Datum: 15. Juni 2012, Nr. 38

Exzellenzcluster SimTech und Graduiertenschule GSaME erfolgreich

Universität Stuttgart punktet in der zweiten Phase der Exzellenzinitiative

In der zweiten Phase der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder sind die Entscheidungen getroffen. Am Freitag, dem 15. Juni 2012 hat der Bewilligungsausschuss – bestehend aus der Gemeinsamen Kommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des  Wissenschaftsrates sowie den für Wissenschaft und Forschung zuständigen Ministerinnen und Ministern des Bundes und der Länder – in Bonn darüber befunden, welche Hochschulen mit welchen Projekten in den drei Förderlinien Graduiertenschulen, Exzellenzcluster und Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung gefördert werden. Die Universität Stuttgart wird künftig nach den Entscheidungen des Bewilligungsausschusses Fördermittel für den Exzellenzcluster Simulation Technology (SimTech) sowie für die Graduiertenschule “Graduate School of Excellence advanced Manufacturing Engineering (GSaME)” erhalten.

Nach der öffentlichen Bekanntgabe der Ergebnisse durch Prof. Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, sowie durch die Wissenschaftsministerinnen Doris Ahnen (Rheinland-Pfalz) und Prof. Johanna Wanka (Niedersachsen) als Sprecherinnen der Länder kommentierte Rektor Prof. Dr. Wolfram Ressel die Ergebnisse für die Universität Stuttgart:
 „Wir freuen uns sehr über diesen großen Erfolg der exzellenten Forschung an unserer Universität. Wir sind mit diesen bewilligten Mitteln nunmehr in der Lage, das Profil der Forschungsuniversität Stuttgart mit hoher internationaler Reputation weiter zu konturieren und auszubauen. So ist der erneut geförderte Exzellenzcluster Simulation Technology ein Musterbeispiel für die Forschungsdynamik an unserer Universität. Der zentrale Schwerpunkt liegt darin, die Modellierungs- und Simulationstechnik von isolierten Ansätzen aus verschiedenen Disziplinen und Theorien zu einer ganzheitlichen Systemwissenschaft zu verbinden. Wir werden zukunftsweisende Forschungsthemen zur Lösung globaler Fragestellungen wie beispielsweise in der Produktion oder Klimaforschung vordenken und gemeinsam bearbeiten.
Mit der weiteren Förderung der Graduiertenschule GSaME sind wir in der Lage, unserer international beispielloses Erfolgsmodell der Promotionsförderung fortzusetzen und Nachwuchskräfte aus den Ingenieurwissenschaften, der Informatik und der Betriebswirtschaft auf dem Gebiet fortgeschrittener Produktionstechnologien für die Fabrik der Zukunft zu qualifizieren.
Ich bedanke mich bei allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die mit ihren kreativen Leistungen die zukunftsweisende Spitzenforschung in den kommenden Jahren ermöglicht haben. Wir werden nunmehr die Universität Stuttgart als einen dynamischen Forschungsstandort weiterentwickeln und damit einen wichtigen Beitrag bei der Lösung globaler Fragestellungen leisten.“

  

Exzellenzcluster Simulation Technology (SimTech)

Ob in der Produktion, der Medizin, bei Klimavorhersagen oder in vielen anderen Lebensbereichen: Simulation und Modellierung sind für die Lösung komplexer Probleme in den Natur- und Ingenieurwissenschaften wie in den Lebens- und Geisteswissenschaften unentbehrlich geworden. Die Simulationstechnik von isolierten Ansätzen aus verschiedenen Disziplinen und Theorien zu einer ganzheitlichen Systemwissenschaft zu verbinden, ist das Ziel des im Jahr 2007 eingerichteten und nun auf weitere fünf Jahre bewilligten Exzellenzclusters Simulation Technology (SimTech). Eine solche Gesamtsicht geht über Fachgrenzen hinaus und unterstützt alle Aspekte vom Modell bis zum interaktiven System.
SimTech ist es in der ersten Förderperiode gelungen, die unterschiedlichsten an der Universität Stuttgart vorhandenen Kompetenzen auf dem Gebiet der Simulationsforschung erfolgreich zusammenzuführen. So konnte der Forschungsverbund ein hervorragendes, interdisziplinäres Fundament aufbauen, von dem der Cluster in den kommenden Jahren profitieren wird.
Gerade die Arbeit an den von SimTech definierten visionären Anwendungsfeldern soll intensiviert werden. Hierzu zählen etwa das simulationsbasierte Design neuer Werkstoffe mit maßgeschneiderten Hightech-Eigenschaften, die vollständig virtualisierte Entwicklung von Prototypen und die Simulation komplexer und umfassender Methoden in der Umwelttechnik. Außerdem sollen die Forschungsarbeiten in den Bereichen Biomechanik und Systembiologie stärker miteinander verzahnt werden, um der Vision eines ganzheitlichen Menschmodells näher zu kommen.
Schließlich rückt auch das Thema „High Perfomance Computing“ stärker in den Fokus. So soll etwa die Zusammenarbeit mit dem Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart (HLRS) weiter ausgebaut werden. Dabei profitiert der Cluster von dem neuen Rechnersystem „ Hermit“, das Anfang dieses Jahres eingeweiht wurde und in der renommierten TOP500 Liste der weltschnellsten, zivilen Supercomputer derzeit Rang 12 einnimmt.
Neben der Forschung an neuen Strategien in der Simulationstechnik konzentriert sich der Exzellenzcluster auch künftig auf die Förderung junger Wissenschaftler. So soll der erfolgreiche Elitestudiengang „Simulation Technology“ genauso fortgeführt werden wie die Graduiertenschule SimTech, in der derzeit etwa 100 Doktoranden an ihrer Promotion arbeiten. Außerdem plant SimTech, in den kommenden Jahren eine eigene „Junior Academy“ aufzubauen.
 
Sprecher:
Prof. Wolfgang Ehlers, Universität Stuttgart, Institut für Mechanik (Bauwesen), Lehrstuhl II, Tel. 0711/685-66346, e-mail: ehlers(at)mechbau.uni-stuttgart.de,

  

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Ströungssimulation am Beispiel eines Flügels. (SimTech/Universität Stuttgart)

Graduiertenschule „Graduate School of Excellence advanced Manufacturing Engineering” (GSaME)

Ein neuer Typ von Nachwuchswissenschaftlern und Managern für Fabriken der Zukunft, hervorragende Forschungsergebnisse auf dem volkswirtschaftlich bedeutsamen Gebiet fortgeschrittener Produktions­technologien sowie deren Umsetzung in der Industrie sind wichtige Ziele der Graduiertenschule GSaME, die bereits 2007 im Rahmen der Exzellenzinitiative eingerichtet wurde und nun für eine weitere Periode gefördert wird. Alternativ zu bestehenden Promotionswegen wurde mit der Graduiertenschule GSaME ein innovatives, bis dato national und international beispielloses Konzept der Promotionsförderung umgesetzt, um Nachwuchskräfte aus den Ingenieurwissenschaften, der Informatik und der Betriebswirtschaft orientiert an den aktuellen und zukünftigen Anforderungen eines wettbewerbsintensiven, globalen Arbeits- und Marktumfeldes zu qualifizieren und dabei eng mit der Wirtschaft zu kooperieren. Zudem sollte die Promotionszeit verkürzt werden. Die GSaME hat dazu das bewährte duale Prinzip aufgegriffen und für die Promotionsphase spezifisch weiterentwickelt.
Was damals durchaus experimentellen Charakter hatte, ist heute ein Erfolgsmodell. Dies zeigen unter anderem Kooperationen mit mehr als 20 nam-haften Firmen des Maschinenbaus, der Elektrotechnik oder des Automobilsektors sowie mit weiteren Forschungspartnern. Mehr als 60 Promovierende forschen derzeit in der GSaME, etwa 20 Nachwuchswissenschaftler werden ihre Promotion - teilweise mit renommierten Auszeichnungen - bis zum Ende des Jahres abgeschlossen haben und sind in der Wirtschaft bereits jetzt hoch begehrt.
Die künftige Strategie der GSaME ist darauf gerichtet, die Potenziale ihres Kooperationsmodells „duales wissenschaftliches System“ durch ein weiterentwickeltes interdisziplinäres Forschungs- und Ausbildungsprogramm, durch Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität für weibliche und internationale Absolventen und einen internationalen „Rollout“ weiter zu erschließen. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeiten stehen die Technologien und Methoden für die Fabriken der Zukunft. Baden-Württembergs Industrie ist weltweit führend in der Ausrüstung von Fabriken. Die GSaME wird dazu beitragen, diese Position zu erhalten und die Trends zukünftiger Produktionen zu gestalten. Mit innovativen, strukturellen Maßnahmen entsprechend der Trends zu neuen Formen der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft soll eine langfristig und nachhaltig erfolgreiche Entwicklung der GSaME in einem künftigen Public Private Partnership-Modell gesichert werden.
 
Sprecher:
Prof. Alexander Verl, Universität Stuttgart, Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen, Tel. 0711/685-82410,
e-mail: alexander.verl(at)isw.uni-stuttgart.de, www.gsame.uni-stuttgart.de

  

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Papierwabenkerne für Leichtbauteile im Automobilbau. (GSaME/Universität Stuttgart)

 

Die deutschen Universitäten hatten zum 1. September 2011 bei der DFG insgesamt 143 Anträge für den Wettbewerb eingereicht. 84 von ihnen kommen von Projekten, die bereits seit 2006/2007 in der ersten Phase der Exzellenzinitiative gefördert werden; 59 Anträge sind für Projekte eingegangen, die im März 2011 in der Vorrunde der zweiten Phase erfolgreich waren. Bezogen auf die drei Förderlinien entfallen 63 der 143 Anträge auf Graduiertenschulen, 64 auf Exzellenzcluster und 16 auf Zukunftskonzepte zum Ausbau der Spitzenforschung. Die Anträge waren bis Ende Februar 2012 in der Begutachtung, auf deren Grundlage nunmehr im Juni 2012 die Förderentscheidungen mit einem Umfang von mehr als 2,5 Milliarden Euro fielen.

Weitere Information: Dr. Hans-Herwig Geyer, Hochschulkommunikation der Universität Stuttgart, Tel.: 0711/685-82555, e-mail: hans-herwig.geyer@hkom.uni-stuttgart.de