Datum: 18. Juni 2013, Nr. 43

Spannende Begegnung für talentierte Nachwuchswissenschaftler

Zwei Stuttgarter Chemiker bei Nobelpreisträgertagung in Lindau

Über 600 besonders qualifizierte Nachwuchswissenschaftler aus fast 80 Ländern haben vom 30. Juni bis 5. Juli 2013 bei der 63. Lindauer Nobelpreisträgertagung die einzigartige Chance, sich mit 35 Nobelpreisträgern über neueste Forschungsergebnisse auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Unter den Nominierten sind auch die Doktoranden Stefan Naumann und Max Schwilk von der Uni Stuttgart. Die jungen Forscher haben ein mehrstufiges, internationales Auswahlverfahren erfolgreich abgeschlossen und gehören zu den vielversprechendsten Zukunftstalenten im Bereich der Chemie.

43_13_nobelpreisträgertagung_Naumann_kl   Von links: Stefen Naumann, Max Schwilk (Fotos: Privat)

Die Vorträge der Nobelpreisträger werden einen spannenden Querschnitt durch das vielfältige Gebiet Chemie bieten“, betont Stefan Naumann, der am Institut für Polymerchemie der Uni Stuttgart (Prof. Michael Buchmeiser) promoviert. Ganz besonders freut sich der 27-Jährige auch auf den Kontakt zu anderen jungen Forschern. „Ich denke, der Aufenthalt in Lindau wird durch das Gefühl geprägt sein, zu einer weltumspannenden Gemeinschaft zu gehören.“
Stefan Naumann wurde 1986 in Heilbronn geboren und studierte Chemie an der Uni Stuttgart. Bereits für seine Diplomarbeit im Jahr 2010 erhielt er den Preis der Freunde der Universität Stuttgart. Seither arbeitet er im Rahmen seiner Promotion an der Synthese und Anwendung von Katalysatoren für die Herstellung von Polymeren. Hierbei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Untersuchung einfach anwendbarer, metallfreier und thermisch latenter Systeme. Diese erlauben es, lagerfähige Monomer/Katalysator-Mischungen herzustellen, die zu einem beliebigen Zeitpunkt durch simples Erhitzen polymerisiert werden können, was die technische Anwendung in größerem Maßstab erheblich erleichtert. Außerdem können diese Systeme in modernen Verarbeitungstechniken Verwendung finden.

Auch Max Schwilk freut sich auf internationale Kontakte und die Vorträge großer Forscherpersönlichkeiten. „Vielleicht habe ich die Chance, mit dem einen oder anderen Nobelpreisträger ins Gespräch zu kommen“, hofft der 26-jährige Doktorand am Institut für Theoretische Chemie. In der Arbeitsgruppe des Leibnitz-Preisträgers Prof. Hans-Joachim Werner befasst sich Schwilk, der in Stuttgart, Rennes und Straßburg studiert hat, mit quantenmechanischen Methoden zur Berechnung von Moleküleigenschaften. In den vergangenen Jahren wurden am Lehrstuhl bereits Methoden entwickelt, mit denen in vertretbarer Rechenzeit Moleküleigenschaften sowie die Dynamik chemischer Elementarreaktionen kleiner Moleküle sehr genau simuliert werden können. Im Rahmen eines durch den Europäischen Forschungsrat an Prof. Werner verliehenen ERC-Grants sucht Schwilk nun nach Wegen, um solche Rechnungen auch für wesentlich größere Moleküle zu ermöglichen. Dabei soll sich die Rechenzeit linear zur Größe des Moleküls verhalten. Zudem soll das Programm auch auf großen Rechnerarchitekturen mit sehr vielen Prozessoren, wie zum Beispiel am Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart, effizient ausführbar sein. „Wenn wir diese beiden Punkte verwirklichen können, sollte es zum Beispiel möglich sein, komplexe biochemische Moleküle und Reaktionen zu berechnen oder die Thermodynamik und Kinetik katalytischer chemischer Prozesse genauer zu simulieren und besser zu verstehen“, sagt Schwilk.

Zur 63. Lindauer Nobelpreisträgertagung werden Laureaten aus allen Themenfeldern der Chemie erwartet, darunter Dan Shechtman und Brian Kobilka (2012), Akira Suzuki (2010), Ada Yonath (2009), Martin Chalfie (2008), der Stuttgarter Alumnus Gerhard Ertl (2007) sowie Aaron Ciechanover (2004). Auch die Physik-Nobelpreisträger Theodor Hänsch und Roy Glauber (2005) haben ihre Teilnahme zugesagt. Eine Woche lang werden Nobelpreisträger und Nachwuchswissenschaftler gemeinsam Vorträge hören, aktuelle Themen debattieren und wertvolle Kontakte knüpfen.

Weitere Informationen und Vermittlung von Interviews:
Andrea Mayer-Grenu, Universität Stuttgart, Abt. Hochschulkommunikation, Tel. 0711/685-82176,
E-Mail: andrea.mayer-grenu [at] hkom.uni-stuttgart.de.
Max Schwilk wird auch als Blogger der Lindau Nobel Online Community, präsentiert von der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft, über seine Eindrücke bei dem Treffen berichten. http://lindau.nature.com/lindau/