SOFIA am Flughafen Stuttgart

Weltraum-Forschungsprojekt – Erster Wissenschaftsflug über Europa

Fliegende Sternwarte SOFIA begeisterte in Stuttgart

Die fliegende Infrarotsternwarte SOFIA war vom 16. bis 20. September am Flughafen Stuttgart zu Besuch und begeisterte Tausende.
[Foto: Bianca Renz]

Rundgang durch SOFIA

Dauer: 01:11 | © Universität Stuttgart | Quelle: YouTube

Ein Rundgang durch das fliegende Observatorium SOFIA im Zeitraffer.

Die fliegende Sternwarte SOFIA

Dauer: 1:29 | © Universität Stuttgart | Quelle: YouTube

Die fliegende Infrarotsternwarte Sofia war vom 16. bis 20. September am Flughafen Stuttgart zu Besuch und absolvierte erstmals einen Besichtigungsflug über Europa. 3000 Begeisterte ließen sich Flugzeug, Arbeitsorganisation, Technik des Teleskops und die Wissenschaftsmissionen erklären.

In einem mobilen Planetarium mit Fulldome-Aufnahmen konnten die Zuschauerinnen und Zuschauer einen SOFIA-Mitflug inklusive der Vorbereitungen hautnah erleben.

Noch bis 27. September ist eine Ausstellung auf der Terrassenebene im Terminal 3 des Flughafens Stuttgart zu sehen. Sie erklärt mit Modellen, Videos und Informationsmaterialien die Besonderheiten des Observatoriums sowie die astronomische Mission der fliegenden Infrarotsternwarte allgemeinverständlich.

Anlass für den Besuch von SOFIA in Stuttgart war die Konferenz „Mission to the Universe – From Earth to Planets, Stars & Galaxies“ der Astronomischen Gesellschaft, die das Deutsche SOFIA Institut der Universität Stuttgart organisierte. Die 1863 gegründete Astronomische Gesellschaft ist eine der ältesten astronomische Vereinigungen Europas.

Während ihres ersten rund zehnstündigen wissenschaftlichen Beobachtungsflug über Europa wollten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem die Umgebung des supermassiven schwarzen Lochs der Galaxie Markarian 231 im Sternbild Großer Bär untersuchen, um Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen den Magnetfeldern in der Scheibenstruktur um das schwarze Loch und den Radiojets zu erhalten. Diese Beobachtung ist nur mit SOFIA möglich, denn kein anderes Observatorium kann Magnetfelder in diesem Wellenlängenbereich vermessen. Ein Vorteil an einem Flug über Europa ist, dass SOFIA näher an den Polen fliegt und auf weniger Wasserdampf trifft, was bessere Beobachtungsbedingungen zur Folge hat.

Prof. Ressel auf der SOFIA-Begrüßungsveranstaltung am 15. September 2019. (c)
Prof. Wolfram Ressel, Rektor der Universität Stuttgart, war erfreut, SOFIA in Stuttgart zu begrüßen.

Willkommen SOFIA

Zahlreiche Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik hatten sich am Vortag, 15. September 2019 auf Einladung der Universität Stuttgart und der Flughafen Stuttgart GmbH im Terminal 3 versammelt, um das Flugzeugobservatorium SOFIA (Stratosphären Observatorium für Infrarot Astronomie) am Flughafen Stuttgart zu willkommen zu heißen. Die weltweit einzigartige fliegende Sternwarte war nach acht Jahren erstmals wieder nach Stuttgart gekommen. Und so war auch Tenor aller Redner, welche faszinierenden astronomischen Erkenntnisse dieses gemeinsame Forschungsprojekt der NASA, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Universität Stuttgart ermögliche. Entsprechend bezeichnete die DLR-Vorstandsvorsitzende, Prof. Pascale Ehrenfreund, SOFIA als Musterbeispiel langjähriger deutsch-amerikanischer Zusammenarbeit. Die gemeinsame Forschungsstärke im Infrarotbereich führe zu wichtigen Erkenntnissen bei Fragen der Sternentwicklung.

Der Rektor der Universität Stuttgart, Prof. Wolfram Ressel wies auf die Bedeutung des Forschungsprojekts für die Universität Stuttgart hin: „Wir freuen uns, dass durch unser Engagement nicht nur viele ingenieurwissenschaftliche und astronomische Forschungsarbeiten angestoßen werden und entstehen, sondern dass wir darüber hinaus Studierenden die Gelegenheit geben können, ihre studentischen Arbeiten in den USA direkt vor Ort bei der NASA anzufertigen.“ Es sei wichtig, der Gesellschaft immer wieder deutlich zu machen, dass investierte öffentliche Forschungsmittel – wie sie in signifikanter Höhe für SOFIA bereitgestellt werden – „sinnvoll angelegtes Geld sind“.

3 Fragen an Prof. Alfred Krabbe, Leiter des DSI

Dauer: 2:34 | © Universität Stuttgart | Quelle: YouTube

Die fliegende Sternwarte SOFIA

Hintergrundinformationen über das Observatorium

Die fliegende Infrarotsternwarte SOFIA  ist weltweit das einzige fliegende Infrarot-Observatorium und eines der größten bilateralen US-deutschen Projekte zur Erforschung des Weltraums. Es zählt zu den größten Drittmittelprojekten an der Universität Stuttgart, die den wissenschaftlichen Betrieb von SOFIA in Deutschland koordiniert. Das Stratosphären Observatorium für Infrarot Astronomie (SOFIA) ist eine umgebaute Boeing 747 SP mit einem 17 Tonnen schweren Teleskop an Bord. Regelmäßig heben damit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ab, um zum Beispiel die Entstehung junger Sterne und Planetensysteme zu beobachten oder die Milchstraße zu untersuchen.

Das Stratosphären Observatorium für Infrarot Astronomie (SOFIA) beobachtet in einer Flughöhe von rund 13 Kilometern ungestört vom Großteil des Wasserdampfes in der Erdatmosphäre ferne Sterne und Galaxien und ortet chemische Verbindungen im Weltall. SOFIAs Einzigartigkeit besteht auch darin, dass sie ferninfrarotes Licht sehen kann. Kein anderes Bodenteleskop und kein Satellitenteleskop könnten derzeit diese Aufgaben von SOFIA übernehmen.

Die fliegende Sternwarte verfügt über eine Reihe von Instrumenten, die auf unterschiedliche Eigenschaften des Infrarotlichts reagieren. Ein Großteil des Lichts im Universum wird als Infrarotlicht ausgestrahlt, das die Erdoberfläche nicht erreicht. Durch Infrarotbeobachtungen von SOFIA, die fast vollständig über dem Wasserdampf der Erdatmosphäre fliegt, können zum Beispiel Stern-Entstehungsgebiete untersucht werden, aus denen Sterne und Planetensysteme hervorgehen. Diese Messungen und Analysen sind mit Beobachtungen im sichtbaren Licht nicht machbar.

Seit rund einem Jahr wird die hochauflösende Infrarotkamera HAWC+ an Bord des Observatoriums eingesetzt. Es ist derzeit die einzige abbildende Kamera, die Aufnahmen im fernen infraroten Bereich des elektromagnetischen Spektrums machen und dabei kosmische Magnetfelder vermessen kann. Mit diesen Daten können Astronomen das frühe, kühle Stadium der Stern- und Planetenentstehung untersuchen.

Diese künstlerische Darstellung zeigt die Galaxie  Cygnus A – mit supermassivem schwarzen Loch im Zentrum und den orthogonalen Radiojets – welche mit der Infrarotkamera HAWC+ an Bord von SOFIA während eines Fluges über Südkalifornien untersucht wurde. Die erhobenen Daten zum oben abgebildeten Magnetfeld bilden die Grundlage für die Folgebeobachtung der Galaxie Markarian 231, die SOFIA während ihres ersten wissenschaftlichen Europafluges ins Visier nehmen soll. (c) NASA/SOFIA/Lynette Cook
Diese künstlerische Darstellung zeigt die Galaxie Cygnus A – mit supermassivem schwarzen Loch im Zentrum und den orthogonalen Radiojets – welche mit der Infrarotkamera HAWC+ an Bord von SOFIA während eines Fluges über Südkalifornien untersucht wurde. Die erhobenen Daten zum oben abgebildeten Magnetfeld bilden die Grundlage für die Folgebeobachtung der Galaxie Markarian 231, die SOFIA während ihres ersten wissenschaftlichen Europafluges ins Visier nehmen soll.

SOFIA, das Stratosphären Observatorium Für Infrarot Astronomie, ist ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) und der US-Amerikanischen National Aeronautics and Space Administration (NASA). Es wird auf Veranlassung des DLR mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages und mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg und der Universität Stuttgart durchgeführt. Der wissenschaftliche Betrieb wird auf deutscher Seite vom Deutschen SOFIA Institut (DSI) der Universität Stuttgart koordiniert, auf amerikanischer Seite von der Universities Space Research Association (USRA). Die Entwicklung der deutschen Instrumente wurde mit Mitteln der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des DLR finanziert.

Impressionen von SOFIA

Kontakte

Dr. Dörte Mehlert, Universität Stuttgart, Deutsches SOFIA Institut, Tel.: +49 711 685-69632, E-Mail

Lydia Lehmann, Universität Stuttgart, Hochschulkommunikation, Tel.: +49 711 685-82297, E-Mail

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