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Datum: 25. September 2018, Nr. 85

Auf der Suche nach einer Kultur des Friedens

100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs

Im Herbst 2018 finden in der Landeshauptstadt Stuttgart zahl­reiche Veranstaltungen statt, die sich mit dem Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren, aber auch den bleibenden Wirkungen dieses epochalen Ereignisses befassen. Auf Initiative des Interna­tionalen Zentrums- für Kultur und Technikforschung (IZKT) der Universität Stuttgart, des Institut français Stuttgart, des Evangeli­schen Bildungswerkes Hospitalhof -  sowie unterstützt durch die Landeshauptstadt - werden diese Aktivitäten gebündelt und gemeinsam präsentiert. Den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt wird so die Möglichkeit eröffnet, das gesamte Spektrum der An­gebote zu überschauen und Verbindungen zwischen den einzelnen Projekten herzustellen.

„Das Ende des Ersten Weltkriegs war nicht das Ende des Grauens, nicht für die Verletzten, Traumatisierten, nicht für die Angehörigen der Gefallenen oder jene, die unter den Folgen des Krieges wie Hunger und Not zu leiden hatten.“, stellt der Schirm­herr des Programms, Oberbürgermeister Fritz Kuhn im Grußwort zur Veranstaltungsbroschüre klar. Dieser lange Schatten des Ersten Weltkriegs ist Thema zahlreicher Veranstaltungen. Das Spektrum reicht von der wissenschaftlichen Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes über eine vergleichende Ausstel­lung, in der die Nachkriegssituation in Stuttgart und Straßburg beleuchtet werden, bis zu Veranstaltungen, die durch Begegnun­gen, Konzerte und Gottesdienste ein auch emotional spürbares Gedenken ermöglichen.

Der deutsch-französische Dialog spielt eine zentrale Rolle, wie die neue Generalkonsulin Frankreichs, Catherine Veber, betont. Stuttgart und Straßburg begegnen sich gewissermaßen, wenn am 21. November 2018 der französische Philosoph Jean-Luc Nancy aus Straßburg und der in Stuttgart residierende Ministerpräsident Kretschmann, in einem Podiumsgespräch die Frage nach einer möglichen Kultur des Friedens aufgreifen. Auch in der Begegnung von Schülern über den Rhein hinweg wird die deutsch-französische Dimension des Themas deutlich. „Versöhnung und Frieden sind theologische Kernbegriffe“, be­tont Pfarrer Schwarz vom Hospitalhof Stuttgart. „Es ist wichtig, dass sich die Kirchen an dieser Arbeit beteiligen. Gerade neu aufkommenden Ressentiments und Fremdenfeind­lichkeit gilt es im Lichte unserer historischen Erfahrung entgegen­zutreten.“

Einen weiteren Schwerpunkt bilden regional- und stadtgeschicht­liche Themen. Das Kriegsende führte auch in Stuttgart zu stürmi­schen Ereignissen. Das Ende des Kaiserreichs öffnete die Tür für hart erkämpfte Demokratisierungsversuche. Eine Ausstellung im Haus der Geschichte widmet sich ab 30. September 2018 den Jahren zwischen 1918 und 1924. Auch die Württembergische Landesbibliothek rückt das Jahr 1918 mit einer Ausstellung in den Fokus, die am 11. Oktober 2018 durch eine hochkarätig besetzte deutsch-französische Podiumsdiskussion eröffnet wird. „Mir lag am Herzen, dass die zahlreichen Aktivitäten in Stuttgart irgendwo zusammenfinden.“, betont Elke Uhl vom IZKT. „Das gemeinsame Programm mit 20 Partnern zeigt, dass Stuttgart eine Stadt ist, in der Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft zuei­nander finden.“

„Ich bin sehr beeindruckt von der Bedeutung, die der Bezug zu Frankreich in den Aktivitäten in Stuttgart einnimmt.“, unter­streicht die neue französische Generalkonsulin Catherine Veber. „Das Thema an sich ist traurig und erschütternd, doch die Tatsa­che, dass wir heute gemeinsam dem Ende des Krieges gedenken und in einer gefestigten Kultur der Kooperation und Freundschaft leben, macht mich optimistisch, vor allem im Hinblick auf die Zu­kunft Europas.“

Das Stuttgarter Programm „1918 – 2018. Auf der Suche nach einer Kultur des Friedens. 100 Jahres nach dem Ende des Ersten Weltkriegs“ ist online abrufbar unter https://www.1918-2018-stuttgart.de. Broschüren liegen u.a. im Rathaus Stuttgart aus.

Impulse zum Nachdenken: Die Veranstaltungsserie 1918 - 2018 (c)
Präsentierten die Vielfalt der Themen: Dr. Nicholas Williams (Kurator der Ausstellung „1918: Zwischen Weltkrieg und Revolution. Neubeginn in Stuttgart und Straßburg“), Eberhard Schwarz (Pfarrer der Hospitalkirche und der Citykirchen), Catherine Veber (Französische Generalkonsulin und Leiterin des Institut français Stuttgart), Dr. Hans-Herwig Geyer (Leiter Hochschulkommunikation der Universität Stuttgart) und Dr. Elke Uhl (Internationales Zentrum für Kultur- und Technikforschung)

Zeitungsanzeige Mohr & Speyer 2918 (c)
Um sich einen Eindruck von der Stimmung einer Zeit zu verschaffen, lohnt sich der Blick in den Anzeigenteil der Zeitungen. Welche Waren wurden feilgeboten? Waren es kurze Zeit zuvor noch Bestattungsinstitute, die ihre Dienste anboten, und hatten Schneider noch Ausgehkleidung für Offiziere angeboten, bestand nun Bedarf an anderer Kleidung. Mohr und Speyer in Straßburg konnte offenbar das Wort Frieden gar nicht oft genug in ihrer Anzeige verwenden. Heute würde man wohl vom „triggern“ sprechen, wenn von „prima Friedensstoffen“ und „Friedensfutter“ gesprochen und damit an eine Sehnsucht appelliert wird. Mit der Anfertigung von „Zivil-Garderobe“ änderte Mohr & Speyer auch zur passenden Zeit ihr Geschäftsmodell: Zuvor hatte die Firma Uniformen, Mützen und Schwerter verkauft.

Zeitungsannoncen spiegeln die Friedenszeit wieder (c)
Zeitungsannoncen spiegeln die Friedenszeit wider. Von links nach rechts: Dr. Nicholas Williams, Catherine Veber, Dr. Hans-Herwig Geyer, Dr. Elke Uhl und Eberhard Schwarz

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Dr.

Hans-Herwig Geyer

Leitung Hoch­schul­kommu­ni­ka­tion und Presse­sprecher