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Pressemitteilung Nr.27/1998 vom 27.5.1998 |
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Nobelpreisträger Prof. Dr. Klaus von Klitzing zu Gast beim Universitätsabend:
Nanoelektronik - Aufbruch in neue Dimensionen
Klaus von Klitzing erhielt 1985 für seine Entdeckung des Quanten-Hall-Effektes
den Nobelpreis für Physik. Die entscheidende Messung gelang in der
Nacht zum 5. Februar 1980 und brachte die Erkenntnis, daß die Einheit
des elektrischen Widerstands (Ohm) letztlich durch zwei Naturkonstanten
(das Plancksche Wirkungsquantum h und die Ladung des Elektrons e) genau
bestimmt ist und damit selber wieder eine universelle Naturkonstante ist.
Mit der Von-Klitzing-Konstante hat man seither eine universelle Bezugsgröße
für die Messung von Widerständen, die überall auf der Welt
gleich ist; seit 1990 ist durch internationale Übereinkunft die Realisierung
der elektrischen Maßeinheit Ohm durch die Von-Klitzing-Konstante
festgelegt.
Der Quanten-Hall-Effekt war aber auch einer der Ausgangspunkte für
die Nanoelektronik und die wissenschaftliche Erforschung der physikalischen
Eigenschaften von Halbleitern weit unterhalb der Größenordnung
heutiger Mikroelektronik.
Prof. von Klitzing, Mitglied des Direktoriums des Stuttgarter Max-Planck-Instituts
für Festkörperphysik und Honorarprofessor der Universität
Stuttgart, gilt nicht nur als exzellenter Physiker, sondern ist darüber
hinaus bekannt für die Präzision und Klarheit, mit denen er über
seine Wissenschaft reden kann. Die Universität Stuttgart möchte
gerade mit ihren Universitätsabenden die fächerübergreifende
Diskussion zwischen Wissenschaftlern, Studierenden und der Öffentlichkeit
anregen und freut sich deshalb besonders, den Stuttgarter Nobelpreisträger
zu einem öffentlichen Vortrag begrüßen zu können.
Prof. Dr. Klaus von Klitzing wird unter dem Titel Nanoelektronik - Aufbruch
in neue Dimensionen die Grundlagen und Anwendungsaspekte des neuen Forschungsgebietes
vorstellen.
Ort: Universität Stuttgart, Keplerstr. 17, Hörsaal 17.01
Zeit: Donnerstag, 4. Juni, 18.00 Uhr
Hierzu ist die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen.
Zur Person:
Klaus von Klitzing
Geboren 1943 in Schroda (Bezirk Posen), studierte von Klitzing Physik an
der TU Braunschweig und ging nach dem Diplom als Assistent zu dem Experimentalphysiker
Gottfried Landwehr nach Würzburg. Nach der Promotion (1972) habilitierte
er sich 1978 in Würzburg. Als einer der ersten Heisenberg-Stipendiaten
konnte er seine wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Halbleiterphysik
nahtlos fortsetzen; als Gast des Stuttgarter Max-Planck-Instituts für
Festkörperforschung erarbeitete er im Hochfeld-Magnetlabor in Grenoble
die Grundlagen für seine später mit dem Nobel-Preis ausgezeichneten
Ergebnisse zum Quanten-Hall-Effekt. Schon 1980 berief ihn die TU München
auf eine Professur für Festkörperphysik, im Frühjahr 1985
übersiedelte er als Mitglied des Direktoren-Kollegiums zum Max-Planck-Institut
für Festkörperforschung nach Stuttgart, im selben Jahr ernannte
ihn die Universität Stuttgart zum Honorarprofessor. Prof. von Klitzing
ist Mitglied zahlreicher Wissenschaftlicher Akademien in mehreren Ländern
und Inhaber von Ehrendoktortiteln an Universitäten in sechs Ländern.
Zum Vortrag:
Nanoelektronik
Die Mikroelektronik hat gezeigt, wie rasant Miniaturisierung fortschreiten
kann. Nach dem Motto immer kleiner, schneller und billiger" kommt alle
drei Jahre eine neue Generation von Speicherbausteinen und Mikroprozessoren
auf den Markt. Kurz nach dem Jahr 2000 werden die kleinsten Strukturen
dieser Bausteine voraussichtlich Größen um 0,1 Mikrometer (das
entspricht 100nm) erreicht haben und damit in den Bereich der Nanotechnologie
vorstoßen.
Heute bereits spricht man von Nanotechnologie und meint damit die Herstellung
winzigster Strukturen und Bauelemente in allen Bereichen der Technik, von
der Elektronik über die Mechanik bis hin zu den Werkstoffen. Winzig
bedeutet, daß die Größen der entscheidenden Komponenten
im Bereich von etwa 100 Nanometer (nm) oder darunter liegen. Das sind 0,0000001
Meter, oder rund ein Tausendstel des Durchmessers eines menschlichen Haares.
Mit dem Übergang von der Mikro- zur Nanoelektronik ist jedoch
nicht nur die weitere Miniaturisierung verbunden. So unterschiedlich die
Anwendungen der einzelnen Produkte der Nanotechnologie auch sein mögen,
ihnen allen gemeinsam ist: Sie funktionieren gerade, weil sie so klein
sind. Ihre physikalischen Eigenschaften entstehen bei gleicher materieller
Zusammensetzung erst in Folge der Miniaturisierung. Umgekehrt kann ihre
Funktion also auch durch die Größe gesteuert werden. Dies gilt
freilich nur dann, wenn es gelingt, solche Strukturen kontrolliert und
gezielt herzustellen - und das nicht nur im Labor, sondern auch im großtechnischen
Maßstab.
Bereits heute jedoch ist es möglich, etwa Kristallschichten von
nur wenigen Atomlagen Dicke mit großer Genauigkeit herzustellen,
und es ist sogar gelungen, mit Hilfe des Rastertunnelmikroskops einzelne
Atome auf einer Kristallfläche zu verschieben. Im Visier der Zukunft
haben die Wissenschaftler extrem kleine elektronische Speicher, Rechnersysteme
mit einzelnen Elektronen, neuartige Halbleiterlaser sowie extrem empfindliche
Sensoren basierend auf Quanteneffekten in Nanostrukturen.
Kontakt: Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Heisenberstr.
1, 70569 Stuttgart, Tel: 0711/689-1570; Fax: 0711/689-1572; e-mail: klitzing@klizix.mpi-stuttgart.mpg
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Keplerstraße 7 70174 Stuttgart Tel. (0711) 121-2297, -2176, -2155; Telefax 121-2188 e-mail: presse@uni-stuttgart.de
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