Beteiligung am Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union

Top bei EU-Projekten

Die Universität Stuttgart gehört zu den Spitzenreitern unter den deutschen Hochschulen, wenn es um die Beteiligung am Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union geht. Das Programm unterstützt Projekte, welche die wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen der Industrie in der EU stärken und die internationale Wettbewerbsfähigkeit fördern.

Im 6. Forschungsrahmenprogramm (FRP) der Europäischen Union (2002 bis 2006), war die Universität Stuttgart die mit Abstand erfolgreichste deutsche Hochschule. Insgesamt 184 Projekte wurden mit 54 Millionen Euro gefördert. Auch im 7. FRP, das von 2007 bis 2013 lief, gehörte die Universität Stuttgart zu den führenden deutschen Hochschulen. Sie warb 248 Projekte ein und erhielt 94 Millionen Euro aus EU-Mitteln.

Teilchen, die sich aktiv in einer Flüssigkeit bewegen. (c) Celia Lozano (MPI für Intelligente Systeme/Universität Stuttgart
Teilchen, die sich aktiv in einer Flüssigkeit bewegen können, sind ein Thema des ERC-Grants von Prof. Clemens Bechinger

European Research Council (ERC)

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council) fördert bahnbrechende und visionäre Forschung und richtet sich an exzellente Forschende in verschiedenen Karrierestufen. ERC-Grants haben sich als ein Markenzeichen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit einer Hochschule etabliert.

Die ERC-Grants der Universität Stuttgart

Die Projekte und Zuschüsse des Europäischen Forschungsrats sind in drei Kategorien aufgeteilt:

  • Starting Grants für Nachwuchskräfte aus der Wissenschaft, die am Beginn einer unabhängigen Karriere stehen und eine Arbeitsgruppe gründen möchten.
    Förderung: bis zu 1,5 Mio. Euro
  • Consolidator Grants für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, deren Arbeitsgruppe sich in der Konsolidierungsphase befindet.
    Förderung: bis zu 2 Mio. Euro
  • Advanced Grants für etablierte Forschende mit einer herausragenden wissenschaftlichen Leistungsbilanz. Der Advanced Investigator Grant zählt zu den renommiertesten Forschungspreisen weltweit.
    Förderung: bis zu 2,5 Mio. Euro

Preisträger in der Kategorie Starting Grants

Prof. Oliver Röhrle
Prof. Oliver Röhrle

Prof. Oliver Röhrle arbeitet an der biomechanischen Simulation des menschlichen Körpers. Die von ihm entwickelten Computermodelle helfen unter anderem, Bewegungsabläufe von beinamputierten Menschen zu simulieren. "So können wir einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung des Zusammenspiels von Stumpf und Schaft leisten“, erklärt Röhrle.

  • Preisträger: Oliver Röhrle, Institut für Mechanik, Lehrstuhl für Kontinuumsmechanik
  • Projekt: “LEAD: Lower Extremity Amputee Dynamics: Simulating the Motion of an Above-Knee Amputee’s Stump by Means of a Novel EMG-Integrated 3D Musculoskeletal Forward-Dynamics Modelling Approach”
  • Laufzeit: 2012 - 2017

Preisträger in der Kategorie Consolidator Grants

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Prof. Johannes Kästner
Prof. Johannes Kästner

Chemische Reaktionen im quantenmechanischen Tunneleffekt

Mit Hilfe von Simulationen untersucht Prof. Johannes Kästner den quantenmechanischen Tunneleffekt von Atomen. Dieser lässt manche chemischen Reaktionen bei niedrigen Temperaturen schneller ablaufen und ermöglicht sogar Reaktionen im eiskalten Weltraum. „Mich fasziniert der Tunneleffekt schon seit Jahren", sagt Kästner. "Dank der Förderung durch die EU kann ich diesen Effekt umfangreich untersuchen und zudem meine Forschungsgruppe deutlich vergrößern.“

  • Preisträger: Johannes Käster, Institut für Theoretische Chemie
  • Projekt: "TUNNELCHEM: Atom-Tunneling in Chemistry"
  • Laufzeit: 2015 - 2020
Prof. Hans Peter Büchler
Prof. Hans Peter Büchler

Normalerweise gibt es Wechselwirkungen wie Lichtbrechung oder Spiegelungen nur bei Photonen und Atomen. Prof. Hans Peter Büchler untersucht in seinem Projekt SIRPOL eine Methode, die eine starke Wechselwirkung zwischen einzelnen Photonen (Lichtteilchen) hervorrufen kann. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Rydberg-Atome (Atome mit spezifischer Elektronen-Ladung) untereinander eine starke Wechselwirkung haben und bei Anwesenheit eines Photons ihre Wellenfunktion ändern.

  • Preisträger: Hans Peter Büchler, Institut für Theoretische Physik III
  • Projekt: "SIRPOL: Strongly interacting Rydberg slow light polaritons"
  • Laufzeit: 2016 - 2021
Prof. Albrecht Schmidt
Prof. Albrecht Schmidt

Erweiterung der menschlichen Sinne durch digitale Technologien

Prof. Albrecht Schmidt betreut das Projekt AMPLIFY, das sich mit der Erweiterung des menschlichen Auffassungsvermögens durch interaktive digitale Technologien befasst. Das Ziel sind künstliche Wahrnehmungen und synthetische Reflexe, die intuitiv und natürlich eingesetzt werden können: Der Mensch kann so mit Hilfe von Computern neue Fähigkeiten erhalten.

  • Preisträger: Albrecht Schmidt, Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme
  • Projekt: "AMPLIFY: Amplifying Human Perception Through Interactive Digital Technologies"
  • Laufzeit: 2016 - 2021

Preisträger in der Kategorie Advanced Grants

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Prof. Tilman Pfau (c) Wolfram Scheible
Prof. Tilman Pfau

Steuerung von Wechselwirkungen mit langer Reichweite in Quantengasen

Quantensysteme mit langreichweitigen Wechselwirkungen bieten neue Möglichkeiten für sichere Datenübertragung und die Quanteninformationsverarbeitung. Prof. Tilman Pfau und sein Team untersuchen die Verwandlung von Lichtteilchen in atomare Gase durch effiziente Absorption, um so eine Wechselwirkung zwischen Lichtteilchen zu ermöglichen. Diese Wechselwirkung ist erforderlich, damit Daten übertragen werden können.

  • Preisträger: Tilman Pfau, 5. Physikalisches Institut
  • Projekt: "LIQAD: Long-range interacting quantum systems and devices"
  • Laufzeit: 2011 - 2016
Prof. Jörg Wrachtrup (c) David Ausserhofer
Prof. Jörg Wrachtrup

Abbildung elektrischer Felder einzelmolekularer Ladungen mit Quantensensoren

Schon seit einiger Zeit ist bekannt, dass Quantensensoren neue Empfindlichkeitsrekorde aufstellen und man zum Beispiel einzelne Protonen „wiegen“ kann. Bisher war dies jedoch nur unter sehr speziellen Umgebungsbedingungen möglich, zum Beispiel im Ultrahochvakuum und bei sehr tiefen Temperaturen. Als ein Ergebnis eines vorausgegangenn ERC Grants aus dem Jahr 2011, der die Nutzung atomarer Defekte in Diamanten für die Quantentechnologie zum Inhalt hatte, ist es Wrachtrup und seinem Team gelungen, diese Methoden auch unter Umgebungsbedingungen anzuwenden. Damit wurde eine Vielzahl von Anwendungsgebieten vor allem in der Materialwissenschaft und biomedizinischen Diagnostik erschlossen.

Einige dieser Erkenntnisse werden im Rahmen des neuen ERC-Grants nun weitergeführt und vertieft. „Mit dem Grant möchte ich zeigen, wie man mit Hilfe von Quantensensoren elektrische Felder mit bisher unerreichter Empfindlichkeit und räumlicher Auflösung und damit zum Beispiel einzelne elektrische Ladungen verfolgen kann“, betont der Wissenschaftler. Dabei will Wrachtrup zwei Anwendungsrichtungen verfolgen. „Einerseits werden wir chemische beziehungsweise biochemische Reaktionen auf der Nanometerskala, auch in sehr komplexen Umgebungen, wie zum Beispiel in Zellen untersuchen. Damit wollen unter anderem verstehen, wie Nervenzellen zum Beispiel im Gehirn zusammenarbeiten. Andererseits werden wir Präzisionsmessungen zur Wechselwirkung elektrischer Ladungen und uns auf die Suche nach ‚neuen Wechselwirkungen‘ machen, die zum Beispiel für die Erklärung der dunklen Materie im Universum verantwortlich sein könnten.

  • Preisträger: Jörg Wrachtrup, 3. Physikalisches Institut
  • Projekt: „Electric field imaging of single molecular charges by a quantum sensor”
  • Laufzeit: 2017 - 2022

Vorausgegangener Grant:

  • Projekt: "SQUTEC: Solid State Technology and Metrology Using Spins"
  • Laufzeit: 2011 - 2016
Prof. Harald Giessen
Prof. Harald Giessen

Die Plasmonik hat in den letzten Jahren die Optik revolutioniert. Dank metallischer Nanostrukturen kann Licht mit Hilfe von Nanoantennen auf kleinste Dimensionen konzentriert werden - viel kleiner als die Lichtwellenlänge. Dies hat zu neuen Effekten bei der Licht-Materie-Wechselwirkung geführt, zum Beispiel bei der Sensorik oder bei der nichtlinearen Optik. Prof. Giessen und seine Gruppe untersuchen die ultimativen Limits dieser Wechselwirkungen. Einzelne Nanoantennen und ihre Wechselwirkung mit einzelnen Objekten, einzelnen Molekülen, einzelnen Proteinen, auch chirale Licht-Materie-Wechselwirkungen. Dies soll eine Brücke bauen zwischen Grundlagenforschung und möglichen Anwendungen sowie zwischen den Disziplinen Physik, Chemie und molekularer Biologie.

  • Preisträger: Harald Giessen, 4. Physikalisches Institut
  • Projekt: "COMPLEXPLAS: Complex Plasmonics at the Ultimate Limit: Single Particle and Single Molecule Level "
  • Laufzeit: 2013 - 2018
Prof. Hans-Joachim Werner
Prof. Hans-Joachim Werner

Physikalische und chemische Eigenschaften von Molekülen

Prof. Hans-Joachim Werner und sein Team versuchen, die physikalischen und chemischen Eigenschaften von Molekülen möglichst genau zu berechnen und zu verstehen, wie Moleküle miteinander reagieren.  „Unser Ziel ist die Entwicklung von Theorien und Computerprogrammen zur Simulation von chemischen Reaktionen. Ausgehend von den grundlegenden physikalischen Gesetzen und Naturkonstanten sollen die Eigenschaften und die Reaktivität von Molekülen vorhergesagt werden, ohne empirische Informationen zu verwenden“, erläutert Werner seine Forschung.

  • Preisträger: Hans-Joachim Werner, Institut für Theoretische Chemie
  • Projekt: ASES: Advancing computational chemistry with new accurate, robust and scalable electronic structure methods"
  • Laufzeit: 2013 - 2018
Prof. Clemens Bechinger
Prof. Clemens Bechinger

Wechselwirkung und Schwarmbildung in Teilchensystemen

Prof. Clemens Bechinger und sein Team untersuchen das Verhalten kolloidaler Teilchen, die sich aktiv in einer Flüssigkeit bewegen können. Diese besitzen unter anderem die Fähigkeit zur Schwarmbildung. Untersucht werden sowohl die Voraussetzungen für die Entstehung dieser Teilchenschwärme, als auch ideale Navigationsstrategien, mit deren Hilfe die Schwärme bestimmte Ziele ansteuern können. Letzteres könnte beispielsweise für den gezielten Transport von medizinischen Wirkstoffen in biologischen Systemen von großem Interesse sein.

  • Preisträger: Clemens Bechinger, 2. Physikalisches Institut
  • Projekt: "ASCIR: Active Suspensions with Controlled Interaction Rules "
  • Laufzeit: 2016 - 2021

Aktivitäten im Rahmen des European Institute of Technology (EIT)

Das 2008 gegründete Europäische Innovations- und Technologieinstitut mit Hauptsitz in Budapest hat sich das Ziel gesetzt, die Lücke zwischen Forschung und (unternehmerischer) Innovation in Europa zu schließen. Dafür sollen Übergänge geschaffen werden von der Idee zum Produkt, vom Labor zum Markt, von Studierenden zu Unternehmen. In der Praxis geschieht dies durch eine Reihe von Cluster-Verbünden, den "Wissens- und Innovationsgemeinschaften" (Knowledge and Innovation Communities, KICs).

Die Universität Stuttgart ist an der KIC InnoEnergy beteiligt und berücksichtigt insbesondere das Thema erneuerbare Energien. Ziel dieses Konsortiums ist die Kostenreduktion in der Energiewertschöpfungskette, der Sicherheitsgewinn und die Reduktion von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen.

Kontakt

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Heinke Claß

Leitung Forschungsförderung EU