31. Mai 2021

Pisa-Studie: Lesekompetenz in Deutschland

Institut der Universität Stuttgart erstellt Sonderauswertung der PISA-Studie 2018

Ende 2019 wurde die PISA-Studie 2018 veröffentlicht, in der – nach 2000 und 2009 - zum dritten Mal der Schwerpunkt auf der Lesekompetenz lag. Insbesondere wurden auch Aspekte des Lesens im digitalen Zeitalter betrachtet. Jetzt hat  Christine Sälzer, Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität Stuttgart, für die OECD den PISA-Bericht „21st-century readers“ im Hinblick auf die deutschlandspezifischen Daten vertiefend analysiert. Dabei geht es um die Themen Lerngelegenheiten, Lesestrategien, Lesen in einer digitalen Welt, um geschlechtsspezifische und sozioökonomische Unterschiede bei der Lesekompetenz und Empfehlungen für die Bildungspolitik.

Deutlich wird die zentrale Rolle von Lesestrategien als Schlüssel zum Erfolg. Sie sind eine wesentliche Voraussetzung für die Lesekompetenz, also die Fähigkeit Texte zu verstehen, zu behalten, zusammenzufassen oder auch deren Glaubwürdigkeit zu bewerten. Dem gegenüber steht das Ergebnis des Berichts, dass die Lesefreude der Schüler*innen in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen hat. Gutes und sinnentnehmendes Lesen lernt sich nicht automatisch, sagt dazu die Expertin. Die Lesekompetenz muss durch Training kontinuierlich erworben und geübt werden. Gerade das Recherchieren und Vernetzen verschiedener Quellen ist eine moderne Kompetenz, die gezielt erworben werden muss. Lehrkräften kommt in diesem Zusammenhang – in allen Fächern – eine wichtige Rolle zu. Denn auch beispielsweise in der Mathematik geht es darum, in den Aufgaben relevante von nicht relevanten Informationen zu trennen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Studie betrifft die Nutzung digitaler Medien für schulische Zwecke, also im Unterricht und auch bei Hausaufgaben oder der Klausurvorbereitung. Durch den aktuellen pandemiebedingten Digitalisierungsschub im Bildungsbereich erhält die Auswertung damit eine ganz besondere Aktualität. Christine Sälzer warnt: „Die Nutzung digitaler Medien für schulische Zwecke ist kein Selbstläufer. Das wurde in letzter Zeit in Studien mit Bezug zu ganz unterschiedlichen Schulfächern gezeigt“. Sälzer: „Digitale Medien im Unterricht sind dann eine gute Wahl, wenn die Pädagogik und Didaktik, also das Verständnis von Lehren und Lernen dazu passen und diese Medien dann auch auf das Lernziel abgestimmt als Werkzeug eingesetzt werden.“ Würden Schüler*innen mit einem Arbeitsauftrag alleingelassen, bestünde die Gefahr des Verzettelns. So macht die PISA-Studie gar einen negativen Zusammenhang zwischen Lesekompetenz und Nutzungsdauer digitaler Geräte für schulische Zwecke aus.

Die Auswirkungen des intensiven Homeschoolings auf die Lesekompetenz schätzt Christine Sälzer als noch weitgehend unbestimmt ein: Es fehlt in Deutschland an systematischen Datenerhebungen zum Lernstand, aber auch zum Wohlbefinden und zur Motivation der Schüler*innen und ihrer Lehrkräfte. Erste regionale Studien zeichnen ein sehr heterogenes Bild, das Sorgen um abgehängte Kinder und Jugendliche Schulen gegenüberstellt, die in der Pandemie über sich hinausgewachsen sind. Wichtig wäre, aus der Pandemie heraus langfristige Strategien zu verfolgen, um Schritt für Schritt wieder in einen Normalmodus zu kommen und bei der Gelegenheit nochmal kritisch über die Bildungspläne zu gehen.  

PISA (Programme for International Student Assessment)

Die PISA-Studien der OECD werden seit 2000 in dreijährlichem Turnus in den meisten Mitgliedstaaten der OECD und in Partnerstaaten durchgeführt werden. Sie bewertet alltags- und berufsrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten Fünfzehnjähriger. Derzeit laufen noch die Erhebungen für die nächste Studie, deren Ergebnisse Ende 2023 erscheinen werden.

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