Presseinfo 72:  Copyright:

Datum: 18. Juli 2011, Nr. 72

SOFIA

Deutsche Lehrer fliegen zu den Sternen

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2011 waren zum ersten mal zwei deutsche Lehrer mit an Bord der fliegenden Sternwarte SOFIA, dem Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie. Wolfgang Viesser vom Christoph-Probst-Gymnasium in München und Jörg Trebs von der Thomas-Mann-Oberschule in Berlin wurde gemeinsam vom Deutschen SOFIA Institut (DSI) der Universität Stuttgart und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hierfür ausgewählt, um hautnah mitzuerleben wie Forschung live in 14 Kilometern Höhe von statten geht. SOFIA ist ein Projekt der Amerikanischen Weltraumbehörde NASA und des DLR.

Am Montag den 11. Juli waren Vieser und Trebs in Begleitung der DSI Mitarbeiterin Cecilia Scorza aus Stuttgart nach Palmdale, Kalifornien, zur Dryden Aircraft Operation Facility (DAOF) gereist. Bei ihrem Flug mit SOFIA schauten die beiden Lehrer dem Astronom Jochen Eislöffel bei seinen Forschungen über die Schulter. Eislöffel befasst sich an der Thüringer Landessternwarte in Tautenburg unter anderem mit der Untersuchung des Materieausflusses von jungen Sternen in ihrer Entstehungsphase. Er hatte für die Nacht vom 14. auf den 15 Juli Beobachtungszeit für sein wissenschaftliches Programm zugewiesen bekommen.
Während des „Preflight Review“ der NASA am Morgen des 14. Juli erhielten die deutschen Gäste zusammen mit der gesamten Flugmannschaft Details zum geplanten Flugablauf. Um 20.00 Uhr war es dann soweit: Gemeinsam mit Jochen Eislöffel, Cecilia Scorza und dem NASA Piloten Timothy L. Williams gingen Wolfgang Viesser und Jörg Prebst an Bord von SOFIA.

Junger Stern L1157 im Visier
Ziel der Beobachtungen von Jochen Eislöffel war der gerade entstehende Stern L1157 im Sternbild Drache, dessen Infrarotinformationen von der Erde aus wegen des Wasserdampfs in der Atmosphäre nicht beobachtbar sind. Mit GREAT, dem “German Receiver for Astronomy at Terahertz Frequencies”, will Eislöffel die 16-15 - CO Linie bei 1.84 THz beobachten und daraus die Ausflussgeschwindigkeiten des Materials messen, das von dem gerade entstehenden Stern abgestoßen wird.
Nach insgesamt 110 Minuten Beobachtungszeit ist das Projekt von Jochen Eislöffel abgearbeitet und Objekte andere Beobachtungsprogramme, die auch auf dem Flugplan stehen, werden angesteuert.

Hohe Konzentration zu nächtlicher Stunde
Gespannt haben Vieser und Trebs beobachtet, mit welchem Aufwand und wie konzentriert Eislöffel seine einzelnen Aufnahmen – um 2 Uhr morgens - vorbereiten muss. „Sechs Wochen Vorbereitung für 110 min. Beobachtungszeit- das ist Liebe zur Wissenschaft!“, staunt Wolfgang Vieser. Kaum waren die Daten „im Kasten“ hat der Wissenschaftler auch schon mit den ersten Analysen begonnen und den Lehrern erläutert, wie er dabei vorgeht. Auch hier ist Jörg Trebs überrascht, welche Kniffe Eislöffel anwenden muss, um den gewonnen Daten letztlich die erwünschten Informationen zu entlocken: „Beim normalen Blick durch das Fernrohr ist der Stern greifbar, beim Spektroskopieren fängt die Arbeit nach der Beobachtung ja erst an!“

Einmaliges Bildungsprogramm
Das vom DLR finanzierte SOFIA - Bildungsprogramm des DSI ist einmalig in Deutschland. Das Programm betreut 34 Partnerschulen aus allen Bundesländern. Ziel ist es, Schülerinnen und Schülern aller Jahrgangsstufen nachhaltig für Ingenieur- und Naturwissenschaften – besonders für die Astronomie – zu gewinnen. Das interdisziplinäre Projekt SOFIA ist hierfür ideal geeignet, da Lehrer im wahrsten Sinne des Wortes mit an Bord gehen können. „Unser Mitflugprogramm ist daher ein zentrales Element unseres Bildungsprogramms“ erläutert Cecilia Scorza, die am DSI das Bildungsprogramm koordiniert. „Die hierfür ausgewählten Lehrer sollen ihre Erfahrungen mit ihren Kollegen sowie Schülern und Schülerinnen teilen und diese dauerhaft für die SOFIA relevanten astronomischen Themen begeistern.“

Weitere Informationen bei
Dörte Mehlert, Tel. 0711/685-69632; e-mail: mehlert@dsi.uni-stuttgart.de,
Henning Krause (DLR), Tel.: 02203 / 601-2502 e-mail: henning.krause@dlr.de
Weitere Informationen über SOFIA finden Sie unter:
www.dsi.uni-stuttgart.de, www.dlr.de/sofia, www.nasa.gov/sofia, www.sofia.usra.edu

Informationen zu FORCAST und GREAT finden Sie unter
www.mpifr-bonn.mpg.de/div/submmtech/GREAT.html

SOFIA, das Stratosphären Observatorium Für Infrarot Astronomie, ist ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der National Aeronautics and Space Administration (NASA). Es wird auf Veranlassung des DLR mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages und mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg und der Universität Stuttgart durchgeführt. Der wissenschaftliche Betrieb wird auf deutscher Seite vom Deutschen SOFIA Institut (DSI) der Universität Stuttgart koordiniert, auf amerikanischer Seite von der Universities Space Research Association (USRA). Die Entwicklung der deutschen Instrumente ist finanziert mit Mitteln der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

 


 

 (c)
Wolfgang Viesser (links) und Jörg Trebs (rechts) gemeinsam mit Jochen Eislöffel (Hintergrund) und DSI Mitarbeiterin Cecilia Scorza (2. v. links) vor dem Einsteigen. Foto: NASA