem bestimmten Thema in Schriftform an – die Bachelorarbeit.

Veranstaltungsformen

Im Bachelor Umweltschutztechnik werden die Lehrinhalte klassisch in Vorlesungen und Übungen vermittelt. Für Umweltschutztechniker*innen ist es aber besonders wichtig, auch einmal in Laborpraktika „selbst Hand anlegen“ zu dürfen. Praktika in anorganischer und organischer sowie analytischer Chemie, Physik und Biologie vertiefen anschaulich das theoretisch erlangte Wissen. Einmal richtig im Chemielabor pipettieren, Messgeräte bedienen lernen oder eine Wasserprobe nehmen können – das ist Umweltschutztechnik zum Anfassen. Besonders anschaulich wird der umweltorientierte Stoff bei Exkursionen zu Anlagen der Energieerzeugung, Abfallverwertung und -beseitigung, zur Wasserversorgung und  -entsorgung oder Luftreinhaltung. 

Auslandsaufenthalt während des Studiums

Auslandsaufenthalte sind eine gute Gelegenheit, sich während des Studiums persönlich weiterzuentwickeln. Sie lernen neue Länder, Kulturen und Menschen kennen und sammeln wertvolle Erfahrungen. Informationen zu Programmen und Möglichkeiten von Auslandssemestern finden Sie auf den Seiten des Internationalen Zentrums der Universität Stuttgart.

Interviews mit Studierenden

Wir haben Studierende des Fachs zum Inhalt des Studiums, den Besonderheiten und Herausforderungen befragt.
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Besonderheiten der Umweltschutztechnik an der Uni Stuttgart
  • Am Studiengang sind fast alle Fakultäten und eine Vielzahl der Fachbereiche der Universität beteiligt. Dadurch haben Studierende die Chance, sich ein breites Basiswissen anzueignen. Damit ist die wissenschaftliche Basis in Stuttgart ideal: Nirgendwo anders arbeiten so viele anerkannte Forscher*innen auf dem Gebiet der Umweltschutztechnik in Lehre, Forschung und Projekten zusammen.
  • Der Standort Baden-Württemberg ist geprägt durch eine starke mittelständische Industrie. Der Studiengang unterhält enge Verbindung zu inhaltlich relevanten Unternehmen, was den Studierenden umfassende Möglichkeiten zu intensiven praktischen Erfahrungen bietet. 
  • Die Studierenden haben viele Möglichkeiten, aktiv an der Gestaltung des Studiengangs mitzuwirken. In vielen Gremien werden die Interessen der Vertreter*innen des Studiengangs gehört und umgesetzt. Dies wird untermauert durch eine aktive Fachgruppenarbeit, die die Studierenden miteinander verbindet.

Interviews mit Lehrenden

Wir haben Lehrende des Fachs zum Inhalt des Studiums, den Besonderheiten und Herausforderungen befragt.
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Unsere Großforschungseinrichtungen
Vorklärbecken des Lehr- und Forschungsklärwerks (c) Uni Stuttgart

Die Ergebnisse von mehr als fünf Jahrzehnten Forschung im Lehr- und Forschungsklärwerk (LFKW) haben die Entwicklung und den heutigen Stand der Abwasserreinigung und der Klärschlammbehandlung in der Bundesrepublik Deutschland maßgeblich mitbestimmt. Die flexible technische Grundausstattung des Klärwerks sowie die ständige Verfügbarkeit von Abwässern und Schlämmen unterschiedlicher Zusammensetzung ermöglichen jederzeit die Anpassung an neue Forschungsaufgaben. 

Ein aktuelles Forschungsprojekt ist die Untersuchung der Auswirkung von hochkonzentrierten wässrigen Substraten auf den Faulprozess. Dieses Substrat fällt bei Kompostierungsanlagen an. Die Kompostierung von biologischen Abfallstoffen verläuft gut, solange der Feuchtigkeitsgehalt nicht zu hoch ist. Sehr feuchte Substrate werden in der Regel vor der Kompostierung entwässert. Das Presswasser ist eine hochkonzentrierte, kohlenstoffreiche, wässrige Lösung. Vorversuche haben gezeigt, dass diese Presswässer sehr gut anaerob vergoren werden können. Ziel des Projekts ist es, die Presswässer gemeinsam mit dem im LFKW  anfallenden Schlammen aus der Abwasserreinigung  zu vergären. Die so gewonnene elektrische Energie steigert den Eigenversorgungsgrad des Klärwerks.

Im Sinne einer praxisorientierten Lehre ist das LFKW als Demonstrationsanlage zu einer unentbehrlichen Einrichtung für die am ISWA vertretenen Studiengänge geworden. Hier können sich die Studierenden im Rahmen der angebotenen Lehrveranstaltungen und Praktika, ihrer Diplom-, Bachelor-  oder Masterarbeiten oder als Hilfskräfte im Forschungsbereich mit Anlagendetails und dem Betrieb eines hoch technisierten Klärwerks vertraut machen.

Im Heizkraftwerk führt das IFK (Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik) experimentelle Untersuchungen zur thermischen Nutzung von biogenen und fossilen Brennstoffen durch. Für die Forschung mit verschiedenen thermo-chemischen Verfahren (Verbrennung, Vergasung und Pyrolyse) gibt es im Heizkraftwerk unterschiedliche Versuchsanlagen, die die Charakteristika industriell verwendeter Technologien zur Strom- und Wärmeerzeugung nachbilden. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Rostfeuerung für feste stückige Brennstoffe wie Holzhackschnitzel oder Müllfraktionen, Wirbelschicht für die Vergasung und Verbrennung von verschiedenen Biomassen sowie Flugstaub für die Verbrennung von gemahlenen Holzpellets.

Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt im Heizkraftwerk ist die Rückhaltung von CO2, welches sowohl aus dem Brennstoff als auch bei bestimmten Prozessen (z.B. bei der Zementherstellung) entsteht. Mehrere Projekte untersuchen unterschiedliche Verfahren zur CO2-Reduktion, wie die Oxy-Fuel-Verbrennung mit Sauerstoff sowie das Post-Combustion Capture mit Kalksteineinbindung („Calcium Looping CO2 Capture“). Die Forschungsprojekte sind meist interdisziplinär aufgestellt und werden mit vielen Partnern aus Industrie- und Forschungseinrichtungen in verschiedenen Ländern Europas durchgeführt.

Trinkwasser, unser wichtigstes Nahrungsmittel, wird in Deutschland zu 65 % aus dem Grundwasser gewonnen. Diese Trinkwasserressource wird durch menschliche Aktivitäten permanent gefährdet. Das Hauptaufgabenfeld der Versuchseinrichtung zur Grundwasser- und Altlastensanierung (VEGAS) ist der Schutz und die Sanierung von Grundwasserleitern.

Altlasten stellen ein erhebliches Gefährdungspotential für das Grundwasser dar. Bei VEGAS werden innovative in-situ Grundwassersanierungstechnologien entwickelt. Damit wird die Qualität von Grundwasserleitern direkt vor Ort verbessert, ein Ausbaggern des Bodens ist somit zum Beispiel nicht notwendig. Die Methoden fokussieren sich auf eine Erhöhung des Schadstoffaustrags und auf den chemischen Abbau der Schadstoffe.

Im Rahmen der Energiewende, des Übergangs von fossilen Energieträgern und Kernenergie hin zu nachhaltigen Energiekonzepten, wurden allein in Baden-Württemberg in den letzten Jahren ca. 35 000 oberflächennahe Geothermieanlagen gebaut. Die VEGAS-Kompetenzen in thermischen in-situ Sanierungsverfahren wurden daher auf die Erforschung von Geothermieanwendungen erweitert. Derzeit ist hierbei der Fokus unserer Forschung die Untersuchung des Einflusses von Frost-Tau-Wechseln auf die Standfestigkeit der Geothermieanlagen und die Optimierung von unterirdischen Wärmespeichern, um zum Beispiel im Sommer anfallende überschüssige Energie aus Klimaanlagen oder Solarkollektoren zu speichern und diese Energie zur Gebäudeheizung in den Wintermonaten zu nutzen.

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