Klaus Hentschel:
Zum Zusammenspiel von Instrument, Experiment und Theorie: Rotverschiebung im Sonnenspektrum und verwandte spektrale Verschiebungseffekte von 1880 bis 1960.
(Habilitationsschrift 1995)
Hamburg: Verlag Dr. Kovac, 1998. ISBN 3-86064-730-X. Preis: 295DM.
1030 S., 170 Abb., c.6000 Einträge im Literaturverzeichnis


Sind Experimente theorienbeladen? In welchem Sinn haben sie ein Eigenleben? Welche Bedeutung hat die Entwicklung und Verbesserung neuer Instrumente? Wie bilden sich Experimentalsysteme und -kulturen heraus und welche Faktoren bestimmen ihre weitere Entwicklung? Dies sind einige der systematischen Leitfragen, denen der Autor in dieser Studie anhand des Beispiels der facettenreichen Geschichte der sogenannten Rotverschiebung im Sonnenspektrum nachgeht. Obwohl dieser scheinbar geringfügige Effekt bereits um 1890 während der praezisen Messung der Lage von Spektrallinien im Spektrum der Sonne im Vergleich mit den Spektren irdischer Lichtquellen von Mitarbeitern Henry A. Rowlands in Baltimore gefunden wurde, dauerte es 7 Jahrzehnte, bis die Erkenntnisse ueber die Vorgänge in der Sonnenatmosphäre und die sonstigen Einflussfaktoren eine einigermassen befriedigende Uebereinstimmung der theoretischen Modelle mit gemessenen Daten ermoeglichten. Aufgrund des hier ungewoehnlich lange anhaltenden Wechselspiels der Entwicklung und Verbesserung von Instrumenten, damit angestellten Experimenten und daraus abgeleiteten Hypothesen, Modellen und Theorien, eignet sich dieser Fall hervorragend zu einer zeitlupenartigen Untersuchung der Wissenschaftsdynamik, die u.a. zu einer um 1960 rapide zunehmenden Vernetzung von insgesamt etwa 20 Forschungssträngen führte. Etliche dieser Forschungsbereiche, z.B. die frühen Arbeiten zum Mössbauereffekt oder die Entwicklung der Beugungsgitterherstellung, die Entdeckung des solaren Mitte-Randeffektes oder die interferometrischen Untersuchungen zur Definition des Meters als Vielfachem von Lichtwellenlängen werden hier zum ersten Mal in ausführlicher Form wissenschaftshistorisch behandelt. Für die historische und wissenschaftstheoretische Analyse der Dynamik von Experimentalsystemen entwickelte der Autor neue z.T. diagrammatische Methoden. Die Arbeit basiert auf etwa 6000 einschlägigen Publikationen, auf bislang unveröffentlichten Materialien aus 26 Archiven und Informationen beteiligter Zeitzeugen.


Interessentenkreis/Zielgruppe: Wissenschaftshistoriker und -theoretiker; Astrophysiker, Spektroskopiker, Gravitationsphysiker und Metrologen mit einem Interesse an der Geschichte ihrer Disziplin; alle an der Wissenschaftspraxis Interessierten.


Aus dem Inhalt:


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