Teslaspule in der Hochspannungshalle der Universität Stuttgart.

08. Oktober 2021

TU9-ING Woche: Schnupperstudium für internationale Schülerinnen und Schüler

An der Universität Stuttgart und am Karlsruher Institut für Technologie fand eine virtuelle MINT-Probestudienwoche statt. Schülerinnen und Schüler deutscher Auslandschulen aus 26 Ländern lernten die TU9-Universitäten kennen.

Blitze zuckten durch den dunklen Raum, ein Trafo surrte und eine Leuchtstoffröhre strahlte wie ein Laserschwert: Während des Onlineworkshops „Wo kommt der Strom in der Steckdose her und wie viel davon ist erneuerbar?“ zeigte Laura Barreau Schülerinnen und Schülern Experimente mit Strom. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin befand sich in der Hochspannungshalle der Universität Stuttgart. Zwischen goldschimmernden Kupferwänden hatte sie einen Teslatransformator aufgebaut. Er ist nach Nikola Tesla benannt, der damit Energie drahtlos übertragen wollte. Ursprünglich wollte Tesla Schiffe, die an der Küste vorbeifahren, vom Land aus über die Luft mit Energie versorgen. „Der Teslatrafo macht wunderschöne Effekte, aber Energie kann man damit leider nicht großartig übertragen“, erklärte Barreau den Schülerinnen und Schülern. „Trotzdem können wir daraus viel lernen.“

Wie sieht eine nachhaltige elektrische Energieversorgung der Zukunft aus? Die Studierenden Theresa Paulus und Jakob Schroeder sprachen mit den Jugendlichen über Photovoltaik, Wasser- und Windkraft, Biomasse, Erdwärme und Planetenenergie und gaben einen Einblick, was sie dazu in ihrem Studiengang 'Erneuerbare Energien' erforschen. „Es gibt noch viel Forschungsbedarf für junge kluge Köpfe“, sagte Theresa Paulus. Außerdem stellte sie den studentischen Verein 'Crossing Borders' vor. Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen der Universität Stuttgart setzen sich dort für Umweltbewusstsein ein, indem sie zum Beispiel Bildungsprojekte an Schulen durchführen.

Universität Stuttgart geht mit innovativen Studiengängen voran

36 Schülerinnen und Schüler deutscher Auslandsschulen erhielten im Rahmen der TU9-ING-Woche einen Einblick in die MINT-Studienangebote der TU9-Universitäten. „Als Mitglied der TU9 Allianz gehören wir zu den Spitzenreitern im Bereich des wissenschaftlich, technologischen Fortschritts. Mit unseren Innovationen und teilweise hochspezialisierten Studiengängen im Ingenieurwesen gehen wir mit gutem Beispiel und dem Puls der Zeit folgend voran“, sagte Prof. Hansgeorg Binz, Prorektor für Lehre und Weiterbildung an der Universität Stuttgart. „Interdisziplinäre und renommierte Studiengänge, wie Simulation Technologie, Medizintechnik, Erneuerbare Energien oder Umweltwissenschaften zeigen: wer an der Universität Stuttgart studiert, schätzt die Kombination von Spitzenforschung und hervorragender Lehre im Herzen einer der wirtschaftsstärksten Regionen Europas.“

Das Motto der Probestudienwoche war: „Mit MINT die Zukunft gestalten – DEIN Studium für eine nachhaltigere Welt“. Beide TU9-Universitäten gestalteten ein abwechslungsreiches virtuelles Programm mit Workshops und Vorlesungen unter anderem zu Themen wie Klimawandel oder Robotik, Campus- und Stadtführungen, Studienberatungen und Einführungen in unterschiedliche Fachbereiche. Virtuell haben die Teilnehmenden den Forschungscampus ARENA2036 besucht, wo Mobilitäts- und Produktionskonzepte der Zukunft vorgestellt wurden. Auch ein ortsansässiges Unternehmen wurde virtuell besichtigt: INERATEC, eine Ausgründung des KIT, die CO2 recycelt, um Alternativen zu fossilen Kraftstoffen und Chemikalien herzustellen. Von Seiten der Universität Stuttgart hat das Dezernat Internationales die TU9-ING-Woche organisiert. Neben 'Crossing Borders' haben auch das MINT-Kolleg und das Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS) [en] spannende Workshops vorbereitet und den Jugendlichen zum Beispiel gezeigt, wie man eine Simulation durchführt.

Zum Kuckuck mit dem Klimawandel

Wie betrifft uns der Klimawandel? Hans Schipper und Joachim Fallmann, die im Süddeutschen Klimabüro am KIT arbeiten, zeigten den Schülerinnen und Schülern, dass der Zustand der Umwelt von vielen Gleichgewichten abhängt. Ein Beispiel ist der Kuckuck. „Der Kuckuck ist ein Zugvogel, der mit Singvögeln im Winter Richtung Süden zieht und im Sommer wieder zurückkommt“, sagte Schipper. Während viele Singvögel sich bei ihrer Reise nach der Temperatur und dem Futterangebot richten, orientiert sich der Kuckuck am Licht. So kommt er normalerweise gleichzeitig mit den Singvögeln in Mittel- und Nordeuropa an und kann sein Ei in die Nester der Singvögel legen. „Durch den Klimawandel wird es im Frühjahr früher warm“, erklärte der Wissenschaftler. „Das heißt, die Singvögel kommen ein bis drei Wochen früher zurück, weil sie mit der Wärme ziehen. Da sich das Licht aber nicht ändert, kommt der Kuckuck erst bei uns an, wenn die Singvögel bereits Junge haben. Er hat keine Möglichkeit mehr, sein Ei abzulegen und wird in unseren Breiten aussterben oder weiter in den Norden ziehen.“

Haze in Singapur und Hurrikans in Mexiko

Ein Temperaturanstieg beeinflusst nicht nur die Lebensgrundlage von Vögeln, sondern begünstigt Extremwetterereignisse. Schipper und Fallmann erörterten gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern, wie Menschen Extremereignisse, wie die Hitzewelle 2003 oder Hurrikan Katrina, wahrnehmen. Die Jugendlichen berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen: „In Indonesien werden regelmäßig Regenwälder abgebrannt und wegen atmosphärischer Zirkulation zieht der Rauch in andere Länder“, erzählte Kristina aus Singapur. „Bei uns entsteht dadurch unangenehm riechender Nebel, der gesundheitsschädlich ist. Deshalb mussten wir manchmal zuhause bleiben und schon vor der Corona-Pandemie Masken tragen.“ Extremes Wetter ist zwar oft schlimm, aber es kann auch nötig sein. Adriano aus Mexico City erzählte, dass die Menschen in Mexiko Hurrikans für die Agrarwirtschaft brauchen. „Mexico City und andere Städte liegen im Hochland. Ohne Hurrikans wären diese Gebiete Wüsten, wie zum Beispiel in Peru“, sagte der Schüler. Die Jugendlichen diskutierten mit Schipper und Fallmann, wie man Extremereignisse nach Kriterien wie Mortalität, wirtschaftliche Schäden oder Anpassungsfähigkeit der Bevölkerung bewerten kann. „Wichtig ist, dass wir immer voneinander lernen“, sagte Fallmann.

Screenshot des Onlinemeetings mit den Schülerinnen und Schülern.
Beim Sportangebot des Hochschulsports sind die Schülerinnen und Schüler begeistert dabei.

TU9, die Allianz führender Technischer Universitäten in Deutschland, veranstaltete bereits zum elften Mal die „TU9-ING-Woche“ für Schülerinnen und Schüler Deutscher Auslandschulen weltweit, die sich für ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium in Deutschland interessieren. Seit 2019 findet die Probestudienwoche jährlich an zwei TU9-Universitäten parallel statt. Bewerben können sich Schülerinnen und Schüler der 11. und 12. Jahrgangsstufe. Voraussetzung sind unter anderem sehr gute Noten in den MINT-Fächern, in Deutsch – und natürlich ein besonderes Interesse an den Technik- und Ingenieurwissenschaften. Die TU9-ING-Woche wird im Rahmen des BIDS-Programms des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) aus Mitteln des Auswärtigen Amtes teilfinanziert.

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