Exkursion der Abteilung Alte Geschichte auf die Peloponnes 2012



Die althistorische Exkursion der Abteilung Alte Geschichte führte dieses Jahr auf die Insel des Pelops. Vom 25. Mai bis zum 6. Juni 2012 machten sich 18 Studentinnen und Studenten unter der Leitung von Peter Scholz und Frank Daubner auf, die zahlreichen antiken Überreste von der mykenischen Zeit bis hin zur römischen Herrschaft in Augenschein zu nehmen und genauer zu untersuchen. Wie bei früheren Exkursionen traf man sich auch in diesem Jahr zu einem zweitägigen Vorbereitungsseminar, um die grundlegenden historischen Zusammenhänge und Probleme zu erörtern. Dieses Grundgerüst bildete die Voraussetzung für die vielen fruchtbaren Diskussionen, welche zahlreiche Felder der Altertumswissenschaft, seien sie epigraphischer, numismatischer oder archäologischer Natur, zusammenführten.

Die erste Station unserer Exkursion war Delphi, das bekanntermaßen nicht auf der Peloponnes liegt, aber dennoch seine Berechtigung auf der Reiseroute hatte. Annika Kern führte uns durch das antike Delphi mit seinen zahlreichen Heiligtümern und Schatzhäusern, dem Apollon-Tempel sowie dem Stadion. Christiane Braun ließ uns über die archaische Kunst nicht im Unklaren. In der Tholos des Athena-Heiligtums entstand auch unser erstes Gruppenfoto. Am nächsten Tag setzten wir auf die Peloponnes über und besichtigten die antiken Überreste sowie das Museum von Elis, dessen Einwohnern große Bedeutung bei der Ausrichtung der Olympischen Spiele zukam, wie Michael Friedrich in seinem Vortrag betonte. Jasmin Lolakas steuerte hierzu die passenden Stellen des Pausanias bei, so dass wir uns ein lebhaftes Bild der antiken Stadt machen konnten. 

Der nächste Halt war Olympia, wo Alina Lutz die wichtigsten Gebäude wie den Zeus- und Heratempel sowie das Philippeion vorstellte. Auch das Stadion kam nicht zu kurz. Großen Eindruck machte auch das Nymphäum des Herodes Atticus, das Christian Fron in gewohnt souveräner Weise erläuterte. Darüber hinaus erhielten wir in Olympia eine Führung von Christina Leypold, welche uns an ihren Erkenntnissen zur Statuenaufstellung im Zeus-Heiligtum teilhaben ließ. Am folgenden Tag ging es in die arkadischen Berge, nach Bassai. Der eindrucksvolle Apollon-Tempel entschädigte in jeglicher Hinsicht die sehr kühlen Temperaturen. Natalie Berger unterrichte uns über dessen Architekten. Nach Pausanias soll Iktinos mit dem Bau des Tempels beauftragt worden sein – jener Architekt, der auch den Parthenon auf der Athener Akropolis entworfen hatte. Anschließend stand die Heimat des Polybios, Megalopolis, auf dem Programm. Christina Vakalopoulou erläuterte uns das hiesige Theater sowie die Überreste der Stoa. Am Nachmittag besuchten wir die archäologische Stätte von Gortys. Caterina Maack und Christian Fron stellten die Bedeutung der Thermen des Asklepieions heraus. Die sich anschließende Schluchtwanderung war eine einschneidende Erfahrung, hat sich doch die Gruppe in den Weiten der arkadischen Berge verloren, so dass wir erst am späten Abend unter größten logistischen Anstrengungen wieder zusammenfanden. Für den wunderschönen Ort Dimitsana, das antike Teuthis, hat sich diese Anstrengung jedoch mehr als gelohnt. Caterina Maack berichtete am folgenden Tag von der mythischen Bedeutung der Stadt Lykosura, anschließend machten wir uns auf den Weg nach Messene. Jochen Mayer referierte über die großzügig angelegte Agora samt Odeion und Stadion. Das berühmte Asklepieion nahm ebenfalls einige Zeit in Anspruch. Für die Wanderfreudigen unter uns bot sich im Anschluss die Möglichkeit, den Berg Ithome zu besteigen, von dem aus man einen herrlichen Blick über die ganze messenische Ebene hatte. Am folgenden Tag besuchten wir zunächst das Museum in Pylos, anschließend fuhren wir  – unterbrochen durch einem kurzen Zwischenstopp in Methoni – weiter zum mykenischen Nestor-Palast, dessen Bedeutung uns Sandra Kittel nahebrachte. Unter den Höhlen des Nestors befindet sich die wunderschöne Bucht von Pylos, die wohl bei allen Teilnehmern einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Der achte Tag war für Sparta reserviert. Durch das dortige Museum und die leider nur noch spärlich verbliebenen antiken Überreste führte uns Alisa Mattesz. Gegen Mittag fuhren wir nach Tegea, einem der bedeutsamsten religiösen Orte Griechenlands seit der archaischen Epoche. Caterina Maack erläuterte uns hierbei die Bedeutung des Athena-Tempels. Der Vormittag des folgenden Tages gehörte der Burg in Tiryns, über die Sandra Kittel referierte. Im Anschluss daran fuhren wir nach Argos, besuchten dort das Museum sowie die antike Agora und das Theater. Manuel Ilg oblag hier die Expertenrolle. Den Nachmittag verbrachten wir in Nemea, dem Schauplatz der Nemeischen Spiele. Elisabeth Blicke referierte an dieser Stelle über das Zeus-Heiligtum. Auch die dortigen Schatzhäuser sowie das Badehaus für die Athleten wurden grundlegend untersucht. Nicht zuletzt das Stadion sorgte für lebhafte Diskussionen – nicht wenige Parallelen zum modernen Sport ließen sich hierbei ausmachen. Am Abend galt die Aufmerksamkeit hauptsächlich der Polygonalmauer von Asine, die sich von unserem Hotel in Tolon problemlos zu Fuß erreichen ließ. Der zehnte Tag war für Korinth reserviert, eine der bedeutendsten Städte auf der Peloponnes. Lotta Hasslinger nahm sich Korinths in römischer Zeit an, Michael Friedrich erläuterte uns die Agora mit ihren zahlreichen öffentlichen Gebäuden. Christian Fron referierte über das dortige Brunnenhaus, das in der Antike für sein klares Wasser berühmt war. Constanze Hirth nutzte die von Caesar neugegründete Stadt ebenfalls, um auf jene Gebäude einzugehen, die für den Kaiserkult bestimmt waren. Den Abend ließen wir in Nafplio, einer der schönsten Städte Griechenlands, ausklingen. Der vorletzte Tag begann mit einem Ausflug nach Mykene. Jessica Weisser informierte uns über das eindrückliche Löwentor, die Reste der zyklopischen Ringmauer sowie Zisternen und Kuppelgräber. Oftmals war jedoch die Identifizierung einzelner Räume des Palastes nicht bekannt oder sehr umstritten, sodass auch dieses Jahr der Begriff der Multifunktionalität gute Konjunktur hatte. Neben der Burg besuchten wir auch das Schatzhaus des Atreus. Den Nachmittag des vorletzten Tages verbrachten wir in Epidauros. Cassandra Klein referierte dort über das Heiligtum des Asklepios, das Stadion sowie das Theater. Es war ein außerordentlich großer Glücksfall, dass Sebastian Prignitz (Inscriptiones Graecae) an diesem Tag vor Ort war, der uns in erfrischender Lebendigkeit an seinen Forschungen zu den Bauinschriften von Epidauros teilhaben ließ. Er opferte seine kostbare Zeit, um uns sein Vorgehen, seine Methode und seine neugewonnen Erkenntnisse vorzustellen. Auch ließ er uns zahlreiche Abklatsche von Inschriften machen, die uns noch sehr lange an Epidauros erinnern werden. Am letzten Tag besuchten wir noch den Kanal von Korinth, bevor wir mit dem Bus wieder an den Athener Flughafen gefahren wurden.

 

Bleibt am Ende einer so lehrreichen und in jeder Hinsicht erfolgreichen Exkursion nur eines: Danke zu sagen.

Ein ganz herzliches Dankeschön geht hierbei an Frank Daubner, der die Organisation in altbewährter Weise meisterte und dessen Ortskenntnisse sowie kulinarische Erfahrung uns auf der gesamten Peloponnes stets zugute kamen. Darüber hinaus bedanken wir uns bei Peter Scholz , Christian Fron und Christian Winkle für die wissenschaftliche Leitung und Begleitung dieser zwölf lehrreichen Tage.

Eine solch gelungene Exkursion ist jedoch nicht denkbar ohne die großzügige Unterstützung des Vereins der Freunde des Historischen Instituts, der Stiftung Humanismus heute und der Vereinigung von Freunden der Universität Stuttgart e.V. An dieser Stelle sei ihnen für ihren großen finanziellen Rückhalt gedankt, der es uns Studierenden ermöglicht, das in den Vorlesungen und Seminaren Erlernte in der Praxis verstehen zu lernen.  Die Begegnung mit den zahlreichen geschichtsträchtigen Orten sowie die vielen lebendigen Diskussionen eröffnen uns neue Perspektiven, die sich – so hoffen wir – in den kommenden Jahren in der Forschung niederschlagen werden.

 

Constanze Hirth