Internationale Benchmarkstudie zu Biointelligenz erschienen

13. Mai 2024

Das Thema biointelligente Wertschöpfung bestimmt die Forschung weltweit. Die neue Benchmarkstudie InBenBio, an der die Universität Stuttgart beteiligt war, zeigt: Weltweit liegt Deutschland mit Blick auf die biointelligente Wertschöpfung auf Platz zwei und hat das Potenzial hier eine Schlüsselrolle einzunehmen.
[Bild: Vesela Stanoeva]

Wer dominiert die Zukunft der biointelligenten Wertschöpfung? Wo stehen hier die deutsche Wissenschaft und Wirtschaft? Und haben wir eine Chance, Leitmarkt und Leitanbieter zu werden und zu bleiben? Diesen Fragen geht die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte und vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) koordinierte Untersuchung InBenBio nach. Mit Blick auf die biointelligente Wertschöpfung liegen im weltweiten Vergleich die USA auf Platz eins des Benchmarkings, dicht gefolgt von Deutschland, Schweden, Finnland und Großbritannien. Die Studie belegt zudem: Deutschland hat Potenzial für mehr und kann in Zukunft eine weltweite Schlüsselrolle einnehmen.

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Die Internationale Benchmark Biointelligenz gibt Einblick in den globalen Stand und die Perspektiven einer nachhaltigen industriellen Wertschöpfung.

Die Zeit drängt

Die Benchmarkstudie identifiziert die aktuellen globalen Entwicklungen, zieht Vergleiche zwischen den Rahmenbedingungen und Potenzialen in Deutschland und anderen Leitländern weltweit und gibt Handlungsimpulse für Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Ihre Ergebnisse liefern wertvolle Informationen für die strategische Ausrichtung der deutschen Forschung, Politik und Wirtschaft im Bereich Biointelligenz. „Diese Untersuchung ist deshalb enorm wichtig, weil die Zeit drängt und wir wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen brauchen, um die Thematik zusammen mit der Industrie zeitnah umzusetzen,“ sagt Prof. Dr. Ralf Takors vom Institut für Bioverfahrenstechnik (IBVT) der Universität Stuttgart, die bei InBenBio für die Technologierecherche und Auswertung zuständig war.

Querschnittsthema Biointelligenz

Biointelligente Wertschöpfungssysteme sind das Ergebnis aus komplexen Verflechtungen und Austauschbeziehungen zwischen unterschiedlichen Akteuren aus Wissenschaft, Industrie, Politik und Gesellschaft. Technologische Entwicklungen an den Schnittstellen zwischen Natur, Technik und Informatik, institutionelle sowie infrastrukturelle Veränderungen beeinflussen sich gegenseitig in einem koevolutionären Prozess. Weil Biointelligenz ein Querschnittsthema ist, ist davon auszugehen, dass sowohl neue Industrien entstehen werden als auch bestehende Industrien über die Entwicklungsdynamiken neue Impulse erhalten. Gleichzeitig können einzelne heute noch existierende Industrien in Zukunft durch die Biointelligenz in ihrem Bestand gefährdet werden.

Länderspezifisches Benchmarking

Ein länderspezifisches Benchmarking aller Aktivitäten ermittelt die aktuelle Position von elf Leitländern der biointelligenten Wertschöpfung. Daraus resultiert auch eine umfangreiche Analyse der internationalen Forschungs- und Industrielandschaft. Die Untersuchung stellt 17 wesentliche Technologiefelder vor, die Biointelligenz ermöglichen, und bewertet sie nach dem aktuellen Umsetzungsstand in der Industrie. Ebenfalls ermittelt wurden das Marktvolumen und das Marktwachstum dominierender biointelligenter Technologien, Produkte und Dienstleistungen für die Jahre 2030 und 2040.

Schneller Transfer nötig

„Wir müssen nun schauen, dass in den für den Wirtschaftsstandort Deutschland relevanten Handlungsfeldern rasch Maßnahmen für einen schnellen Transfer der vorhandenen exzellenten Forschungsarbeiten in die industrielle Anwendung ergriffen werden“, sagt Robert Miehe, Biointelligenz-Experte am Fraunhofer IPA. Neben der strategischen Weichenstellung in Unternehmen und der effektiven Gestaltung von Innovationsökosystemen für Gründungswillige, seien hierfür vor allem die technologischen Entwicklungspfade entscheidend. Zu den vielversprechendsten zählen aus seiner Sicht unter anderem die automatisierte Herstellung industrie-relevanter Organismen und biobasierter Produkte mit Hilfe von Hochdurchsatztechnologien sowie die Nutzbarmachung von Abfällen und Emissionen als Rohstoffe in der Produktion.

Zur Studie

Die Internationale Benchmark-Analyse zur Biointelligenz (InBenBio) ist eine großangelegte internationale Benchmarkuntersuchung, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Unter Federführung des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) beteiligen sich die Universitäten Hohenheim und Stuttgart (Institut für Bioverfahrenstechnik, IBVT) sowie die VDMA Services GmbH daran. InBenBio basiert auf zahlreichen qualitativen Interviews, Gesprächen und Workshops, die zahlreiche Interessengruppen berücksichtigen und spezielles Fachwissen integrieren. Ein Expertenbeirat wurde kontinuierlich eingebunden.

Die Studie ist hier kostenlos downloadbar.

Fachlicher Kontakt

Prof. Dr. Ralf Takors, Universität Stuttgart, Institut für Bioverfahrenstechnik (IBVT), Tel.: +49 711 685-64535, E-Mail: takors@ibvt.uni-stuttgart.de

Maximilian Schutzbach, Fraunhofer­-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung: Tel.: +49 711 970­1066, E-Mail: maximilian.schutzbach@ipa.fraunhofer.de

Dr. Robert Miehe, Fraunhofer-­Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, Tel.: +49 711 970­1424, E-Mail: robert.miehe@ipa.fraunhofer.de

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Sabine Sämisch

 

[Foto: SimTech/Max Kovalenko]

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Lena Jauernig

 

Redakteurin Wissenschaftskommunikation / Wissenschaftlicher Nachwuchs

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