2.2 Arbeitsweise
3.2 Aufnahmen von menschlichen Fingern
3.3 Diverse andere Objekte
A2 Verwendetes Fotomaterial
A3 Unterstützung des Projektes
Kirlianfotografie ist die Bezeichnung für - in der technischen Ausführung verschiedenste - Aufnahmeverfahren, bei denen mittels eines elektrischen Hochfrequenzfeldes hoher Spannung Leuchterscheinungen an Objekten erzeugt und aufgezeichnet werden.
Benannt sind diese Verfahren nach Walentina K. und Semjon D. Kirlian, die an der Kirow-Staatsuniversität von Kasachstan (Alma-Ata, UdSSR) besonders in den 50er Jahren intensiv an derartigen Verfahren arbeiteten [6a].
Im physikalischen Sinne sind diese Leuchterscheinungen (Glimm- oder Korona-) Entladungen bei typischen Werten von einigen kV für die Spannung und im Bereich mA für den Strom. Als solche sind Kirlianeffekte bereits im 19. Jahrhundert - unter anderen Namen und unterschiedlichen Aspekten - beobachtet worden (vgl. zur Physik der Entladungen etwa [9]).
Speziell in den 60er und 70er Jahren erregte die Kirlianfotografie großes Aufsehen, das zum einen auf der Schönheit der Bilder - etwa der Farbaufnahmen von Pflanzen -, zum anderen auf der Frage nach der Deutung der zu beobachtenden Strukturen beruht. Als besonders spektakulär wurde der unseres Wissens nie abschließend geklärte "Phantomblatteffekt" empfunden, bei dem ein Laubblatt trotz abgeschnittener Spitze im Bild vollständig erscheint [6g,6h].
Die Kirlianbilder lebendiger Objekte hängen äußerst sensibel sowohl vom Zustand dieses Objektes, insbesondere auch von dessen psychisch-seelischem Zustand im weitesten Sinne, wie auch von der Gesamtheit der Aufnahmebedingungen ab. Insofern stießen rein physikalische Erklärungsversuche hier an ihre Grenzen.
Kirlianfotografie wurde und wird aus einer Vielzahl anderer Sichtweisen heraus beschrieben und gedeutet. Eine mögliche Erklärung liefert die von Wilhelm Reich ausgehende Theorie der Bio- oder auch Orgonenergie, zu deren Bild der "Aura" eines bioenergetischen Systems eine direkte visuelle Verwandtschaft besteht.
Vorwiegend aus Asien stammende Sichtweisen des Lebendigen, deren Praxis wir etwa als Akupunktur, Akupressur oder Shiatsu kennen, sprechen von Meridianen und Kraftzentren (Shakren), die mit den Effekten der Kirlianfotografie verbunden werden können [6e,6f].
Weiterhin können verschiedenste Feldkonzepte zur Erklärung der Kirlianphänomene dienen [6d].
So vielfältig wie die Deutungsweisen sind die potentiellen und bereits realisierten Anwendungen: Kirlianfotografie wurde zur Untersuchung von PSI-Erscheinungen [6c] wie zur Lokalisierung von Mineralien [6] verwendet, wird als heilpraktische Methode eingesetzt [3,7], könnte unter anderem zur Materialprüfung sowie in der Landwirtschaft genutzt werden und hat nicht zuletzt ästhetischen Reiz.
Die Projektwerkstatt "Wechselwirkungen zwischen Physik und Gesellschaft" am Fachbereich Physik der TU Berlin arbeitete im WS 89/90 und SS 90 zum Thema Kirlianfotografie.
Die Gruppe bestand neben PhysikerInnen aus VertreterInnen verschiedenster Fachbereiche, so z.B. der Elektrotechnik, Verfahrenstechnik, Psychologie, Medizin, Philosophie, Maschinenbau, Erziehungswissenschaften und der Lebensmittelchemie.
Nach einer Phase theoretischen Einarbeitens wurde ein Kirlianapparat gebaut, mit dem wir sowohl in Schwarz/Weiß wie in Farbe Aufnahmen machten. Wir arbeiteten vorwiegend mit Pflanzenblättern und menschlichen Fingern als Objekten, an denen wir zunächst Reproduzierbarkeit, Frequenzabhängigkeit, den Einfluß der Belichtungszeit sowie anderer Parameter untersuchten.
Bei den Pflanzenaufnahmen erwies sich die mangelnde Reproduzierbarkeit als größtes Problem. Gleichwohl konnten die spezifischen Strukturen verschiedener Pflanzenarten sowie die Frequenzabhängigkeit beobachtet werden. Ein Nachweis des Phantomblatteffektes gelang uns nicht; auch ein Test auf eventuellen Einfluß von Musik blieb ergebnislos.
Bei den Fingeraufnahmen hingegen war die Reproduzierbarkeit wesentlich besser, so daß gezielte Untersuchungen des Einflusses von Winkel und Andruck des Fingers, von Belichtungszeit und Taktfrequenz durchgeführt werden konnten. So ließen sich - jeweils für eine Person typische - Bildstrukturen auch über Monate hinweg identifizieren und gezielt beeinflussen, etwa durch Manipulation der Hautfeuchtigkeit, Waschen mit verschiedenen Reinigungsmitteln, Streßsituationen, Nikotineinfluß und (mit Einschränkung) durch Konzentrations- und Meditationsübungen. Wir stellten signifikante Unterschiede zwischen den Bildern der Finger linker und rechter Hand eines Menschen fest.
Eine durchgängige Systematik dieser Änderungen für alle Versuchspersonen ließ sich jedoch nur für bestimmte Manipulationen erkennen.
Farbaufnahmen machten wir von Fingern und Metallgegenständen. Die dabei zusätzlich zur direkt sichtbaren Farbe des Entladungsleuchtens (Blau) im Bild auftretenden Rot-Anteile konnten dabei sämtlich auf Rückseitenbelichtungs- und Fotoschichteffekte zurückgeführt werden, so daß wir der Farbe keinen zusätzlichen Informationsgehalt zuerkennen konnten.
Der Kirlianapparat ist aufgebaut nach einem 1977 in der Zeitschrift
Elektor veröffentlichten Schaltplan (s. Abbildung) [4]. Die
Hochspannung
wird durch eine konventionelle Auto-Zündspule erzeugt, welche
primärseitig
von einer Transistorzündanlage gesteuert wird. Diese
Zündanlage
wird von einem Pulsgeber geschaltet, dessen Frequenz durch den
Widerstand
R4 und das Potentiometer P1 sowie die Kondensatoren C1 und C2 bestimmt
wird.
Über einen Operationsverstärker IC1 und den Treibertransistor T1 wird der Schalttransistor T2 gesteuert. Seine Kollektor-Emittter-Strecke ersetzt den Unterbrecherkontakt der Zündanlage.
Diese Schaltung wird über ein Netzteil mit einer geglätteten Gleichspannung von 12 V versorgt.

Schaltplan: Zündanlage (aus: [4])

Schaltplan: Pulsgeber (aus: [4])

Schaltplan: Netzteil (aus: [4])
Die zwei Platinen dieser Schaltung befinden sich zusanmmen mit dem
Netztransformator und der Zündspule in einem Gehäuse aus
Plexiglas
(400 x 300 x 150 mm). An dessen Deckplatte ist von innen eine
Aluminiumplatte
(300 x 200 x 2 mm) angeklebt, an welche die Sekundärseite der
Zündspule
angeschlossen ist. Die Deckplatte, die bei den Aufnahmen das Objekt von
der Aluminiumplatte, d.h. der Hochspannungselektrode trennt, hat eine
Dicke
von 3 mm.
Bedienungselemente auf der Frontplatte des Apparates sind der Netzschalter, der Schalter S1 zur Bereichswahl und das Potentiometer P1 zur Feineinstellung der Taktfrequenz des Taktgebers. Über zwei Buchsen sind die geräteinterne Masse und die Spannung UB der Zündanlage, welche primärseitig an der Zündspule anliegt, zugänglich.
Der auf diese Weise aufgebaute Kirlianapparat erzeugt Hochspannungspulse mit einer Spitzenspannung von etwa 20 kV.
Die zeitliche Folge der einzelnen Pulse ist durch die zwischen 16 und 165 Hz im unteren Bereich und 92 und 875 Hz im oberen Bereich
kontinuierlich einstellbare Taktfrequenz gegeben. Ein einzelner Puls besteht wiederum (je nach Taktfrequenz) aus etwa 3 -16 Schwingungen mit der Frequenz 10 kHz, d.h die Pulslänge liegt zwischen 0.3 und 1.6 ms.

Wechselspannungspulse des Kirlian-Apparates
Zur Erklärung der Arbeitsweise eine vorangestellte Anmerkung:
Im Frequenzbereich unserer Wechselspannung (10 kHz) ist für einen
elektrischen "Kontakt" kein direkter Berührungkontakt nötig -
die elektrische Leistung wird durch kapazitive Kopplung
übertragen.
Dies geschieht z.B. zwischen Elektrode und Objekt durch die
Plexiglasplatte
hindurch.
Legt man ein geeignetes Objekt auf die Deckplatte des Apparates, d.h. über die Hochspannungselektrode, so ist mit bloßem Auge ein schwaches bläuliches Glimmen zu beobachten. Die Stärke dieses Entladungsleuchtens hängt zunächst entscheidend davon ab, auf welchem Potential sich das Objekt relativ zur Elektrode befindet und wieviel Strom über das Objekt abfließen kann.
Ein völlig freiliegender Gegenstand - etwa eine Münze - befindet sich auf undefiniertem und evtl. auch zeitlich veränderlichem Potential relativ zur Elektrode. Gleiches gilt für einen Menschen, der seinen Finger auf das Gerät legt; geerdet ist dieser etwa über seine Nähe zu leitenden Gegenständen wie Heizungsrohren, Metalltischen etc.
Um ein definiertes, reproduzierbares Potential des Objektes zu schaffen, verbanden wir es bei den Aufnahmereihen über einen direkten Kontakt mit der geräteinternen Masse. Dies geschah etwa bei Pflanzen und Metallobjekten über Krokodilklemmen, bei Aufnahmen von menschlichen Fingern über einen Kontaktzylinder, den die "Objektperson" in der jeweils anderen Hand fest umschlossen hält. Um die Stromstärke zu begrenzen, arbeiteten wir meist mit einem Ohm'schen Widerstand von 27 MegaOhm zwischen Kontaktzylinder und Gerätemasse. Ohne diesen Widerstand erreichte die Stromstärke bei günstiger kapazitiver Kopplung (z.B. an eine Metallplatte als Objekt) einige Zehntel Milliampere. An der eigenen Hand empfindet man dies als deutlich unangenehm bis schmerzhaft.

Standardkonfiguration für die Aufnahme von Kirlianbildern
Bei den Aufnahmen legten wir das Fotomaterial (S/W-Fotopapier oder Farbdiafilm) im allgemeinen direkt unter das Objekt auf die Deckplatte des Gerätes. Zahlreiche Abwandlungen dieser Konfiguration - etwa Glasplättchen oder Folien zwischen Finger und Fotoschicht - waren Teil der Aufnahmereihen.
- Reproduzierbarkeit
Die Reproduzierbarkeit bei Pflanzenaufnahmen leidet meist unter
der Schwierigkeit, bei aufeinanderfolgenden Aufnahmen die Auflage des
Blattes
(und die Kontaktierung) zu reproduzieren. Will man den Einfluß
zeitlicher
Entwicklungen oder äußerer Eingriffe - etwa Absterbeprozesse
oder Musikeinfluß - untersuchen, so ist es oft unvermeidlich, die
Aufnahmebedingungen zu verändern (Austauschen des Fotopapiers!).
Zudem
stellt die Aufnahmeprozedur selbst unter Umständen einen massiven
Eingriff dar - der in unserem Fall bei den ersten Versuchen (mit
ungünstiger
Kontaktierung und hohen Stromstärken) zum sofortigen Absterben
einer
Farnpflanze führte...

Reproduzierbarkeit: Aufeinanderfolgende Aufnahmen von Philodendron spec.; unveränderte Parameter, aber erneutes Auflegen des Blattes
- Blätter verschiedener Spezies
Die Blätter der verschiedenen untersuchten Pflanzenarten zeigen deutliche art-typische Strukturen (etwa verschiedenartige Punktmuster), die über eine Abbildung der äußeren Form und der Blattadern hinausgehen und im Rahmen der oben gemachten Einschränkungen voll reproduzierbar sind.

Pflanzenarten: v.l.n.r. Philodendron spec., Peperomia spec., Ficus benjaminii; identische Parameter (t = 0.5 s, v = 86 Hz)
- Frequenzabhängigkeit
Bei allen untersuchten Pflanzenarten fand sich eine deutliche Abhängigkeit des Bildes von der Taktfrequenz der anliegenden Hochspannung. Im allgemeinen zeigen sich schwache, filigrane Strukturen bei kleinen Frequenzen (ca. 20 Hz), stärkere und gröbere bei mittleren Frequenzen (ca. 100 Hz) und ein Verschwinden jeder Innenstruktur bei einigen 100 Hz. Zu beachten ist, daß bei constant gehaltener Belichtungszeit höhere Frequenzen automatisch eine größere Zahl von Pulsen das Bild formen lassen.

Frequenzabhängigkeit: Peperomia spec. bei 19 / 86 / 132 / 454 Hz Taktfrequenz; sonst identische Parameter (t = 0.5 s)
- Phantomblatteffekt
In einigen Aufnahmen versuchten wir, einen Hinweis auf den sogenannten Phantomblatteffekt, den einige Autoren als eine mögliche Manifestation paranormaler Phänomene deuten [6g], zu finden - jedoch ohne Erfolg. Sollte die Beobachtung dieses Effekts von dem lebensenergetischen Zustand einer Pflanze abhängen, so boten die lange Zeit in Institutsräumen unter Neonlicht und Klimaanlagenluft gehaltenen und oft durch Hochspannung belästigten Pflanzen allerdings auch denkbar schlechte Voraussetzungen ....

Phantomblatteffekt: Zwei Aufnahmen an Philodendron spec.
(t = 0.5 s, v = 132 Hz) - an den Ecken der Schnittkante stärkere Entladungsbüschel (Pfeil)!
Eine mögliche Ursache für die Vermutung, Phantomeffekte
zu beobachten, zeigt die Abbildung: An Spitzen verstärkt austretende Entladungsbüschel scheinen eine Blattspitze zu formen.
Allerdings sind die z.B. in [6h] wiedergegebenen Bilder nicht auf diese Weise zu erklären.
- Pflanzen & Musik
Unter den geschilderten Schwierigkeiten bei der Reproduzierbarkeit ist es wenig erfolgversprechend, einen vermuteten Einfluß von Musik oder anderen Außenreizen feststellen zu wollen - zumal die Erzeugung der Musik durch einen in der Nähe der Pflanze befindlichen Radiorecorder auch ganz andere, unmusikalische Außenreize bewirken kann (schwache Störfelder etc.) ...

Musikeinfluß? : Philodendron spec., Peperomia spec., Ficus benjaminii nach a. 90 min. Ali Akhbar Khan (indische Klassik)
b. 5 min. Ruhepause
c. 10 min. Dinosaur Jr. (Rockmusik USA)
d. 60 min. Dinosaur Jr.
-- Zusammenfassung der Ergebnisse:
Bei Pflanzenaufnahmen ist der Frage der Reproduzierbarkeit und der
Aufnahmebedingungen allgemein (und ihrer Auswirkung auf die Pflanzen!)
erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Trotz der diesbezüglichen
Schwierigkeiten konnten deutliche arttypische Strukturen und
Frequenzeinflüsse
beobachtet werden. Untersuchungen zum Phantomblatteffekt und zum
Einfluß
von Musik blieben ohne aussagekräftige Ergebnisse.
- Reproduzierbarkeit
Bei constant gehaltenen Parametern und etwas Übung beim Aufsetzen lassen sich Aufnahmen des menschlichen Fingers recht gut reproduzieren - der Einfluß von Andruck, Aufsetzwinkel etc. ist in gewissen Grenzen zu vernachlässigen. Wesentlich stärker sind personengebundene Strukturen und gezielte Eingriffe in den Aufnahmen zu beobachten.

Reproduzierbarkeit: 8 Aufnahmen bei gleichen Parametern und möglichst identischem Aufsetzen des Fingers (t = 0.5 s, v = 92 Hz)
- Andruck, Winkel & Belichtungszeit
Der Andruck beim Aufsetzen des Fingers beeinflußt - abgesehen von einer Änderung der Auflagefläche - die Bildstrukturen nicht wesentlich.
Während bei extrem steilen oder flachen Aufsetzwinkeln zusätzliche Effekte an Fingernägeln oder der gesamten Fingerlänge das Bild dominieren, ist in einem mittleren Winkelbereich (um 45o - 60o) der Einfluß zu vernachlässigen.
Kleine Belichtungszeiten bringen - neben der selbstverständlich geringeren Belichtung - feinere Strukturen im Bild, die bei längerer Belichtungszeit vermutlich verdeckt werden. Ein weiterer Effekt ist nicht eindeutig zu belegen, obgleich in Aufnahmen einiger weniger Pulse (2 - 3) Unterstrukturen zu bemerken sind, die nicht ausschließlich durch ihr Untergehen in der Statistik vieler Pulse bei längerer Belichtung zu verschwinden scheinen.
Eine Änderung des zwischengeschalteten Widerstandes und des Taktgebers des Apparates könnte eine gezielte Untersuchung extrem kurzer Entladungen erlauben.

Andruck: Aufnahmeserie mit zunehmendem Fingerandruck und sonst unveränderten Parametern (t = 0.5 s, v = 92 Hz)

Winkel: Aufnahmenserie mit verschiedenen Aufsetzwinkeln und sonst unveränderten Parameterrn (t = 0.5 s, v = 92 Hz); in einem mittleren Bereich (um 45o) hängt das Bild nicht empfindlich vom Winkel ab

Belichtungszeit: t = 1 / 2 / 4 / 8 s bei v = 16 Hz
- Frequenzabhängigkeit
Die Fingeraufnahmen zeigen eine den Pflanzenaufnahmen vergleichbare Taktfrequenzabhängigkeit (von schwachen, filigranen über stärkere, gröbere bis zu verschwindenden Strukturen bei steigender Frequenz). Jedoch tritt diese nicht immer und bei jeder Person gleichermaßen deutlich auf. Für die Testreihen wurde daher zunächst stets bei einer festen Frequenz, die zu deutlichen Strukturen und sinnvollen Belichtungszeiten führt, gearbeitet
(v = 92 Hz; t = 0.5 s).

Frequenzabhängigkeit: v.l.n.r. steigende Taktfrequenz
oben 16 / 39 / 161, unten 96 / 208 / 875 Hz; t = 0.5 s
- Personenstruktur
Die jeweils für eine Person typischen Bildstrukturen sind über Monate relativ stabil, wenngleich natürlich durch Änderung der Parameter zu beeinflussen und bei extremen Eingriffen (etwa Anfeuchten der Fingerspitze oder Aufnahme durch Latexhandschuh hindurch) auch völlig zu zerstören. Bei constanten Aufnahmebedingungen jedoch zeigen sich Charakteristika (etwa: "Lücke" im linken, unteren Bereich; deutlicher "Doppelring", ungestörter "Strahlenkranz"), anhand derer nach einiger Übung mühelos aus den Bildern die zugehörigen Personen identifiziert werden können. Wurden signifikante Abweichungen festgestellt, so ließen diese sich meist auf deutlich atypische Aufnahmebedingungen zurückführen (etwa: Krankheit, Streß, stark verschmutzte Finger).

Personenstruktur: 3 verschiedene Testpersonen; zeitlicher Abstand zwischen den Aufnahmen: mehrere Monate
- Hautfeuchtigkeit, Verunreingung der Haut, Anstrengung, Nikotin
Die Bildstrukturen der Fingeraufnahmen sind massiv zu beeinflussen durch eine Manipulation der Hautfeuchtigkeit und der Haut"chemie", z.B. durch Waschen mit verschiedenen Reinigungsmitteln oder körperliche Anstrengung und dadurch vermehrten Handschweiß.
Bei den Testreihen an insgesamt 8 Personen war jedoch keine klare Systematik der Veränderungen (insbesondere etwa: Existenz oder Nichtexistenz von "Doppelring"strukturen) zu erkennen.
- Isolatoren
Unter Isolatoren verstehen wir alle - möglichst transparenten -Materialien, die wir zwischen Finger und Fotoschicht bringen, um den Einfluß des (in)direkten Kontaktes zu untersuchen. Die meisten dieser Materialien zerstören durch ihr offensichtlich stark elektrostatisches Verhalten den Großteil der feineren Bildstrukturen. Als noch am günstigsten erwies sich in dieser Hinsicht Glas sowie handelsübliche OH-Kopierfolie. Bei Glas jedoch genügt schon eine Dicke von 0.5 mm, um das Bild unscharf und damit kaum auswertbar zu machen, so daß nur Glas in der Dicke von Mikroskop-Deckgläschen sinnvoll einsetzbar ist.
Einige Isolatoren - wie etwa dünnes Papier - zerstören zwar die identifizierbare Bildinformation, erzeugen jedoch ästhetisch höchst ansprechende Strukturen...

Isolatoren: Fingeraufnahmen durch Druckerpapier hindurch

Einfluß der Haut"chemie": rechte Zeigefinger von 4 Testpersonen,
jeweils bei v = 92 Hz und t = 0.5 s:
a) unbehandelt, OH-Folie als Isolator
b) unbehandelt, direkt auf Fotopapier
c) in Latex-Handschuh
d) gewaschen mit "handsan", abgetupft mit Papiertuch
e) gewaschen mit Alkohol, luftgetrocknet
f) angefeuchtet mit Leitungswasser, nur abgetropft
g) angefeuchtet mit Salzwasser (1 EL auf 0.1 l), nur abgetropft
- Links / Rechts
Bei den meisten Personen zeigen sich ausgeprägte und reproduzierbare Unterschiede zwischen den Fingern der rechten und linken Hand. Aufgrund der begrenzten Zahl von Testpersonen können wir keine eindeutige Systematik feststellen, jedoch scheint eine Tendenz zu stärkeren, gleichmäßigeren Entladungsstrukturen bei der "führenden" Hand zu bestehen.

Links / Rechts: Testperson ohne klar "führende" Hand (beidhändig);
t = 0.5 s, v = 92 Hz
- Konzentration / Meditation
Ohne daß wir systematische Zusammenhänge als gesichert ansehen können, haben wir in mehreren Fällen deutliche und reproduzierbare Auswirkungen von Konzentrationsübungen, Meditation und autogenem Training auf die Bildstrukturen beobachten können. Deutliche Änderungen zeigen sich auch bei Testpersonen, die unter Streß oder psychischer Belastung stehen.
Will man den Einfluß solcher - eventuell leicht verdeckbarer und schwer beschreibbarer oder gar quantifizierbarer - Einflüsse untersuchen, so besteht ein Grundproblem darin, daß bei diesen Versuchen die Gesamtheit aller Aufnahmebedingungen berücksichtigt werden muß. Wie nicht zu erwarten ist, daß eine Pflanze Musik "wahrnimmt", das Magnetfeld eines Lautsprechers dagegen "ignoriert", so sind auch die oben genannten möglichen Einflüsse kaum unabhängig von der Aufnahmesituation (hier konkret: von Klimaanlage, Leuchtstoffröhren, 10 Stunden Uni-Arbeit, vorhergehende Klausur, ...) zu betrachten.

Meditation: Je 6 Aufnahmen vor und nach einer 10-minütigen Meditationsübung der Testperson
- Farbaufnahmen: Entstehung der Farben
Aufnahmen von Fingern und anderen Objekten auf Farbmaterial (Diafilm im Kleinbild- und 6x6-Rollfilm-Format) überraschen zunächst durch die auftretenden Rot-, Orange- und Violett-Töne im Bild; das eigenen Auge sieht eine Entladung, die nur aus blauem Licht - vermutlich hervorgerufen durch Spektrallinien des Stickstoffes - besteht.
(Anmerkung: Diese abweichenden Farbtöne werden bisweilen im Hinblick auf psychisch-mediale Eigenschaften, auf willentliche Beeinflussung oder auch auf Drogeneinfluß interpretiert [6b]).
Die nicht-blauen Anteile der von uns gemachten Aufnahmen konnten wir allerdings sämtlich durch mehrere - unabhängig voneinander aussagekräftige Tests - auf reine Fotoschichten-Effekte (wie sie auch in [1] beschrieben sind) zurückführen: Da ohne besondere Vorsichtsmaßnahmen der zu belichtende Film nie völlig plan auf der Deckplatte des Apparates aufliegt, kommt es auch dort zu Entladungen. Deren (blaues!) Licht trifft nun aber die Emulsions- und Schichtstruktur des Filmes von der "falschen Seite" und führt zu einer Belichtung derjenigen (auch für Blau empfindlichen) Emulsion, die bei der späteren Entwicklung des Filmes die Rot-Töne erzeugt.

Farbentstehung: Schichtstruktur eines Farbfilms - Belichtung von vorne und hinten
Bei Fingeraufnahmen ist zu erkennen, daß
a) die nicht-blauen Anteile aufgrund ihrer Entstehung auf der Filmrückseite stets diffuser sind als die aus den S/W-Aufnahmen bekannten und hier blauen "eigentlichen" KIrlianbilder des Fingers
und
b) Rosa- und Violett-Töne als Überlagerung der scharfen blauen und der unscharfen roten Anteile entstehen.
Diese Farbverteilung kehrt sich genau um, wenn der Film absichtlich von der Rückseite belichtet wird. So erscheint dann bei der Aufnahme einer Münze der sonst völlig blaue Bundesadler blutrot.
Durch diese vollstandige Klärung der von uns beobachteten nicht-blauen Anteile der Farbaufnahmen kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, daß es andere Ursachen weniger trivialer Art gibt, wie sie etwa in [6b] angenommen werden. Die hier geschilderten Testreihen wurden nur bei einer festen Taktfrequenz
(v = 92 Hz), mit einer selbstverständlich begrenzten Zahl
von
Testpersonen - von denen sich niemand medial veranlagt fühlt - und
ohne Experimente unter extremen Aufnahmebedingungen oder dem Versuch
gezielter
Beeinflussung der Farben im oben genannten Sinne gemacht.

5 DM-Stück Rückseitenbelichtung (v = 92 Hz, t = 4 s)

Rechter Zeigefinger Person A Rückseitenbelichtung (v = 92 Hz, t = 4 s)

Rechter Zeigefinger Person A (v = 92 Hz, t = 4 s)

Rechter Zeigefinger Person B (v = 92 Hz, t = 4 s)
-- Zusammenfassung der Ergebnisse:
Für die Kirlianfotografie von menschlichen Fingern konnten die Einflüsse der wesentlichen einfachen Parameter (Aufsetzwinkel und
-andruck, Frequenz, Belichtungszeit) untersucht und kontrolliert und so standardisierte Aufnahmebedingungen ausgewählt werden, die eine hohe Reproduzierbarkeit sicherstellen.
Auf dieser Grundlage können eindeutig reproduzierbare personengebundene Bildstrukturen, Unterschiede zwischen rechter und linker Hand sowie der Einfluß gezielter Manipulationen (etwa der Haut"chemie" oder des physischen und psychisch-mentalen Zustandes einer Testperson) festgestellt werden.
Die in den Farbaufnahmen auftretenden nicht-blauen Bildanteile konnten in unserem Fall sämtlich auf Filmschichten-Effekte in Verbindung mit Rückseitenbelichtungen zurückgeführt werden.
Weniger systematisch als bei den Pflanzen- und Fingeraufnahmen wurden auch Tests mit anderen Objekten durchgeführt, von denen hier einige Beispiele gezeigt sind.


Metallgegenstände wie Münzen oder Schlüssel liefern aufgrund ihrer guten Leitfähigkeit im wesentlichen ein Abbild ihrer äußeren Form.

Ein Polymerpräparat mit 60% Kohlenstoff-Faser zeigt neben der topographischen Längsstruktur unterschiedlich intensive Punktmuster

Auch handelsübliche Gummibärchen haben eine Aura... die jedoch keiner weiteren Untersuchung für Wert befunden wurde.
[1] Binder, F.; Kirschner, M.: Blitze aus der Fingerspitze;
Bild der Wissenschaft 3/1975
[2] Boyers, D.G; Tiller, W.A.: Corona Discharge Photography,
J.Appl.Phys. 44, 3102 (7/73)
[3] Eickermann, F.: Handbuch der Kirliandiagnostik; Naglschmid
Verlag 1988 (Hannemann Verlag 1988)
[4] Elektor, Ausgabe 5/1977
[5] Franz, W.: Handbuch der Kirlianfotografie; Naglschmid Verlag
1987 (Hannemann Verlag 1988)
[6] Krippner, S.; Rubin, D. (eds.): Lichtbilder der Seele; Scherz
Verlag Bern und München 1975
Anm.: Neben einer Einführung in das Thema unter den verschiedensten Blickwinkeln enthält dieser Band eine umfangreiche Literaturliste; an Originalarbeiten sind enthalten (Auswahl):
[6a] Kirlian, S.D. & W.K.: Fotografie mit Hilfe von
Hochfrequenzströmen
[6b] Johnson, K.L.; Moss, T.: Bioplasma oder Korona-Entladung?
[6c] Dean, D.: Strahlungsfotografie eines "Heiler"-Fingers
[6d] Krippner, S.; Drucker, S.A.: Die Feldtheorie - eine alte
Karte für ein neues Territorium
[6e] Tiller, W.A.: Die heilenden Nadeln
[6f] Worsley, J.R.: Chinesische Akupunktur und Aurafotografie
[6g] Krippner, S.; Rubin, D.: Der Phantom-Effekt: Psi sichtbar
gemacht
[6h] Tiller, W.A.: Energiefeld-Beobachtungen an Mensch und Natur
[7] Mandel, P.: Energetische Terminalpunkt-Diagnose;
Synthesis-Verlag Essen 1983
[8] Pehek, J.O. et al.: Image Modulation in Corona Discharge
Photography; Science Vol.194 No.4262, 1976
[9] Wien; Harms: Handbuch der Experimentalphysik, Band XIII
S/W-Aufnahmen: Ilford 3.1 M (Fotopapier)
Farbaufnahmen: Kodak Ektachrome 100 (6x6 Rollfilm)
(Anm.: Die hier wiedergegebenen S/W-Bilder verloren durch die
Reproduktion
(Fotokopie) leider deutlich an Qualität!)
Das Projekt Kirlianfotografie der Projektwerkstatt Physik wurde auf verschiedene Art und Weise am Fachbereich und außerhalb unterstützt - wir bedanken uns bei Frau Marquart, Herrn Gumlich, Herrn Lambeck, Herrn Sahm, Herrn von Oppen und seiner Arbeitsgruppe (alle am FB 4 der TU Berlin) sowie bei Herrn Dieter Bauer.
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