Althistorische Exkursion 2007:
Korinthia - Argolis - Arkadia: Kontinuität und Diskontinuität im Nordosten der Peloponnes

 

2007 hatte die Exkursion der Abteilung Alte Geschichte vom 17.-27. September unter dem Oberthema „Kontinuität und Diskontinuität“ den Nordosten der Peloponnes zum Ziel. In einem zweitägigen Vorbereitungsseminar sowie während der Exkursion selbst referierten und diskutierten die 19 Studierenden und Dozenten intensiv über die mykenische Kultur, die griechische Polis-Welt, die hellenistische und römische Epoche sowie über die historische Entwicklung bis in die Frühe Neuzeit.

Die wechselvolle Geschichte und die beeindruckenden Überreste der antiken Stadt Korinth, die infolge ihrer Lage nahe der schmalen Landbrücke zwischen Mittelgriechenland und der Peloponnes die wohl größte politische und wirtschaftliche Bedeutung innerhalb der Region erlangte, wurden von den Referenten L. Fischle, C. Fron und D. Römer vorgestellt. Zwei besonders markante Wendepunkte erlebte Korinth infolge der römischen Expansion im östlichen Mittelmeerraum: einerseits die weitgehende Zerstörung durch L. Mummius im Jahr 146 v. Chr., andererseits die Neugründung als römische Kolonie 44 v. Chr., die später zum Sitz des Statthalters der Provinz Achaia wurde. Die westlich von Korinth gelegene Polis Sikyon stand in antiker Zeit auf den ersten Blick stets im Schatten der berühmten Nachbarstadt – zu Unrecht, wie J. Scherr in seinen Referaten und während seiner Führung durch die ergrabenen Überreste und durch das erst vor wenigen Monaten neu eröffnete, sehenswerte Museum eindrucksvoll demonstrierte.

Daß der Wechsel hin zur römischen Herrschaft auch einen Bedeutungsverlust zur Folge haben konnte, zeigten L. Nabel und M. Glocker am Beispiel von Argos. Allerdings zeugen die erhaltenen Überreste eines eindrucksvollen römischen Badegebäudes davon, daß nicht von einem abrupten Niedergang gesprochen werden kann. Im Westen von Argos erhebt sich die schwer zugängliche Gebirgsregion Arkadien, deren Sonderrolle S. Hösch an den Beispielen der mitten in einer Hochebene gelegenen Stadt Mantinea und der auf einem Hügel gelegenen Stadt Orchomenos verdeutlichte. Einen Einblick in die Zeit der byzantinischen, osmanischen und venezianischen Herrschaft über die Peloponnes vermittelte F. Merkle in den Festungsanlagen von Nauplia, Argos und Akrokorinth, die von den aufeinander folgenden Machthabern immer weiter ausgebaut wurden.

Mykene und die mykenische Kultur wurden von E. Olshausen und V. Sauer vorgestellt, wobei nicht nur die Entzifferung der Schrift Linear B sondern auch neueste Tendenzen der Mykenologie zur Sprache kamen. In Tiryns hatten die Teilnehmer dann die Gelegenheit, nach einer Führung durch die mykenische Burganlage von F. Schön auch über die jüngsten Ausgrabungsergebnisse informiert zu werden. Der Leiter der vom DAI organisierten Grabungskampagnen der letzten Jahre, Prof. J. Maran, diskutierte mit der Exkursionsgruppe eine Reihe archäologischer Details und daraus resultierender Theorien, u.a. zum Verhältnis von Tiryns zu Mykene oder zum Ende der mykenischen Kultur.

Auch zum Thema der Verkehrswege im Nordosten der Peloponnes gelang es den Organisatoren der Exkursion, einen ausgewiesenen Experten als Gesprächspartner zu gewinnen. Prof. K. Tausend von der Universität Graz führte die Exkursionsgruppe zu Überresten antiker Verkehrswege und deren Befestigungsanlagen und stellte seine Feldforschungen der vergangenen zehn Jahre zur Diskussion. F. Stini, der zusammen mit C. Fron und F. Merkle die Organisation der von Prof. E. Olshausen geleiteten Exkursion übernommen hatte, präsentierte außerdem zwei Straßenbrücken aus mykenischer Zeit und faßte die Forschungsergebnisse zu den Verkehrswegen der Region in zwei Referaten zusammen.

In weiteren Referaten wurden die Themenbereiche Religion, Kultur und Wirtschaft betrachtet. Das Wesen der panhellenischen Spiele wurde den Teilnehmern vor Ort von R. Koshcheev am Beispiel der Nemeïschen Spiele verdeutlicht, die bis ins 1. Jh. n. Chr.abgehalten wurden und deren Veranstalter mehrmals wechselte. D. Sedelmeier behandelte an mehreren Orten das Theaterwesen dieser Region, dessen Höhepunkt das vorzüglich erhaltene Theater von Epidauros darstellte.

Über das Heiligtum des Asklepios in Epidauros und dessen Nutzung als Kurort bis in die römische Zeit referierte F. Richter, während der Herakult in dieser Region von J. Straub anhand des Heraion von Argos und des Heraion von Perachora in der Korinthia vorgestellt wurde. Im Gegensatz zum Heraion von Argos, das in römischer Zeit als Heiligtum fortbestand, überdauerte das Heraion von Perachora die Zerstörung im Jahre 146 v. Chr. nicht.  

Die Ausbreitung der christlichen Religion und deren heute noch sichtbare Zeugnisse wurden von M. Nowak am Beispiel der Basiliken von Kenchreai und Lechaion, den beiden Häfen von Korinth, aufgezeigt. P. Schulz behandelte die große wirtschaftliche Bedeutung dieser beiden Häfen in griechischer und römischer Zeit sowie die Bedeutung des Diolkos, eines Landweges über den Isthmos von Korinth für den Transport von Schiffen vom Korinthischen in den Saronischen Golf. Zahlreiche Exponate mehrerer Museen der Region waren Gegenstand der Referate von N. Pfau, in denen die Kontinuität ebenso wie Diskontinuitäten der antiken Vasenmalerei thematisiert wurden.
Auch in diesem Jahr bestärkten die lebhaften Diskussionen und intensiven Eindrücke während der gesamten Exkursion die Veranstalter und Teilnehmer in ihrer Überzeugung vom hohen Stellenwert derartiger Unternehmungen für das Studium der Alten Geschichte.

Deshalb gilt der besondere Dank aller Teilnehmer zum einen Herrn Prof. Olshausen, ohne dessen Engagement die Durchführung der althistorischen Exkursionen nicht vorstellbar wäre, zum anderen dem Verein der Freunde des Historischen Instituts und dem Verein Humanismus Heute, die auch in diesem Jahr die studentischen Teilnehmer durch Beisteuerung finanzieller Mittel großzügig unterstützt haben.

 

Christian Fron, Frank Stini und Jonas Scherr