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Datum: 23. Januar 2014, Nr. 4

Technik- und Umweltsoziologe Ortwin Renn lehrt Menschen in Deutschland das Fürchten

Neuer Beitrag zur Debatte um Risiken: „Das Risikoparadox – Warum wir uns vor dem Falschen fürchten“

Prof. Ortwin Renn, Leiter der Abteilung Technik- und Umweltsoziologie (SOWI V) des Instituts für Sozialwissenschaften und Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (ZIRIUS) der Universität Stuttgart, hat mit der Publikation „Das Risikoparadox – Warum wir uns vor dem Falschen fürchten“ (Fischer Taschenbuch Verlag, 2014) einen neuen Beitrag zur Debatte um Risiken vorgelegt. Das Buch zielt auf die Charakterisierung der Risiken des modernen Lebens in Deutschland und zeigt Differenzen zwischen Risikohöhe und Risikowahrnehmung auf. Durch die Gegenüberstellung der statistisch gesicherten Ergebnisse mit den Befürchtungen der Menschen wird ein Beitrag zur Aufklärung der interessierten Öffentlichkeit geleistet. Mit seiner populärwissenschaftlichen Veröffentlichung verfolgt Renn das Ziel, sowohl Individuen als auch Gesellschaften zur Risikomündigkeit, also zu einem bewussteren Umgang mit Risiken zu führen.

Renns Arbeit betrachtet, warum Bürgerinnen und Bürger bestimmte Risiken überschätzen, andere „ systemische“ Risiken hingegen dramatisch unterschätzen. Diese schleichenden Risiken erhalten signifikant weniger Aufmerksamkeit als rapide und radikale Auswirkungen, die in einer linearen Ursache-Wirkung-Beziehung erfahrbar sind. Drei komplexe Gefahrenherde werden dabei analysiert: die menschliche Eingriffstiefe in die Natur, die mangelnde Steuerung von Prozessen in Wirtschaft und Politik und negative Auswirkungen der Modernisierung und Globalisierung. Auf dieser Grundlage fordert Renn aktive, „deliberative“ Demokratie und Entscheidungsfindungen, die auf bürgerlicher Partizipation sowie auf Interessens- und Werteausgleich beruhen.
Prof. Günter Stock, Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und des Zusammenschlusses der europäischen Wissenschaftsakademien ALLEA kommentierte am Erscheinungstag die Publikation: „Das aufklärerische Buch von Ortwin Renn zeigt, dass mündige Bürger offensichtlich nur risikomündige Bürger sein können.“ Prof. Reinhard Hüttl, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, schließt seine Würdigung des Buches mit den Worten ab: „Ein intensives und manchmal unbequemes Buch – aber ein wirklich lesenswertes Buch“.

Weitere Informationen:
Dr. Hans-Herwig Geyer, Leiter Hochschulkommunikation und Pressesprecher, Universität Stuttgart,
Tel.: 0711/685-82555, E-Mail: hans-herwig.geyer [at] hkom.uni-stuttgart.de