Prof. Wolfram Ressel, Rektor der Universität Stuttgart Prof. Wolfram Ressel, Rektor der Universität Stuttgart

5. August 2020

Mit Umsicht, Zuversicht und Weitsicht

Prof. Wolfram Ressel, Rektor der Universität Stuttgart, dankt allen Universitätsangehörigen für ihren Einsatz in den vergangenen Monaten.
[Bild: Universität Stuttgart]

Liebe Mitglieder der Universität Stuttgart,

zum Start in die sommerlichen Wochen des Jahres, die uns allen eine verdiente Pause, kraftschöpfende Erholung und vergewissernden Abstand vom akademischen Alltag schenken mögen, möchte ich Sie mit diesen Zeilen sehr herzlich grüßen.

Die sonst so bedenkenlos und unbeschwert verwendeten Worte „Abstand“ und „Alltag“ gehen mir indessen in Zeiten wie diesen nicht mehr so leicht über die Lippen: Haben wir doch alle zusammen schwierige Semesterwochen hinter uns, in denen wir wissenschaftlichen Austausch und zwischenmenschliche Nähe gleichermaßen suchten und vermissten, in denen wir aber vor allem einen universitären Social Distancing-Alltag ausgestalten mussten, den wir in der notwendigerweise verordneten Pandemiedistanz so noch nie kannten.

Und dennoch möchte ich Ihnen allen gleich an dieser Stelle im Rückblick auf diese fordernden Wochen des Lehr- und Prüfungsbetriebs sowie des Studien- und Forschungsbetriebs im Sommersemester 2020 sagen: Wir haben es mit gemeinschaftlicher Kreativität und solidarischer Kraftanstrengung erreicht, dass dieses für alle stets in Erinnerung bleibende Sommersemester nicht zu einem verlorenen Semester wurde. Es war vielmehr eines, in dessen Verlauf wir gesehen haben – mitunter selbst ein wenig überrascht und erfreut –, dass wir mit Umsicht, Zuversicht und Weitsicht neue Stärken ausprägen und bündeln konnten.

Daher mochte ich Ihnen allen heute als Rektor unserer Universität herzlich „vielen Dank“ sagen:

  • den Studierenden, Promovierenden und wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen, die die Herausforderungen, und ja, auch die Widrigkeiten eines rapide und radikal auf virtuelle Formate umgestellten Lehrbetriebs und eines unter schwierigen Rahmenbedingungen zu gestaltenden Prüfungsbetriebs verständnisvoll mitgetragen haben;
  • den Lehrenden, die ohne Zeitvorlauf ad hoc ihre komplexen Lehrinhalte von der Präsenzvermittlung in eine digitale Aufbereitung überführen mussten, wobei technische Expertisen und Ressourcen nicht immer angemessen vorhanden waren;
  • den Beschäftigten in der Zentralen Universitätsverwaltung und den dezentralen Einheiten, die das Sars-CoV-2-Hygienekonzept, die Corona-Leitlinien zum Studienbetrieb und die Prüfungsordnung gemäß der jeweils aktualisierten Fassung der Corona-Verordnung des Landes mitunter über Nacht oder an den Wochenenden umsetzen mussten.

Ich danke allen engagierten Wissenschaftler*innen, Studierenden und Beschäftigten, die neben den Zwängen des Corona-Alltags noch das solidarische Engagement zeigten, denjenigen zur Seite zu stehen, die von der Pandemie mit noch ungleich viel härterer Wucht getroffen wurden: sei es mit der Produktion von Schutzschilden und dem Versand in betroffene, teils ferne Länder, mit freiwilligem studentischen Hilfeleistungen in der Region oder mit einem emotionalen musikalischen Trost für unsere universitären Freunde in Italien.

Den Mitgliedern des Rektorats danke ich, dass ich als Rektor in dieser Krisenzeit immer die Gewissheit hatte, mit einem Führungsteam den besten Weg durch eine diffizile Situation zu finden und zu gehen – in Forschung, im Wissens- und Technologietransfer, bei wissenschaftlichem Nachwuchs und Diversity und nicht zuletzt in den Bereichen der Lehre, der Informationstechnologie und der Zentralen Verwaltung, in denen besondere Herausforderungen zu meistern waren.

Wir haben hier alle zusammen einen „guten Job“ gemacht. Wir haben alle dafür gesorgt, dass unsere Universität in großer Bedrohung beispielhaft funktionierte. Dass dieser Satz weit entfernt ist von einer „Pro domo“-Aussage, zeigen die Umfrage der Studierendenvertretung stuvus, die Evaluationen der Qualitätsentwicklung der Universität und nicht zuletzt die positiven Rückmeldungen, die wir von Partnern außerhalb der Universität und vom zuständigen Landesministerium erhalten haben. Besonders wurden wir auch gelobt für unsere Informations- und Kommunikationspolitik. Der von unserer Hochschulkommunikation von der frühesten Phase der Krise an redaktionell betreute Corona-Newsticker hat dafür gesorgt, dass alle Entwicklungen und Entscheidungen transparent und verlässlich universitätsintern und -extern vermittelt wurden.

Auf der Grundlage unserer gemeinsamen Leistungen haben wir auch keine Sorge, das kommende Wintersemester 2020/21 für alle erfolgreich durchzuführen. Es wird – so viel steht fest – auch wieder weitgehend ein digitales Semester bleiben, solange wir die Pandemie nicht verlässlich beherrschen können und ein Impfstoff noch nicht zur Verfügung steht.

Natürlich machen wir uns nach wie vor Sorgen darüber, dass der für Forschung und Lehre so essenziell notwendige, persönliche Dialog nicht in gewohnter Form möglich sein wird, wenn nach wie vor unsere beiden Campusse Corona bedingt geschlossen bleiben müssen.

Natürlich sorgen wir uns darum, dass die exzellente Forschung und Lehre an unserer Universität beeinträchtigt werden, wenn die Restriktionen bleiben oder im Falle einer zweiten Corona-Welle wieder verschärft werden müssen.

Und wir sorgen uns natürlich um unsere Kommilitoninnen und Kommilitonen im ersten Semester, dass wir manche von ihnen nicht erreichen und verlieren werden, weil sie die akademische Gemeinschaft auf dem Campus nicht in Präsenz als Halt und Ansporn erleben können. Gleiches gilt auch für unsere internationalen Studierenden, die womöglich gar nicht mehr die Chance haben, zu uns nach Stuttgart zu kommen, mit uns zu studieren und zu leben.

Gleichwohl gilt, was ich in meinem Brief an die Studierenden Mitte April zum Start des Sommersemesters sagte: Mit Blick auf unsere Erfahrungen und Leistungen in den zurückliegenden Wochen können wir uns darauf freuen, auch das Wintersemester 2020/21 gut ausrichten zu können: „Alles wird gut, wenn auch nicht immer alles gleich 100-prozentig klappen wird!“

Ich wünsche Ihnen allen einen erholsamen und gesunden Sommer in den schönen Kultur- und Urlaubsregionen Deutschlands!

Ihr
Wolfram Ressel

 

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