Telematiksystem gegen Geisterfahrer mit Hilfe von GNSS und digitalen Karten

Intelligente technische Lösung zur Erhöhung der Verkehrssicherheit

Start: Oktober 2015

Projektpartner:

Institut für Raumfahrttechnik und Weltraumnutzung (ISTA) der Universität der Bundeswehr München und Institut für Ingenieurgeodäsie (IIGS) der Universität Stuttgart forschen an einem Geisterfahrerwarnsystem

Projektziel:

Unter Geisterfahrern versteht man jene Autofahrer, die entgegen der erlaubten Fahrrichtung fahren. Die Anzahl der bei Geisterfahrerunfällen getöteten Menschen beläuft sich jedes Jahr auf ungefähr 20 Personen. Wie kann man Geisterfahrten frühzeitig und zuverlässig detektieren, Geisterfahrer effizient wachrütteln und gefährdete Verkehrsteilnehmer in der Umgebung warnen? Um versehentlichen Geisterfahrten vorzubeugen, wurden diverse Maßnahmen, z.B. die Aufstellung von Hinweisschildern an Autobahnen, in Deutschland und auch in einigen anderen Ländern umgesetzt. In den letzten Jahren werden vorzugsweise technische Lösungen des Geisterfahrerproblems erforscht, damit sich der erhebliche Arbeits- und Kostenaufwand in der Verkehrsinfrastruktur ersparen lassen. Im Rahmen des DLR-geförderten Projektes Ghosthunter wird ein GNSS-basiertes Geisterfahrerwarnsystem mit ausgewählter Forschungsmethodik von Ingenieurwissenschaftlern der Universität der Bundeswehr München und der Universität Stuttgart entwickelt.

Geisterfahrten auf deutschen Autobahnen verursachen jährlich etwa 1.950 Verkehrsunfälle. Die Hauptursachen dafür sind z.B. bewusstes Umdrehen auf der Autobahn und  Fahren unter Alkoholeinfluss. Oftmals beginnen Geisterfahrten an Autobahnanschlussstellen bzw. im Bereich von Autobahnabfahrten und -auffahrten. Sicherheitsmaßnahmen gegen Geisterfahrer auf Autobahnen können typischerweise verstärkte Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen sein, wie gut erkennbare Beschilderung, Fahrbahnkrallen, Induktionsschleifen oder Funksensoren. Die flächendeckende Einführung dieser Sicherheitsmaßnahmen scheiterte aber bisher an den Kosten.

Das DLR-geförderte Kooperationsprojekt Ghosthunter zwischen ISTA (Universität der Bundeswehr München), IIGS (Universität Stuttgart) und der Firma NavCert bietet eine neue Möglichkeit für Wissenschaftler und Fachleute in den Forschungsbereichen GNSS (inkl. Fahrzeugnavigation und Sensorfusion) und Geoinformatik (inkl. Digitale Kartensysteme und Map-Matching-Technologien). Zusätzlich bietet es die Möglichkeit, die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern zu fördern und die in diesem Projekt gewonnen Erkenntnisse durch Veröffentlichungen und Konferenzbeiträge vorzustellen.

In diesem Projekt wird das ISTA einen robusten (D)GNSS-basierten Algorithmus zur Erfassung genauer Fahrzeugtrajektorie und einen Geisterfahrer-Detektionsalgorithmus entwickeln. Die Aufgaben des IIGS bestehen darin, Datenqualitäten von digitalen Straßenkarten verschiedener Kartenanbieter zu untersuchen und ein Map-Matching-Tool in das Gesamtsystem bzw. das Geisterfahrerwarnsystem einzubinden. Letztlich soll das entwickelte automatische Warnsystem in das europäische eCall System implementiert werden, welches auf die Gefahr aufmerksam macht. Unter Verwendung von diesen modernen wissenschaftlichen/technischen Methoden soll das Geisterfahrerwarnsystem in der Lage sein, künftig vor Geisterfahrern auf Autobahnen zu schützen und somit mehr Verkehrssicherheit und weniger Unfälle zu ermöglichen.

Abbildung: Geisterfahrer an Autobahnanschlussstellen (Quelle: UniBwM)

Ansprechpartner:

Prof. Dr.-Ing. habil. Volker Schwieger
M.Sc. Jinyue Wang