Presseinfo 28: Das Kraftwerk Gaisburg, das vom Projektpartner EnBW derzeit modernisiert wird, spielt auch im Projekt WECHSEL eine zentrale Rolle. Foto: EnBW Copyright: EnBW

Datum: 18. April 2017, Nr. 28

Stuttgart soll „Stadt am Fluss“ werden

Kooperationsprojekt der Universität Stuttgart mit der Landeshauptstadt Stuttgart
[Bild: EnBW]

Bekanntlich liegt Stuttgart am Neckar, doch im Großraum Stuttgart prägten vor allem Industrie, Gewerbe und Infrastruktur das Stadtbild. Wie kann Stuttgart zu einer „Stadt am Fluss“ werden? Dieser Frage widmet sich ein interdisziplinäres Team an der Universität Stuttgart im Rahmen des anlaufenden BMBF-Forschungsprojekts WECHSEL.

Für Städte wie Amsterdam, Köln, London, Paris oder Prag sind die Flüsse, die sie durchqueren, lebendige urbane Lebensadern. In solchen Städten ist der Fluss ein selbstverständlicher Teil des historisch gewachsenen Stadtgefüges, vergleichbar einem großen linearen Park. Dies basiert auch auf der Gestaltung der Uferzonen: Oft stößt die Bebauung direkt ans Ufer, mal weicht sie zurück und schafft Freiräume wie Parks, Promenaden oder Plätze, die den Fluss öffentlich zugänglich machen.

Stuttgart dagegen liegt zwar an einem Fluss, ist jedoch noch keine Stadt am Fluss. Insbesondere zwei Faktoren sind dafür verantwortlich. Zum einen fließt der Neckar zwischen den zwei Hauptsiedlungszentren des Großraums Stuttgarts, dem Kerngebiet im Stuttgarter Kessel und dem Stadtteil Bad Cannstatt; den Stuttgarter Stadtkern streift er nur am Saum. Zum anderen hat sich der Neckar seit Ende des 19. Jahrhunderts zu einem vornehmlich industriell genutzten Fluss entwickelt und spielt eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Prosperität der Region. Diese industriell, gewerblich und infrastrukturell überformten „Wangen“ des Neckars üben kaum urbane Anziehungskraft aus.

 

EnBW Das Kraftwerk Gaisburg, das vom Projektpartner EnBW derzeit modernisiert wird, spielt auch im Projekt WECHSEL eine zentrale Rolle. Foto: EnBW (c) EnBW
EnBW Das Kraftwerk Gaisburg, das vom Projektpartner EnBW derzeit modernisiert wird, spielt auch im Projekt WECHSEL eine zentrale Rolle. Foto: EnBW

Zweifache Chance für die Neckar-Stadt

Technische Neuerungen sowie ein erhöhtes Bewusstsein für die Qualitäten einer „Stadt am Fluss“ und für die Bedeutung einer interdisziplinären ganzheitlichen Denk- und Arbeitsstrategie eröffnen für Stuttgart nun eine zweifache Chance: So können einerseits energie-technische Infrastruktureinrichtungen im Sinne einer nachhaltigen Energieversorgung weiter verbessert und andererseits die dadurch freiwerdenden ufernahen Grundstücke zu hochwertigen urbaner Lebensräumen umgestaltet werden.

Die Grundlage des Forschungsprojekts bilden eine realistische Abschätzung der Energiepotenziale am Neckar und daraus abgeleitete Szenarien für Flächenpotenziale der Stadt- und Landschaftsentwicklung entlang des Flusses. Untersucht werden in mehreren Stufen die Kernzone rund um das Kraftwerk Gaisburg, die Entwicklungszonen entlang des Neckars im Stuttgarter Raum und schließlich die Vernetzung von Versorgungssystemen innerhalb des Energiesektors und zwischen den Energieträgern und weiteren leitungsgebundenen Gütern. Neben den Stakeholdern will das Projekt auch überregionale Experten, zivilgesellschaftliche Akteure sowie Bürgerinnen und Bürger einbinden. Die Forschungsergebnisse sollen in die kommunalen und städtischen Planungen einfließen, insbesondere in den Masterplan „Landschaftspark Neckar: Stadt am Fluss“.

Pilotprojekt für langfristige Zusammenarbeit

Für Stuttgart ist WECHSEL ein Pilotprojekt und soll den Auftakt bilden für eine langfristige interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Stadt, Universität, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Projektpartner sind seitens der Universität Stuttgart das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER), das Städtebau-Institut (SI) sowie das Zentrum für interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (ZIRIUS). Weitere Partner sind die Stadt Stuttgart, die Stadtwerke Stuttgart, die Energie Baden-Württemberg (ENBW) sowie die Uhrig Kanalbau GmbH.

Universität Stuttgart, Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung, Tel. 0711-68587830, E-Mail

Kontakt

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Andrea Mayer-Grenu

Wissenschaftsreferentin; Forschungspublikationen