Datum: 6. Dezember 2011, Nr. 130

Führendes Zentrum für Simulation und Modellbildung

Richtfest für Erweiterungsbau des Höchstleistungsrechenzentrums

Am Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart (HLRS) wurde heute das Richtfest gefeiert für einen Erweiterungsbau, durch den das größte Zentrum dieser Art in Deutschland künftig an einem Ort zusammengefasst werden kann. Die Maßnahme mit einem Investitionsvolumen von 5,46 Millionen Euro schafft Platz für den derzeit schnellsten zivilen Rechner Europas, das neue Rechensystem HERMIT, sowie für eine weltweit einmalige Visualisierungsum-gebung, die es Forschern ermöglicht, unmittelbar mit dem Höchstleistungs-rechner zu interagieren.

„Mit dem Erweiterungsbau sowie dem seit Oktober im Aufbau befindlichen extrem leistungsfähigen Rechnersystem wird die Universität Stuttgart europaweit, wenn nicht gar weltweit das führende Forschungszentrum auf dem Gebiet der Simulation und Modellbildung und bietet ideale Forschungsbedingungen für alle Bereiche, in denen immense Datenmengen verarbeitet werden müssen“, so Uni-Rektor Prof. Wolfram Ressel. „Profitieren werden zum Beispiel der Exzellenzcluster Simulation Technology oder das Zentrum für Systembiologie der Universität Stuttgart, aber auch außeruniversitäre Forschungspartner und unsere Kooperationspartner aus der Industrie“, ergänzt der Prorektor Struktur, Prof. Manfred Berroth. „In diesem Gebäude bündeln wir alle Ressourcen im Höchstleistungsrechnen an der Universität Stuttgart. Mit der Visualisierung als Zentrum des Gebäudes schaffen wir uns ein kräftig schlagendes Herz des Zentrums", so der Direktor des HLRS, Prof. Michael Resch.

Kernstück des zweigeschossigen, vom Universitätsbauamt entworfenen Baukörpers mit einer Nutzfläche von insgesamt 1.330 Quadratmetern ist eine über drei Geschosse verbundene Cave. Die Cave ist ein Raum, dessen fünf Seiten aus Glas und Acrylglas bestehen, wobei die fünfte Seite mobil ist und zum Betreten geöffnet werden kann. Über die simultane Projektion auf den Wänden entsteht im Inneren ein umfassendes, sehr realistisches Raumerlebnis. Vor allem im Bereich der technischen Simulation ist das von besonderer Bedeutung. Benutzer erhalten so eine bessere Darstellung ihrer Arbeiten. Sie können ihre Modelle durchwandern oder von allen Seiten interaktiv betrachten.
Parallel zu den Arbeiten am Erweiterungsbau hat im Oktober die Installation des neuen Rechensystems HERMIT begonnen. Die Komponenten des Rechners, die zusammen mehr als 60 Tonnen auf die Waage bringen, werden durch Experten der Firma CRAY installiert. Das neue System verfügt über eine Spitzenleistung von etwas mehr als einem Petaflop, insgesamt mehr als 3.500 Rechenknoten und 110.000 cores. Damit rangiert HERMIT auf der aktuellen Top500-Liste der weltschnellsten Supercomputer als schnellster Rechner Deutschlands und schnellster ziviler Rechner Europas. In der Gesamtwertung liegt das System auf Platz 12. In einem weiteren Ausbauschritt im Jahr 2013 soll die Leistung um weitere vier bis fünf Petaflop/s anwachsen. Die Besonderheit dieses Systems liegt in seinem speziellen, auf Linux basierten Betriebssystem und der Software-Infrastruktur in einem für hochskalierbare Anwendungen optimiertem Kommunikationsnetz, sowie auch im Betriebsmodell: Die enorme Rechenleistung des Systems wird nicht nur Wissenschaftlern zur Verfügung stehen, sondern auch zur industriellen Nutzung angeboten. Die Kosten für HERMIT belaufen sich auf 22,5 Millionen Euro für die Hardware des ersten Installationsschrittes und Betriebskosten von etwa zwei Millionen Euro pro Jahr. Sie werden durch umfangreiche Investitionen für eine energieeffiziente Infrastruktur ergänzt.

Bautechnisch ist der im Osten an den bestehenden Kubus des HLRS anschließende, auf das Minimum reduzierte Stahlskelettbau eine große Herausforderung. Mit Hilfe von Stahlrahmen hängen die betonierten Deckenscheiben zwischen den filigranen Vollstahlstützen. Ohne zusätzliche Unterkonstruktion ist die umlaufende Glasfassade direkt auf den Stahlstützen befestigt. Das Besondere an dieser Konstruktion ist zugleich die größte Herausforderung an einen präzisen Rohbau. Über die filigrane Konstruktion und die spiegelnden Oberflächen scheinen die Decken fast zu schweben und vermitteln eine hohe Transparenz.
Weitere Informationen bei Prof. Michael Resch, Höchstleistungsrechenzentrum Universität Stuttgart, Tel. 0711/685-87269, e-mail: resch@hlrs.de.