Die Universität in Zeiten von Corona

Auf dieser Seite möchte die Universität einen Einblick geben, was sich seit Beginn der Corona-Krise an der Universität Stuttgart getan hat. Zahlreiche Forschungsaktivitäten und -initiativen zur Bekämpfung der Pandemie sind entstanden. Lehrende und Studierende haben sich mit Flexibilität und Engagement den Herausforderungen der vergangenen Wochen gestellt.

Seit März 2020 überschattet die Corona-Pandemie auch den Alltag in Deutschland. Der Campus der Universität Stuttgart blieb bis auf wenige Ausnahmen leer und der Universitätsbetrieb, wie man ihn bislang kannte, musste neu gedacht werden. Zahlreiche Forschungs- und Unterstützungsinitiativen zur Bewältigung der Pandemie wurden initiiert, Lehrende sind auf digitale Formate umgestiegen und Studierende haben neben dem digitalen Studium als freiwillige Helfer Engagement gezeigt.

Forschungs- und Unterstützungsinitiativen zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie

Zur Unterstützung von Kliniken und Arztpraxen in direktem Kontakt mit Covid19-Patient*innen griffen Forschende der Universität Stuttgart auf vorhandene Produktionskapazitäten zurück, um neue Schutzvisiere mithilfe von 3D-Druckern herzustellen. Wissenschaftler*innen am Forschungscampus ARENA2036 und an den angrenzenden Instituten auf dem Campus Vaihingen der Universität Stuttgart nutzten dafür verfügbare Anlagen, die üblicherweise zum Prototypenbau für Automobil-, Luftfahrt- oder Maschinenbauanwendungen eingesetzt werden.

Mitte Juni haben die Helfer*innen das 10.000 Gesichtsvisier produziert. Inzwischen haben größtenteils Studierende die Aktivitäten übernommen, um die Mitarbeitenden zu entlasten.

Weltweiter Versand

Es wurden 300 Masken an die Partneruniversität nach Bergamo und 1.000 Visiere nach Chile zur weiteren Verteilung geschickt. Mehr als 500 Schutzvisiere wurden mit Unterstützung der Hilfsorganisation Europecares in ein Flüchtlingslager auf die griechische Insel Lesbos versandt.

Weitere Informationen: Presseinformation
Kontakt: Dr.-Ing. Frieder Heieck, Forschungskoordinator der ARENA2036

Ein einfaches, krisenrelevantes Produkt zum Schutz vor Corona hat der Campus Schwarzwald mit dem Institut für Industrielle Fertigung und Fabriktechnik (IFF) der Universität Stuttgart, dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), dem Verpackungsexperten Koch Pac-Systeme GmbH und dem Vakuumspezialisten J. Schmalz GmbH entwickelt. Alle Materialien stammen aus Baden-Württemberg. Das Faceshield lässt sich schnell und in hoher Stückzahl produzieren. Es gibt es in zwei Ausführungen, ist extrem leicht und kann problemlos über einer Brille getragen werden. Beide Produkte sind einfach herzustellen, so dass eine Fertigung hoher Stückzahlen von bis zu 100.000 Stück pro Woche gewährleistet ist. Der Campus Schwarzwald entstand durch Initiative regionaler Unternehmen, dem Landkreis und der Stadt Freudenstadt sowie der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald. Durch die Kooperation mit der Universität Stuttgart und den kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie den Hidden Champions der Region wurde mit dem Campus Schwarzwald ein wichtiger Baustein für eine exzellente, universitäre Ausbildung und die Ausprägung neuester Technologien im Feld der Digitalisierung im Maschinenbau gelegt.

Weitere Informationen: Presseinformation
Kontakt: Thilo Schlegel, Universität Stuttgart, Institut für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb

Das Institut für Kunststofftechnik (IKT) der Universität Stuttgart produzierte vor allem Folien für die Visiere der Faceshields, aber auch komplette Faceshields. Sie gingen unter anderem an das Uniklinikum Tübingen, die Tafel Stuttgart sowie die Notfallpraxis des Marienhospitals in Stuttgart. Unter der Koordination des Forschungscampus ARENA 2036 wurden weitere Stellen beliefert. Die für die Visiere verwendete Folie sowie die für den 3D-Druck verwendeten Filamente wurden auf den Extrusionslinien des IKT hergestellt und im 3D-Druck-Labor des IKT verarbeitet. Dabei wird sowohl für die Folie als auch das Filament ein biobasiertes und biologisch abbaubares Polylactid (PLA) eingesetzt. Durch den gezielt eingestellten Extrusionsprozess können so besonders klare Folien maßgeschneidert für die Visiere hergestellt werden.

Weitere Informationen: Print on Demand im Kampf gegen Corona
Kontakt: M. Sc. Alexander Geyer, Abteilungsleiter Verarbeitungstechnik

Schnell war der Markt für Desinfektionsmittel im März leergefegt. Allgemeinverfügungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hatten es Apotheken, Pharmafirmen und Behörden ermöglicht, Desinfektions-Lösungen auf der Basis von Isopropanol oder Ethanol lokal herzustellen, es waren aber keine ausreichenden Mengen an Ausgangssubstanzen verfügbar. Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise hat die Fakultät Chemie der Universität Stuttgart deshalb für und mit der Kassenärztlichen Vereinigung BW (KV) unter der Aufsicht von Apothekern im größeren Maßstab dringend benötigtes Hände-Desinfektionsmittel produziert, um Engpässe zu überbrücken. Versorgt wurden von der KV die Fieber-Ambulanzen und Notdienstärzte. Fast 2500 Liter wurden in ganz Baden-Württemberg verfügbar gemacht. Inzwischen ist die Versorgung durch Apotheken wieder sichergestellt. Die Universität Stuttgart konnte durch Mobilisierung der eigenen Vorräte und Einsatz von Personal und Material bei der Herstellung dem akuten Notstand abhelfen.

Weitere Informationen: Fakultät Chemie produziert Desinfektionsmittel
Kontakt: Prof. Dr. Dr. Clemens Richert, Lehrstuhl Biologische Chemie, Institut für Organische Chemie

Die Technische Universität Braunschweig, die Universität Stuttgart, die Junge Akademie und das Unternehmen Arctoris sind gemeinsam das Thema effizientes Testen angegangen. Ein interdisziplinäres Team aus Mathematiker*innen, Informatiker*innen und Mediziner*innen hat eine Entscheidungshilfe entwickelt, die berechnet, welches Verfahren in einem positiven Probenpool möglichst effektiv alle an Covid-19 erkrankten Personen identifiziert. Ihre Simulationen zeigen, dass pool-basierte Testverfahren in Deutschland etwa acht Mal effizienter als Einzeltests sein können. Der zugrundeliegende Ansatz wurde bereits experimentell für den Einsatz in der COVID-19 Diagnostik validiert, und wird unter anderem in Kalifornien und in Indien bereits in der Praxis angewandt. Dabei basiert das Verfahren auf einem Ansatz, der für das Testen von Blutspenden auf Viren bereits seit vielen Jahren eingesetzt wird: Mehrere Proben werden zunächst in einem ersten Test als Pool geprüft. Falls dieser erste Test positiv ist, werden weitere Einzeltests durchgeführt (ggf. in mehreren Stufen). So können mit einem Testkit mehrere Patienten auf einmal getestet, und die vorhandene Testkapazität sofort um ein Vielfaches erhöht werden.

Weitere Informationen: Presseinformation
Kontakt: Prof. Dr. Dirk Pflüger, Institut für Parallele und Verteilte Systeme (IPVS) Universität Stuttgart

Um die Rate der Neuinfektionen klein zu halten und gleichzeitig die Negativ-Folgen auf das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben zu begrenzen, sollten Schutzmaßnahmen adaptiv an die jeweiligen Fallzahlen angepasst werden. Dies ist jedoch aufgrund der dynamischen Datenlage sowie der Komplexität des Infektionsgeschehens und der Maßnahmen schwierig. Forschende der Universität Stuttgart haben nun ein Rechenmodell angewandt, mit dem sich die Auswirkungen adaptiver Maßnahmen bei Unsicherheit deutlich zuverlässiger prognostizieren lassen.

Weitere Informationen: Pressemitteilung
Kontakt: Prof. Dr.-Ing. Frank Allgöwer, Universität Stuttgart, Institut für Systemtheorie und Regelungstechnik

Fotostrecke Unterstützungsinitiativen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie

Forschung zu Auswirkungen der Pandemie

Zusätzlich zu den dramatischen Auswirkungen der aktuellen globalen COVID-19-Pandemie auf die Gesundheit sind die Volkswirtschaften rund um den Globus stark betroffen und die globalen Versorgungsnetze sind oft blockiert. Unternehmen müssen umdenken und sich damit befassen, wie sie potenzielle Versorgungsrisiken proaktiv managen können. Es wurde in verschiedenen Problemstellungen untersucht, was Unternehmen aus der Krise lernen können und welche Lösungen umgesetzt werden sollten. Im Supply Risk Management werden Versorgungsrisiken identifiziert und Handlungsstrategien entwickelt. Das setzt Transparenz über Liefernetze voraus, deren Diversifizierung und eine Risikoüberwachung.

Weitere Informationen: Auswirkungen von Covid-19 auf Liefernetzwerke von Unternehmen
Kontakt: Prof. Andreas Größler, Betriebswirtschaftliches Institut der Universität Stuttgart

Digitale Lehre

Hilfestellung für Lehrende

Die Universität hat intensiv daran gearbeitet, alle Lehrenden bei der Vorbereitung und Durchführung von Online-Lehrformaten zu unterstützen und technische Mittel bereitzustellen. Die Taskforce Digitale Lehre hat einen Überblick über alle universitätsweiten Beratungsangebote, Anleitungen und Schulungen zusammengestellt.

Leere Hörsäale werden zur Aufzeichnung von Vorlesungen genutzt. (c) Universität Stuttgart
Leere Hörsäale werden zur Aufzeichnung von Vorlesungen genutzt.
Aufzeichnung einer Vorlesung zur Bereitstellung für Studierende. (c) Universität Stuttgart
Aufzeichnung einer Vorlesung zur Bereitstellung für Studierende.

eScouts als Multiplikatoren digitaler Lehrmethoden

Damit das erste digitale Semester ein erfolgreiches wird, unterstützen rund 90 Studierende der Universität Stuttgart auf freiwilliger Basis Lehrende bei Technik und Ausgestaltung digitaler Vorlesungen. Die sogenannten eScouts wurden dazu vorab in E-Learning-Tools und Beratungsmethoden geschult, so dass sie Hilfestellung bei technischen Fragen zur Lernplattform ILIAS, dem Videokonferenzsystem Webex und Vorlesungsaufzeichnungen geben können. Auch weitere rund 60 Tutoren sind geschulte Ansprechpartner, wenn es um den Transfer der Präsenzvorlesungen in digitale Lehreinheiten geht.

Weitere Informationen:
eScouts in der digitalen Lehre
Gemeinsam ins digitale Sommersemester 2020

eScouts unterstützen Lehrende auch mit kreativen Lösungen z.B. wie aus einem Karton eine Halterung gebaut werden kann, um das Smartphone als Dokumentenkamera nutzen. (c) Lisa-Marie Krauß
eScouts unterstützen Lehrende auch mit kreativen Lösungen z.B. wie aus einem Karton eine Halterung gebaut werden kann, um das Smartphone als Dokumentenkamera nutzen.

Individuelle Lösungen - "Wenn der Dozent zum YouTuber wird "

Eigeninitiativ werden an der Universität Stuttgart auch individuelle Lösungen für Online-Lehrformate gelebt. Dr. Fabian Bross, Institut für Linguistik, zum Beispiel hat bereits vor der Corona-Pandemie mit digitalen Aufzeichnungen gearbeitet. Bei der Umstellung auf die digitale Lehre kommt ihm das zugute. Sein Wohnzimmer verwandelt sich kurzerhand in ein Aufnahmestudio, von wo aus er seinen Studierenden Videovorlesungen bereitstellt. In einem Interview mit dem Bayrischen Rundfunk spricht er darüber, worin die Herausforderungen der digitalen Lehre liegen.

Gewinnerbild des Campusbildwettbewerb in der "#stayathome"-Edition. (c)
Gewinnerbild des Campusbildwettbewerb in der "#stayathome"-Edition.

Studentische Initiative und die Perspektive Studierender

Digitaler Studienalltag

Im Beitrag "Traum oder Alptraum? Studieren in Zeiten von Corona" berichten zwei Studierende auf dem Blog der Universität Stuttgart (USUS) wie sie die ersten Tage im Homeoffice erlebt haben, und wo ganz besondere Herausforderungen lagen.

Persönliche Einblicke in ihren Lernalltag gaben Studierende auch in zahlreichen Instagram-Storys. Neben Unmut über technische Hindernisse überwog letztlich Gelassenheit und Verständnis, dass sich auch der Lehrbetrieb auf eine neue Situation einstellen muss. Dem Social Media-Aufruf der Universität ein Campusbildwettbewerbsfoto in der #stayathome-Edition einzusenden, folgten viele Studierende und schickten Schnappschüsse ihrer privaten Lernumgebung.

Freiwillige Helfer unterstützen bei der Kontrolle von Schutzvisieren in der ARENA2036. (c) Sebastian Uecker
Freiwillige Helfer unterstützen bei der Kontrolle von Schutzvisieren in der ARENA2036.

Engagement Studierender zur Bewältigung der Krise

Der von der Studierendenvertretung stuvus aufgebaute Helferpool mit rund 300 registrierten freiwilligen Helfern verschiedener Hochschulen und Universitäten hat in den vergangenen Wochen bereits über tausende von Helferstunden in unterschiedlichsten Einrichtungen geleistet, um die Auswirkungen der Pandemie abzumildern. Neben Einsätzen in Einrichtungen der Universität, helfen die Freiwilligen beim Deutschen Roten Kreuz und der Stuttgarter Tafel. Mit großem Engagement leben die Studierenden in den letzten Wochen soziale Verantwortung.

Weitere Informationen:
Studierende helfen in Quarantäne-Station
Engagement Studierender reißt nicht ab

Kontakt:
Hotline: 0711/685-60751
Email
Stuvus Webseite

Internationale Gesten der Verbundenheit

Mihály Zeke ist seit März Universitätsmusikdirektor der Universität Stuttgart. Der Corona-Lockdown hat seine Musizierlust und die des Ensembles nicht eindämmen können. Schnell entstand die Idee, eine musikalische Solidaritätsbotschaft für die Partneruniversität in Bergamo als „virtuelles Ensemble“ einzuspielen. Ausgewählt wurde der berühmte Gefangenenchor „Va, pensiero“ aus Verdis Oper „Nabucco“, der wie kein anderer Opernchor die Sehnsucht nach Heimat und Freiheit zum Ausdruck bringt. Das Grußwort spricht Maria Rimini-Döring, eine Sängerin des akademischen Chores, die aus Bergamo stammt. Das Musikstück beginnt bei 2:42 Minuten.

Weitere Informationen: Musikalische Solidaritätsbotschaft für Partneruniversität in Bergamo

Solidaritätskonzert für Partneruniversität in Bergamo

Quelle: YouTube

Die Universität Stuttgart hat 500 OP-Masken sowie zwei Infrarot-Fieberthermometer von der National Taiwan University of Science and Technology (Taiwan Tech) erhalten. Gesponsert wurde diese freundschaftliche Gabe in Corona-Zeiten von der Taiwan Tech Alumni Association. Die Taiwan Tech ist eine unserer Partneruniversitäten in Taiwan, mit der wir auch einen Studierendenaustausch pflegen.

Weitere Informationen:
Partneruniversität Taiwan Tech schenkt Universität Stuttgart 500 Masken

Alumni der Universität Stuttgart weltweit sendeten in den vergangenen Wochen Bilder aus ihrer (Wahl-)Heimat und berichteten von der aktuellen Lage vor Ort. Die Universität erreichten Beiträge aus Indien, Kenia, Peru, Nigeria, Südkorea, Japan, China, Spanien, Indien, USA, Thailand. Die Beiträge wurden auf den Social Media Kanälen der Universität veröffentlicht.

Alumni weltweit berichten vom Corona-Alltag im Ausland

Zum Seitenanfang