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Glossar

Mittelalter

Den Begriff “Mittelalter” (lat. medium aevum) verdanken wir dem Geschichtsverständnis und dem Selbstgefühl der humanistischen, an Kultur und Menschenbild der römischen Anike orientierten Gelehrten. Er entstand um 1500 aus dem Eindruck heraus, daß ein ganz neues Zeitalter begonnen habe, ein Zeitalter neuen Denkens, Sprechens und Handelns. Mittelalter, das sollte heißen: Ein dunkles Zeitalter war zu Ende gegangen, ein helles Zeitalter begann. Indem die Reformation sowohl in protestantischer wie in katholischer Sicht als tiefer geschichtlicher Einschnitt betrachtet wurde, ließ sich auch der Verlauf der Kirchengeschichte damit in Übereinstimmung bringen.

Etwa zwei Jahrhunderte später wurde die neue Zeitaltergliederung schließlich kanonisiert: in den weit verbreiteten Handbüchern von Georg Horn (1620-1670) und Christoph Cellarius (1638-1707) wurde die Weltgeschichte als dreigeteilt aufgefaßt und das Mittelalter als Zwischenglied der in so vielem vorbildlichen Antike und dem Aufbruch zur Moderne verstanden.

Es behielt seitdem seinen angestammten, aber oft auch problematischen Platz im Geschichtsbild Europas. Selbst die Versuche, die Begriffe auf die außereuropäische, etwa die asiatische Geschichte zu übertragen und zum Beispiel von einem indischen oder chinesischen “Mittelalter” zu sprechen, bezeugt ihre anhaltende Wirkung.