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Historie

Geschichte der Universität Stuttgart

1829 gegründet, seit 1967 Universität: In zwei Jahrhunderten von der Gewerbeschule zur internationalen Forschungsuniversität.

In der bald 190-jährigen Geschichte stehen viele Namen, Ereignisse, Zahlen und Daten für die Entwicklung der Universität Stuttgart.

Begebenheiten und Personen im Zeitverlauf

1848: Die Fehling-Probe

Von 1839 bis 1883 war Hermann C. Fehling Professor für Chemie an der Polytechnischen Schule Stuttgart. Er war der Entdecker der „Fehlingschen Lösung“ zur Zuckerbestimmung. Aber hinter Fehling verbirgt sich viel mehr als eine Lösung. Er machte die Chemie in Stuttgart zum Aushängeschild.

Hermann Fehling, Chemiker an der Polytechnischen Schule in Stuttgart
Hermann Fehling wirkte 44 Jahre lang an der Polytechnischen Schule in Stuttgart.

1886: Erste motorisierte Kutsche

Gottlieb Daimler studierte von 1857 bis 1859 Maschinenbau in Stuttgart. Im Jahr 1886 baute er als erster einen Motor in eine Kutsche ein und wurde damit zum Erfinder des Automobils – ein Meilenstein in der Geschichte.

1911: Erste Professur für Luftfahrttechnik

Alexander Baumann wurde der erste Professor für „Luftschifffahrt, Flugtechnik und Kraftfahrzeuge“ in Deutschland. Aus diesen Anfängen entwickelten sich die heutigen Schwerpunkte in der Luft- und Raumfahrttechnik sowie in der Kraftfahrzeugforschung.

Ein Leichtbau-Forschungspavillon auf dem Campus Stadtmitte der Universität Stuttgart.
Auch heute entsteht jedes Semester auf dem Universitätsgelände ein neuer Leichtbau-Versuchs-Pavillon nach biologischem Vorbild.

1962: Leichtbau

Seit den 1960er Jahren entwickelt sich die Universität Stuttgart zu einem Zentrum des Leichtbaus für natürliche, an biologischen Vorbildern orientierte Konstruktionen und Tragwerke. Wichtige Vertreter: Frei Otto und Jörg Schlaich.

1972: Entdeckung des Tabakmosaikvirus

Karl-Wolfgang Mundry war 1972 beteiligt an der Entdeckung des Tabakmosaikvirus und half dabei, Grundfragen der Molekularbiologie zu entschlüsseln. Er war einer der Väter des Studienganges „Technische Biologie“, der heute zu den erfolgreichsten Reformunternehmungen in der deutschen Biologielandschaft zählt.

1996: Höchstleistungsrechnen

Schon in den 1950er Jahren war für die Erfordernisse der Luft- und Raumfahrttechnik die Leistungsfähigkeit der Stuttgarter Großrechner vergleichsweise hoch. 1997 wurde das Höchstleistungsrechenzentrum (HLRS) zum Bundesrechenzentrum. Dies war ein weiterer Schritt auf dem Weg zum heutigen Schwerpunkt Simulationstechnik.

Das HLRS ermöglicht den Forschenden, komplexe Simulationen und hochauflösende Visualisierungen zu generieren.
Das HLRS ermöglicht den Forschenden, komplexe Simulationen und hochauflösende Visualisierungen zu generieren.

1996: Der Sonne entgegen

Der Solarsegler Icaré II ist ein Projekt der Fakultät Luft- und Raumfahrttechnik. Er ist ein Meisterstück des Leichtbaus. 1996 gelang der Weltrekordversuch: Der Solarsegler legte die bis dahin größte Flugweite von 350 Kilometer ohne Zwischenlandung hin.

Geschichte in Jahreszahlen

1829
Gründung als „Vereinigte Real- und Gewerbeschule“ durch König Wilhelm I. von Württemberg

1832
Ausgliederung der Gewerbeschule

1840
Polytechnische Schule

1876
Umbenennung in Polytechnikum

1881
Gründung der Materialprüfungsanstalt

1890
Technische Hochschule

1900
Promotionsrecht für technische und naturwissenschaftliche Fächer („Dr.-Ing.“)

1905
Erste Studentin

1922
Promotionsrecht für die Allgemeine Abteilung (Geisteswissenschaften)

1944
Fast völlige Zerstörung aller Gebäude

1946
Wiedereröffnung der Technischen Hochschule und Wiederaufbau unter Mithilfe von Lehrpersonen und Studierenden

1953
Promotionsrecht für die Geisteswissenschaften

1957
Baubeginn in Stuttgart-Vaihingen

1967
Umbenennung in Universität Stuttgart

1979
Promotionsrecht für die Sozialwissenschaften

1997
Start des Internationalisierungs-Programms

2000
Einrichtung eines Universitätsrats

2002
Neustrukturierung in zehn Fakultäten

2007
Erfolg bei der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder: Exzellenzcluster „Simulation Technology“ (SimTech) und Graduiertenschule „Advanced Manufacturing Engineering“ (GSaME)

Start der Weiterbildungsstudiengänge der Master:Online-Akademie

2010
Gründung des MINT-Kollegs

2013
Aufbau des Forschungscampus ARENA2036

2015
Schnellster Höchstleistungsrechner der Europäischen Union: Hazel Hen

2015/16
28.000 Studierende

Universitätsgeschichte in Bildern

Entwicklung der Fachrichtungen

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Eine Reform von 1862 organisierte den Unterricht in vier Fachschulen an der Polytechnischen Schule: Architektur, Ingenieurwesen, Maschinenbau und chemische Technik.

Zwei weitere Bereiche kamen 1870 hinzu: eine Fachschule für Mathematik und Naturwissenschaften und die „allgemeinbildende Fachschule“, an der Geschichte, deutsche Literaturwissenschaft und moderne Fremdsprachen angesiedelt wurden.

1882, ganz auf der Höhe der Zeit und auf Empfehlung Werner von Siemens, wurde die Elektrotechnik am Polytechnikum eingeführt. Telegrafie und Fernsprechwesen waren die ersten Inhalte. Für elektrotechnische Lehrmittel standen 700 Mark im Jahr zur Verfügung.

1891 erhielten die Fachschulen den Namen „Abteilung“.

Die technische und industrielle Entwicklung schlug sich weiter nieder. Die Technische Hochschule konnte 1910/11 eine Abteilung für Luftschifffahrt, Flug- und Kraftfahrzeugtechnik einrichten – als Heimatland des Zeppelins für die Regierung ein unverzichtbarer Schritt.

1919 wurden die allgemeinbildende Abteilung und die mathematisch-naturwissenschaftliche Abteilung vereinigt.

Eine organisatorische Anpassung der Hochschule an Strukturen, wie sie Universitäten zu jeder Zeit hatten, erfolgte 1941, als die fünf Abteilungen zu drei Fakultäten zusammengelegt wurden: Die Chemie und die Allgemeine Abteilung wurden zur „Fakultät für Naturwissenschaften und Ergänzungsfächer“. Die „Fakultät für Bauwesen“ umfasste die bisherigen Abteilungen für Architektur und Bauingenieurswesen, die Fächer Maschinenbau, Elektrotechnik sowie Luftfahrt- und Kraftfahrzeugtechnik bildeten die „Fakultät für Maschinenwesen“.

Weil sie an der Entwicklung von Kriegsmaschinen beteiligt war, gab es nach 1945 keine Forschung für Luftfahrttechnik mehr. Erst 1955 wurde wieder ein Institut für Luftfahrttechnik eröffnet, das sich später auch um Raumfahrttechnik kümmerte.

 

Ab 1963 erweiterte ein zehnjähriger Ausbauplan das Angebot der geisteswissenschaftlichen Fächer mit der Absicht, ein Lehramtsstudium in Stuttgart ohne Wechsel an andere Hochschulen zu ermöglichen.

Mit dem Hochschulgesetz von 1968 wurden aus den drei Fakultäten 19 Fachbereiche.

1978 empfand man diese Vielfalt als zu aufwändig und reduzierte wieder auf 13 Fakultäten. An jeder studierten im Schnitt 1000 Menschen.

  • Fakultät 1: Architektur und Stadtplanung
  • Fakultät 2: Bauingenieur- und Vermessungswesen
  • Fakultät 3: Chemie
  • Fakultät 4: Elektrotechnik
  • Fakultät 5: Energietechnik
  • Fakultät 6: Fertigungstechnik
  • Fakultät 7: Geo- und Biowissenschaften
  • Fakultät 8: Geschichts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
  • Fakultät 9: Luft- und Raumfahrttechnik
  • Fakultät 10: Mathematik und Informatik
  • Fakultät 11: Philosophie
  • Fakultät 12: Physik
  • Fakultät 13: Verfahrenstechnik

2002 entstanden bei einer Neustrukturierung die bis heute bestehenden zehn Fakultäten.

  • Fakultät 1: Architektur und Stadtplanung
  • Fakultät 2: Bau- und Umweltingenieurwissenschaften
  • Fakultät 3: Chemie
  • Fakultät 4: Energie-, Verfahrens- und Biotechnik
  • Fakultät 5: Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik
  • Fakultät 6: Luft- und Raumfahrttechnik und Geodäsie
  • Fakultät 7: Konstruktions-, Produktions- und Fahrzeugtechnik
  • Fakultät 8: Mathematik und Physik
  • Fakultät 9: Philosophisch-Historische Fakultät
  • Fakultät 10: Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Mehr Geschichte zum Herunterladen

Möchten Sie noch mehr aus den vergangenen zwei Jahrhunderten erfahren? Einzelne Ereignisse und Entwicklungen der Universitätshistorie sind in einem achtseitigen PDF-Dokument zusammengestellt.

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