Forschung

Analyse taxonomischer Argumente der Naturforschung, oder: Wann sind Naturwissenschaftler bereit, neue Klassen von Objekten einzuführen?

Zwischen 1700 und 1900 wurde eine Vielzahl neuer Typen von Strahlen entdeckt, darunter u.a. Wärmestrahlung (heute Infrarot genannt), chemische Strahlen (heute UV), x-Rays (die Röntgenstrahlen), und kurz vor 1900 noch a-, ß- und ?-Strahlung radioaktiver Körper, ferner auch etliche weitere Strahlen, von denen man heute nicht mehr annimmt, daß sie existieren, so etwa Blondlots N-Strahlen oder die sogenannten Moser-Strahlen. Anhand dieses Clusters von historischen Fallstudien untersuchte Klaus Hentschel während eines drei Jahre dauernden, von der DFG finanzierten Forschungsprojektes die Argumente, auf Grund derer Naturforscher sich bereit erklär(t)en, den vorhandenen Klassen von Objekten weitere, grundlegend neue hinzuzufügen. Er identifizierte 16 verschiedene taxonomische Argumente und wies diese in etlichen Tausend Primärtexten der wissenschaftlichen Literatur über Strahlen vom 17. bis zum frühen 20. Jahrhundert nach. Die ca. 700 Seiten starke Monographie dazu wird hoffentlich im Jahr 2007 zum Druck gebracht.

Erste Übersichten zu den erhaltenen Ergebnissen liefern zwei bereits erschienene Fallstudien von Klaus Hentschel: Why not one more Imponderable?: John William Draper and his `Tithonic rays'', Foundations of Chemistry 4, 1 (2002), S. 5-59.

Macedonio Melloni über strahlende Wärme, , NTM International Journal of History & Ethics of Natural Sciences, Technology & Medicine, N.S. 13 (2005) S. 216-237.

Unsichtbares Licht? Dunkle Wärme? Chemische Strahlen? Eine wissenschaftshistorische und -theoretische Analyse von Argumenten für das Klassifizieren von Strahlungssorten 1650-1925 mit Schwerpunkt auf den Jahren 1770-1850 , Diepholz, Stuttgart & Berlin: GNT-Verlag, 2007 (hardcover, 665 S., 85 Abb.).

 

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