2. Januar 2020

Doktoranden der Uni Stuttgart gewinnen renommierten Bell Labs Preis

Mit ihrer Erfindung revolutionieren Forscher die Positionsbestimmung in der Fabrik der Zukunft

Maximilian Arnold, Sebastian Dörner und Sebastian Cammerer sind Doktoranden am Institut für Nachrichtenübertragung (INÜ) der Universität Stuttgart. Gemeinsam mit Institutsleiter Prof. Stephan ten Brink haben sie ein Indoor-Ortungssystem entwickelt, mit dem sich die Positionen von zum Beispiel Arbeitern, Robotern und Maschinen innerhalb einer Fabrik bestimmen lassen. Das Raffinierte daran: Sie verwenden dafür Daten, die in bereits bestehender drahtloser 4G/5G-Mobilfunkinfrastruktur anfallen und werten diese mittels neuronaler Netze aus. Somit benötigen sie keine zusätzliche Hardware, was wiederrum Kosten spart. 

Für diese Erfindung erhält das Forscherteam den dritten Platz des renommierten Bell Labs Preises, welcher mit 25.000 Dollar dotiert ist. „Diese Erfindung hat das Potenzial, ein grundlegender Bestandteil der nächsten industriellen Revolution zu werden“, sagt der Präsident der Nokia Bell Labs, Dr. Marcus Weldon.

„Wir haben im Wettbewerb über drei Runden mit den besten technischen Universitäten weltweit konkurriert, darunter Leuchttürme wie Stanford, MIT und Berkeley --- und es auf den dritten Platz geschafft. Das freut uns sehr und zeigt, was für ein großartiges Innovationspotenzial im wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität Stuttgart steckt“, sagt ten Brink.

Bislang basieren Ortungssysteme auf Satelliten (GPS) und funktionieren deshalb nur außerhalb von Gebäuden. Die Ortung innerhalb von Gebäuden stellt die Fabrik der Zukunft vor eine große Herausforderung, auch aufgrund neuer Anforderungen an Genauigkeit und Robustheit gegenüber Änderungen der physikalischen Gegebenheiten wie beispielsweise die Installation zusätzlicher Maschinen innerhalb einer Fabrik. Das Positioniersystem des Instituts für Nachrichtenübertragung kann dieses Problem lösen, da es sowohl innerhalb als auch außerhalb einer Fabrik eine Position bestimmen kann. Das ermöglicht eine übergreifende Navigation, die zum Beispiel in der automatisieren Landwirtschaft oder etwa auch beim autonomen Fahren eingesetzt werden kann. Zudem haben die Wissenschaftler für das Ortungssystem eine Methode zum modellbasierten Vor-Trainieren entwickelt. So benötigt das System kein langwieriges und teures Einlernen mit realen Messdaten, sondern kann kosteneffizient mit Modell-Daten trainiert und mit vergleichsweise wenigen Messpunkten nach-/justiert werden.

Über den Preis

Der Nokia Bell Labs Preis ist ein Wettbewerb für Erfinderinnen und Erfinder aus der ganzen Welt. Ziel ist es, Forschende auszuzeichnen, die die Welt im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien revolutionieren. Die Jury setzt sich aus renommierten Expertinnen und Experten sowie Branchenführern zusammen. Sie wählte aus den diesjährigen rund 250 Bewerbungen fünf Finalisten aus. Die Finalisten beworben sich um drei Preise. Diese sind dotiert mit 100.000 Dollar, 50.000 Dollar und 25.000 Dollar. Die Bell Labs selbst sind bekannt für so bahnbrechende Erfindungen wie das Telefon, der Transistor, der Laser, Rundfunksatelliten und die Grundlagen der Mobilfunktechnik.

Die Preisverleihung im Dezember in New Jersey, USA. V. li: Dr. Marcus Weldon, Präsident von Bell Labs, Sebastian Cammerer, Sebastian Dörner, Maximilian Arnold (alle drei Doktoranden am INÜ) und Prof. Stephan ten Brink Institutsleiter des INÜ
Die Preisverleihung im Dezember in New Jersey, USA. V. li: Dr. Marcus Weldon, Präsident von Bell Labs, Sebastian Cammerer, Sebastian Dörner, Maximilian Arnold (alle drei Doktoranden am INÜ) und Prof. Stephan ten Brink Institutsleiter des INÜ
Zum Seitenanfang