Althistorische Exkursion 2010:

"Vom Olymp bis Philippi" - Makedonien

 

GaleriusbogenDie Exkursion des Jahres 2010 vom 21. bis zum 31. Mai führte 17 Studierende samt ihrer drei Dozenten Peter Scholz, Frank Daubner und Christian Winkle in den Norden Griechenlands, wo man sich auf die Suche nach Spuren der griechischen und römischen Kultur begab. Themenschwerpunkt hierbei war die Entwicklung Makedoniens von den Anfängen bis zur Zeit der Römer. Wie üblich wurden im Vorfeld der Reise die wissenschaftlichen Grundlagen der Exkursion in Stuttgart gelegt. An zwei Tagen trafen sich die Teilnehmer, um vorab komplexere Zusammenhänge darzustellen, welche zum besseren Verständnis vor Ort dienen sollten. Auf diese Weise konnte jedes Mitglied schon im Vorfeld interessante Aspekte kennenlernen, sich Gedanken über die zu besuchenden Orte machen und eigene Schwerpunkte bei der Erkundung vor Ort setzen. Darüber hinaus wurden im Vorbereitungsseminar auch Themen angesprochen, die sich keinem Ort eindeutig zuweisen ließen. Zu diesen gehörten beispielsweise die von Jochen Mayer vorgetragene Geschichte der verschiedenen makedonischen Königshäuser oder der Aufbau des makedonischen Heeres – ein Thema, dessen sich Anna Hinz annahm. Auch der Themenschwerpunkt, die Entwicklung Makedoniens bis in die Zeit der römischen Annexion, wurde dort aufgezeigt.

 

Die erste Station der Exkursion bildete die Hafenstadt Thessaloniki. Erste Eindrücke  Makedoniens gewannen die Teilnehmer mittels eines Spaziergangs quer durch die Stadt hinauf zur Burg. Diese gab den beiden Referentinnen Katharina Bosch und Katharina Renz die Gelegenheit, die Topographie Thessalonikis zu erläutern.

 

Auftakt für den zweiten Tag bildete ein Besuch im Archäologischen Museum. Anschließend ergriff Florian Sonntag das Wort. In seinen Ausführungen kam er auf die außerordentliche Bedeutung der Stadt zur Zeit der Tetrarchie zu sprechen. Dabei ging er auf die Verdienste Galerius’ für die Entwicklung Thessalonikis ein, welcher die Stadt in den Rang einer Kaiserresidenz erhob. Die heute noch sichtbaren Zeichen dieser Aufwertung zeigen sich im Hippodrom, der Rotunde und am Galeriusbogen. Besonders letzterer bot den Studenten und Dozenten Gelegenheit für lebhafte Diskussionen.

 

Am nächsten Tag, dem 23. Mai, widmete man sich ausführlichen Besuchen der Sakralbauten Hagia Sophia und Hagios Demetrios. Als Referent fungierte Dimitrios Tziatzias, der sich nicht nur mit deren Architektur beschäftigt hatte, sondern auch auf die Rolle der christlichen Religion und deren Kulte in Makedonien einging. Der Besuch des Forums in Thessaloniki gab Frank Merkle die Gelegenheit, die Funktion des Theaters und seine Bedeutung zu veranschaulichen. Begleitet wurde der Aufenthalt in Thessaloniki von den Ausführungen Cezar Mändles, der immer wieder auf die Bedeutung der Via Egnatia zu sprechen kam.

 

 

Nach drei Tagen verließ die Gruppe Thessaloniki und machte sich auf den Weg nach Beroia. Im dortigen Museum informierte Franziska Zach ausführlich über die herausragende Bedeutung des Gymnasiarchengesetzes. Die Tafel mit dem Gesetz stieß besonders bei Professor Scholz auf reges Interesse und sorgte allgemein für lebhafte Gespräche. Noch am selben Tag reisten die Teilnehmer nach Dion, wo Lotta Hasslinger und Elisabeth Blickle durch die Ausgrabungsstätten führten. Die Überreste der antiken Badeanlage mit ihrem komplizierten System der Wasserzuleitung hinterließen einen bleibenden Eindruck. Abgerundet wurde der Tag in Dion durch den Vortrag Frank Merkles, welcher charakteristische Besonderheiten der drei dortigen Theater aufzeigte.

 

Am 25. Mai reiste die Gruppe durch das Tempetal zur obermakedonischen Fürstenstadt Aiani, wo Anna Hinz über die Ausgrabungen, insbesondere die Grabstätten, berichtete. In Lefkadia begab man sich am nächsten Tag in die Tiefe, um die Königs- und Fürstengräber zu besichtigen. Linda Wiedmann veranschaulichte den großen Aufwand für die Anfertigung der Anlagen und das sofortige Zuschütten nach der Fertigstellung, was bei den Teilnehmern für Verwunderung und kontroverse Diskussionen sorgte. Anschließend begab man sich nach Mieza, um die „Schule des Aristoteles“ in Augenschein zu nehmen.

 

Die alte makedonische Hauptstadt Pella war nach einem Abstecher zur landschaftlich eindrucksvolle römischen Unterstadt von Edessa das nächste Ziel auf der Reise durch das Gebiet des antiken Makedonien. Dort erwartete die Studenten und Dozenten eine beeindruckende archäologische Stätte, die einen überaus interessanten Einblick in die Grundrisse einer antiken Stadt ermöglichte und einen eindrucksvollen Beweis für die überwältigende Größe einer Agora lieferte. Sandra Förnzler referierte dort über die antike Stadtentwicklung.

 

Direkt im Anschluss widmete die Gruppe dem Palast in Pella ihre Aufmerksamkeit. Constanze Hirth gab einen Überblick über die unübersichtliche Konstruktion, die noch heute in der Forschung umstritten ist. Auch das Alltagsleben stand in Pella im Blickpunkt. Sandra Förnzler erläuterte die Bauweise und die Funktion der prachtvollen Wohnhäuser der makedonischen Oberschichten. 

 

Vergina war das nächste Ziel auf der Reise der Studierenden. Besonders die im Museum integrierten Grabstätten, die wiederum von Linda Wiedmann vorgestellt wurden, hinterließen bei den Studenten einen nachhaltigen Eindruck. Aus der Tiefe der Gräber in die Höhe der Küsten der Chalkidike gelangte die Gruppe zur nächsten Station: Stageira, die Heimatstadt Aristoteles’, wurde von Jochen Mayer fachkundig vorgestellt. Die landschaftlich wunderschön gelegene Stadt begeisterte Studenten und Dozenten gleichermaßen. Zur großen Freude aller stellte sich heraus, dass sich die Unterkunft für die folgenden Nächte praktisch am Fuße der Stadt befindet. Des weiteren bestand hier auch die Möglichkeit, in der Ägäis zu baden.

 

Der 28. Mai war den chalkidischen Ortschaften Polygyros und Olynth vorbehalten. Während Polygyros aufgrund des dort befindlichen Museums in das Interesse der Gruppe rückte, erforschte man in Olynth die Ausgrabungsstätte. Hier übernahmen Sandra Förnzler und Claudia Epperlein die Führung der Gruppe, um über die Stadtentwicklung und Wohnhäuser zu referieren. Neben den Referaten waren es hier besonders die ausgreifenden Dimensionen der Ausgrabungsstätten, welche den Studenten einen guten Einblick in das Alltagsleben der Antike bieten konnten. Die Enge der Wohnverhältnisse wurde anhand mannigfaltiger Grundrissrekonstruktionen besonders gut nachvollzogen.

 

Nach einem kurzen Besuch der neuen Ausgrabungen im archaischen Argilos referierte Debora Haußmann am folgenden Tag über Amphipolis. Dabei spielte vor allem die Stadtmauer eine wichtige Rolle. Die gute Aussicht gab Cezar Mändle die Gelegenheit, auf die topographischen Besonderheiten bei der Straßenführung der Via Egnatia einzugehen.

 

Am vorletzten Tag stand neben dem Museum in Kavalla, dem antiken Neapolis, Philippi auf dem Programm. Dort berichtete Dimitrios Tziatzias über die Überreste der Basiliken und Elisabeth Blickle über das imposante Forum.

 

Abschluss der Reise bildete Thasos. Diese stand im Zentrum der griechischen Kolonisation im makedonischen Raum, das in überaus kompetenter Weise von Christian Fron erläutert und veranschaulicht wurde. Auch Frank Merkle kam auf Thasos ein weiteres Mal zum Zuge. Im antiken Theater von Thasos, welches einen wunderschönen Blick aufs Meer bot, verknüpfte man literaturwissenschaftliche Deutungen der Tragödien mit historischen Tatsachen.

 

Zu guter letzt bleibt den Exkursionsteilnehmern, herzlich Danke zu sagen. Exkursionen wie diese stellen eine außerordentliche Bereicherung des Geschichtsstudiums dar. Nicht nur das wissenschaftliche Arbeiten mit gedruckten Quellen in der Bibliothek, sondern vor allem das Forschen am unmittelbar historischen Schauplatz erzeugt kreative Impulse. Zahlreiche Inschriften, Münzen und archäologische Überreste vor Ort gewähren einen unvermittelten Zugang zur Geschichte. Die daraus entstehenden lebhaften und fruchtbaren Diskussionen, sowohl von Dozenten als auch von Studierenden, führen zu manch neuen Denkanstößen, Sichtweisen und Interpretationen. 

 

Daher sei an erster Stelle Frank Daubner für die hervorragende Planung, Organisation und Betreuung vor Ort sehr herzlich gedankt, ebenso Herrn Scholz und Herrn Winkle für ihren unermüdlichen Einsatz und ihr Engagement. Ein großes Danke geht an dieser Stelle auch an Jochen Mayer, welcher die Dozenten bei der Planung und Organisation tatkräftig unterstützte. Gleichermaßen an Dimitrios Tziatzias, dessen Griechisch-Kenntnisse mehr als einmal äußerst hilfreich waren. Der letzte und ganz besondere Dank gilt dem Verein der Freunde des Historischen Instituts, welcher auch dieses Jahr die Auslandsexkursion für uns Studierende ermöglichte. Ihm sei für seine großzügige finanzielle Unterstützung herzlich gedankt: Danke!

 

 

Constanze Hirth, Cezar Mändle