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Datum: 28. Juni 2012, Nr. 43

Zukunftstechnologie für Weltraumtransporte

Neues Graduiertenkolleg mit Unterstützung durch Astrium

Vertreter von Astrium, Europas führendem Raumfahrtunternehmen, und der Universität Stuttgart unterzeichneten heute eine Vereinbarung zur Intensivierung der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Raumtransporttechnologien. Im Rahmen eines von Astrium geförderten Graduiertenkollegs sollen in den nächsten fünf Jahren bis zu acht Doktorandinnen und Doktoranden ingenieurwissenschaftliche Schlüsselthemen rund um Aufstiegs-, Orbital- und Wiedereintrittssysteme bearbeiten.

Die Raumfahrt ist heute aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Raketen befördern Satelliten direkt auf Bahnen, die sich für die Tele¬kom¬mu¬nikation, die Navigation oder die Beobachtung der Erde eignen. Distanzen zu fernen Planeten in unserem Sonnensystem werden mit besonders gebauten Sonden überbrückt. Schwerlasttransporter, wie einst das amerikanische Space-Shuttle oder die europäische Ariane 5 transportieren große Teile von Raum¬stationen in den erdnahen Weltraum, wo sie von Astronauten zusammengebaut und genutzt werden. Ihr Erkenntnisgewinn reicht von der Astronomie, der Physik und Kernphysik über die Geophysik und Geologie bis hin zur Ozeanologie, Biologie und Medizin.

Doch wie sieht der Weltraumtransport von kommerziellen und wissenschaftlichen Satelliten in der Zukunft aus? Welche bemannten und unbemannten Raumfahrtmissionen sind technologisch und finanziell realisierbar? Welche Technologien müssen beherrscht werden, um den Transport im Weltraum effizient zu gestalten oder um Nutzlasten von den Tiefen unseres Planetensystems sicher zur Erde zurück zu bringen? Wie lassen sich ausgediente Satelliten gezielt entsorgen, um der ständig zunehmenden Problematik von Kollisionen im Weltraum zu begegnen und damit auch nachfolgenden Generationen den Zugang zu speziellen Umlaufbahnen zu ermöglichen? Antworten auf diese Fragen wollen die Universität Stuttgart und Astrium im Rahmen der neuen Graduiertenschule finden.

Neues Modell der Graduiertenförderung
„Graduiertenkollegs, bei denen die Industrie direkt ingenieurwissenschaftliche Grundlagenforschung fördert, sind noch relatives Neuland“, so der Rektor der Universität Stuttgart, Prof. Wolfram Ressel. „Dass dies nun auch auf dem technologisch und wissenschaftlich anspruchsvollen Gebiet der Raumfahrt und mit der Unterstützung des auf diesem Gebiet größten Industrieunternehmens in Europa erfolgt, freut uns sehr und spiegelt einmal mehr die Reputation, die die Universität Stuttgart mit ihrer bundesweit größten Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik auf diesem Forschungsfeld genießt.“ „Neben den rein wissenschaftlich motivierten Fragen ist es uns ein besonderes Anliegen, dem absehbar zunehmenden Mangel an ingenieurwissenschaftlichem Nachwuchs zu begegnen“, betonen die Koordinatoren des Graduiertenkollegs, Prof. Stefanos Fasoulas vom Institut für Raumfahrtsysteme der Uni Stuttgart und Dr. Frank Pohlemann, Leiter der Geschäftsentwicklung von Astrium Space Transportation.

Langjährige intensive Zusammenarbeit
Die beiden Partner können auf eine bereits seit Jahren sehr erfolgreiche und intensive Zusammenarbeit aufbauen. Astrium unterstützt beispielsweise das Kleinsatelliten-Programm am Institut für Raumfahrtsysteme, ebenso wurden zahlreiche Einzelthemen im Bereich Raumtransportsysteme in Form von Doktoranden-Patenschaften gefördert. Das Graduiertenkolleg stellt nun diese Zusammenarbeit auf eine breitere Basis und ermöglicht somit dem besonders qualifizierten akademischen Nachwuchs attraktive Randbedingungen für eine wissenschaftliche Weiterqualifikation. In der zunächst für fünf Jahre vereinbarten Maßnahme sollen bis zu acht Doktorandinnen und Doktoranden gefördert werden, wobei die Hälfte der Stellen noch 2012 ausgeschrieben wird, die andere Hälfte im Jahr 2013.

Weitere Informationen bei Prof. Stefanos Fasoulas, Universität Stuttgart, Institut für Raumfahrtsysteme, Tel. 0711/685-62417, e-mail: fasoulas@irs.uni-stuttgart.de.

Über Astrium:
Astrium ist das führende europäische Unternehmen für Weltraumsysteme und Raumfahrttechnik und die Nummer drei weltweit. Im Jahr 2011 erreichte Astrium einen Umsatz von knapp 5 Milliarden Euro und beschäftigte weltweit 18.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen hat seine Hauptstandorte in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Das Kerngeschäft gliedert sich in drei Bereiche. Astrium Space Transportation für Trägerraketen und Weltraum-Infrastrukturen, Astrium Satellites für Satelliten und Bodensegmente sowie Astrium Services für umfassende stationäre und mobile End-to-End-Lösungen, Equipment und Systeme für Hochsicherheits- und kommerzielle Satellitenkommunikation sowie maßgeschneiderte weltweite Produkte und Dienstleistungen für Geo-Informationen.

Über die Raumfahrt an der Universität Stuttgart:
Die Universität Stuttgart ist eine international führende Forschungsuniversität mit mehr als 22.600 Studierenden und pflegt ein interdisziplinär orientiertes Profil mit Schwerpunkten in den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Sie gliedert sich in zehn Fakultäten, darunter auch die Fakultät Luft- und Raumfahrttechnik und Geodäsie. Hier werden derzeit jährlich rund 400 Studierende im Bachelorstudiengang und ab dem Wintersemester 2012/13 etwa 200 bis 250 Studierende im Masterstudiengang Luft- und Raumfahrttechnik immatrikuliert. Damit nimmt die Universität Stuttgart in diesem Bereich die Spitzenposition in Europa ein. Mit dem Neubau des Raumfahrtzentrums Baden-Württemberg wurde diese Vorrangstellung in Forschung und Lehre weiter ausgebaut.


 

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Simulation eines Mondsatelliten kurz nach dem Start von der Erde (Foto: IRS/Universität Stuttgart).