Forschung

Unsichtbare Hände. Die Rolle von Labordienern, Assistenten, Instrumentenmachern, Technikern u.a. Amanuensi in der Forschungspraxis

Während eine Historiographie 'großer Männer' in der Wissenschaftsgeschichte eine bis auf ihre Ursprünge in der von Naturwissenschaftlern selbst geschriebenen Fachgeschichte (Ostwald, Lenard, Matschoss) zurückreichende Tradition hat, der unlängst eine leider oft ebenso hagiographisch überzeichnete Gattung von Texten über 'Große Frauen' an die Seite gestellt wird, werden andere Personengruppen von großer Bedeutung für die Forschungspraxis durch Historiker und die breitere Öffentlichkeit oft ganz übersehen, getreu dem Brechtschen Motto: "Und die im Dunklen, die sieht man nicht." Eine von der Alltags- und Sozialgeschichte inspirierte Gegenbewegung wendet sich gezielt der Rolle dieses 'akademischen Unterbaues' zu. Der berühmte, aber manuell äußerst ungeschickte Direktor des Cambridger Cavendish Laboratories, J.J. Thomson, wäre ohne sein Laborfaktotum Ebenezer Everett und seinen Glasbläser aufgeschmissen gewesen. Im Falle des frühneuzeitlichen Naturforschers Robert Boyle kennen wir nur von einigen wenigen seiner zahlreichen Laborgehilfen überhaupt die Namen, darunter immerhin sowohl Denis Papin wie auch Robert Hooke. In etlichen Fällen waren auch Ehefrauen oder Lebenspartner in solche Arbeitsbeziehungen eingebunden. Ein in Stuttgart sowohl von Beate Ceranski wie auch von Klaus Hentschel verfolgter Forschungsbereich widmet sich der Erforschung und Kontextualisierung dieser ‚unsichtbaren Hände' u.a. vielschichtigen Arbeitsbeziehungen in Naturwissenschaft & Technik.

Weiterführende Texte dazu: Klaus Hentschel: Mythen um berühmte Experimente und Experimentatoren, Physik in unserer Zeit 34,5 (2003), S. 225-231; Gaussens unsichtbare Hand: Der Universitätsmechanicus und Maschineninspector Moritz Meyerstein -- Ein Instrumentenbauer im 19. Jahrhundert , Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2005 (=Abhandlungen der Göttinger Akademie der Wissenschaften, 2005, mathem.-physik. Klasse, Reihe 3, Nr. 52); Beate Ceranski et al.(Hrsg.): ''Auf den Schultern von Zwergen''. Essays an den Grenzen von Physik und Biographie, Berlin: ERS-Verlag, 2005; Klaus & Ann Hentschel: `An Engraver in Nineteenth-Century Paris: The Career of Pierre Dulos' , French History 15 [2001], S. 64-102.

Siehe ferner den call for papers der Jahrestagung der Fachgruppe Geschichte der Physik in Regensburg, 26/27. März 2007 zum Thema: 'Unsichtbare Hände', organisiert von Günter Dörfel & Klaus Hentschel.

Ein Tagungsband zur von Klaus Hentschel organisierten Tagung der DPG ist erschienen im GNT-Verlag:

Unsichtbare Hände. Zur Rolle von Laborassistenten, Mechanikern, Instrumentenmachern u.a. Amanuensi in der physikalischen Forschungspraxis, Stuttgart: GNT-Verlag 2008. Weiterführender Link

Laufende Abschlussarbeiten zum Thema:

"Universitätsmechaniker, Hofmechaniker und Mechaniker in Württemberg im frühen 19. Jahrhundert (1793-1848)"
(Dissertationsprojekt an der Abteilung GNT, Betreuer: Prof. Dr. Klaus Hentschel)
Andor Trierenberg, M.A.

 

 

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