Dieses Bild zeigt Landeanflug über Lissabon

Ausbildung an der Universität in Stuttgart

Mein Auslandsaufenthalt in Lissabon

Amir Nagi Hassanin, Industriemechaniker am ITLR, berichtet über das MICA-Projekt der Max Eyth-Schule Stuttgart, durch das er 2 Wochen in Portugal verbrachte.

Erste Eindrücke

Am Sonntagmittag um 12 Uhr startete der Flieger am Stuttgarter Flughafen in Richtung Lissabon. Nach ungefähr drei Stunden Flug, landeten wir wie vorgesehen am Flughafen in Lissabon.

Dort wurden wir dann von Jorge Mauricio, dem Leiter des MICA- Projektes in Portugal, abgeholt und zu unserem Appartement gefahren. Im Appartement angekommen, lernten wir die anderen Teilnehmer aus den fünf weiteren Mitgliedsländern des Projektes kennen. Mit uns, den zwei Deutschen, waren ebenso jeweils zwei Teilnehmer aus Polen, Tschechien, Spanien, Portugal und Finnland dabei. Die Kommunikation innerhalb der nächsten zwei Wochen fand dann, aufgrund der verschiedenen Nationalitäten, ausschließlich auf Englisch statt.

Der erste Arbeitstag

Am darauf folgenden Tag ging es dann mit der Arbeit los. Wir wurden an der Cenfim Schule/Werkstatt willkommen geheißen. Die Cenfim ist etwas Vergleichbares zu unserer Berufsschule, da die Auszubildenden dort die grundlegende Theorie lernen, um an den Maschinen, an denen sie arbeiten sollen, zurecht zu kommen. Neben normalen Klassenzimmern haben sie, genauso wie wir in Deutschland auch, Werkstätten, in denen die Schüler sowohl an konventionellen Dreh- und Fräsmaschinen, als auch an CNC- Maschinen arbeiten können.

Doch die Art und Weise des Unterrichts unterscheidet sich grundlegend von der in Deutschland. Während hier bei uns der Lehrer vorne erklärt und die Schüler sich durch Strecken oder Melden am Unterricht beteiligen, wird in Portugal ganz auf „Learning by Doing" gesetzt. Im Klartext heißt dass, durch das Moodle System, der Lernsoftware, mit der wir auch arbeiten mussten, werden dem Schüler die wichtigsten Informationen nach und nach gezeigt und er kann sie in seinem eigenen Tempo verinnerlichen. Zum Ende jeder Lektion wird dann anhand eines Zufallstests, der aus mehreren Aufgaben generiert wird, das Wissen der Schüler abgefragt. Erst nach dem Erreichen einer Punktzahl von über 75% dürfen die Schüler mit der nächsten Lektion anfangen.

Eigene Einblicke in Moodle

Nach einer kurzen Erklärung, konnten wir schon mit unseren eigenen Profilen im Moodle System durchstarten. Das Programm selbst lief auf Englisch und war somit an mehreren Stellen schwer zu verstehen. Doch mit Hilfe eines Übersetzers und der Hilfe der Lehrer konnten wir alle Begriffe entschlüsseln. Schwerpunkt des MICA-Projekts in Portugal lag beim CNC-Fräsen und den dazugehörigen Grundlagen. Zuerst wurden deshalb alle Eigenschaften einer CNC- Fräsmaschine durchgegangen. Welche Achsen es an der Fräsmaschine gibt, wie die verschiedenen Fräserformen aussehen, vom Walzenstirnfräser, Formfräser oder Stirnfräser bis zum Scheibenfräser. Ebenso natürlich die Unterschiede zwischen HSS und Hartmetall.

Durch das Moodle Programm konnte ich nochmal die Grundlagen vertiefen und auch Neues lernen wie zum Beispiel die vielen Möglichkeiten an einer 5-Achs Fräsmaschine Werkstücke zu spannen oder das korrekte Vermessen eines Werkzeugs außerhalb der Maschine. Auch die verschiedenen Arten von CNC-Fräsmaschinen und das Verständnis für die weiteren Achsen, A der rotierenden X Achse, B der rotierenden Y Achse und C der rotierenden Z Achse konnte ich dazulernen.

Doch am meisten werde ich wohl davon profitieren, dass uns das Heidenhain Steuerungssystem näher gebracht wurde. Die Möglichkeit, eins der weitverbreitetsten Steuerungssysteme sowohl in der Theorie, als auch in der Praxis lernen zu können, ermöglicht es mir an den CNC-Maschinen in meiner Werkstatt arbeiten zu können. Außerdem habe ich jetzt ein besseres Verständnis für die Unterschiede zwischen dem DIN-ISO und dem Heidenhain System.

Abbildung einer Fräsmaschine
Fräsmaschine

Desktopansicht eines Fräsprogramms
Fräsprogramm

Meine Erfahrungen in der Praxis

Zwischen den einzelnen Lektionen in Moodle, gab es auch praktische Einheiten in denen wir an einer 5-Achs Fräsmaschine üben durften. Mir persönlich haben die praktischen Einheiten am meisten Spaß gemacht und am Ende selbstverständlich die neu gemachten Erfahrungen. Obwohl das Steuerboard an der Maschine auf Portugiesisch war, konnte ich mich dank der Hilfe des Moodle Programms, das auf Englisch war und der Hilfe des Lehrers, schnell zurechtfinden. Ich habe gelernt, wie man direkt an der CNC- 5-Achs Fräsmaschine in allen Achsen linear verfährt und sogar in 2 Achsen gleichzeitig. Dazu habe ich das direkte Vermessen von verschiedenen Werkzeugen wie Schaftfräsern, Bohrern oder Reibahlen gelernt. Und am wichtigsten die Steuermöglichkeiten und Genauigkeit beim Antasten mit verschiedenen Tastern wie dem Kantentaster, dem 3D-Taster und dem 3D- Messtaster. Auch das allgemeine Zurechtfinden auf dem Steuerboard und im Programm ist für mich nun leichter als davor.

Freizeit und Sightseeing

Abgesehen von einer kleinen Sightseeing Tour mit den Lehrern, welche wir am vorletzten Tag abends gemacht haben, oder dem Besuch bei SOCEM einer portugiesischen Kunststoff Firma, haben wir uns bemüht, jeden Abend nach der Arbeit, mit den sehr engagierten Portugiesen, kleinere Stadttouren zu machen, bei denen wir mehr von der Stadt sehen konnten. Neben vielen Sehenswürdigkeiten, wie dem Parlament in Lissabon, der Altstadt und der Neustadt und nicht zu vergessen, der Burg, die für ihre lange Geschichte und den unvergleichlichen Ausblick bekannt ist, konnten wir auch mehr über die Kultur und die kulinarischen Spezialitäten lernen. Zum Beispiel die Pastéis de Belém, eine Art kleiner Puddingkuchen, welche als eine der Spezialitäten gelten, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Mein Fazit

In meinen Augen, hat sich der Auslandsaufenthalt mit dem MICA-Projekt sehr gelohnt. Ich konnte nicht nur meine Fähigkeiten als Industriemechaniker erweitern, vertiefen und verfeinern, sondern gleichzeitig meinen eigenen Horizont und meine Vorstellungen der anderen europäischen Mitgliedsländer des Projektes. Ich hatte die Möglichkeit, mit verschiedenen Personen aus verschiedenen Ländern zusammenzuarbeiten und zu leben. Es war sehr faszinierend für mich, ihre Eindrücke, Erfahrungen und Lebenssituationen in ihren Heimatländern mitzubekommen. Zusätzlich konnte ich, durch den permanenten Englischgebrauch, meine Sprachkenntnisse verbessern und viele neue Wörter lernen. Diese könnten mir in Zukunft, in einer Internationalen Firma oder einem internationalen Projekt, sehr nützlich sein. Ich bin nun in der Lage die Heidenhain Programmierung in ihren grundlegenden Elementen zu verstehen und einfache Zyklen zu programmieren. Ebenso hat sich mein Verständnis für die Bearbeitung in fünf Achsen stark verbessert. Ich konnte letzten Endes, als Industriemechaniker als auch als Person an diesem Projekt, an den Herausforderungen und Eindrücken wachsen.