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Datum: 11. November 2011, Nr. 117

Pionier der Laserforschung

25 Jahre Institut für Strahlwerkzeuge – Kolloquium zum 75. Geburtstag von Prof. Helmut Hügel

„Von der Strahlquelle zum Prozess und zurück“ lautet seit nunmehr 25 Jahren das ganzheitliche Prinzip der Laserforschung am Institut für Strahlwerkzeuge (IFSW) der Universität Stuttgart. Gegründet wurde das nicht nur für seine Grundlagenforschung, sondern auch für die schnelle Umsetzung der Erkenntnisse in industriell nutzbare Techniken bekannte Institut durch Prof. Helmut Hügel, der am 14. November 2011 seinen 75. Geburtstag feiert. Anlässlich des Doppeljubiläums findet am 18. November ein hochkarätig besetztes Kolloquium mit über 200 geladenen Gästen statt. Den Festvortrag hält der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung und Vorsitzende des Geschäftsbereichs Lasertechnik/Elektronik der Firma Trumpf, Dr. Peter Leibinger, gefolgt von wissenschaftlichen Beiträgen. Grußworte sprechen die Kanzlerin der Universität, Dr. Bettina Buhlmann, und der heutige Leiter des ISFW, Prof. Thomas Graf.
Zeit: 18. 11., 10.30 Uhr
Ort: Uni-Campus Stuttgart-Vaihingen, Pfaffenwaldring 7, Hörsaal 7.03
Presseöffentliche Veranstaltung, Medienvertreter sind herzlich eingeladen.
 

Das IFSW wurde am 12. Mai 1986 mit damals 13 Mitarbeitern gegründet, um das sich bereits abzeichnende große fertigungstechnische Potenzial des Lasers auch in Deutschland zu erschließen. Damals stellten gleichstromangeregte CO2-Strömungslaser die einzigen Hochleistungsstrahlquellen dar. Eine deutliche Verbesserung ließ sich mit Hochfrequenzentladungen erzielen, einem Anregungskonzept, das im Vorfeld der Institutsgründung von einer Arbeitsgruppe mit Prof. Hügel am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt untersucht und im IFSW weiterentwickelt wurde. Laser mit dieser Anregungstechnik finden in der Industrie für Schneid- und Schweißaufgaben heute breite Anwendung. Anfang der neunziger Jahre wandte sich das IFSW diodengepumpten Festkörperlasern zu. Von den hierfür attraktivsten Konfigurationen des laseraktiven Materials, der Scheibe und der Faser, konzentrierte sich das IFSW zunächst auf erstere. Heute werden Scheibenlaser, die auf den Konzepten, Patenten und Lizenzen des IFSW basieren, von namhaften Firmen in Deutschland gebaut und vertrieben.

Inzwischen hat sich das Institut auch neuartigen optischen Fasern zugewandt, die den Leistungsdichten der zukünftigen Laser standhalten und robuste Strahlführungseigenschaften gewährleisten. Schwerpunkt sind Wellenleiterkonzepte, welche die Übertragung von beugungsbegrenzten Strahlen auch im Kilowatt-Leistungsbereich oder bei kurzen und ultrakurzen Pulsen zulassen. Bei den laserbasierten Fertigungsverfahren hat das IFSW wesentlich zum Grundlagenverständnis in der Materialbearbeitung beigetragen und damit die Entwicklung robuster Verfahren beim Schneiden, Schweißen, Bohren und Strukturieren vorangetrieben. Nachhaltige Impulse kamen insbesondere zum Schweißen von Aluminiumwerkstoffen und zum Erzeugen hochpräziser Bohrungen mit Kurzpulslasern. Zudem widmet sich das IFSW auch der Sensorik für die Prozessüberwachung und entsprechenden systemtechnischen Entwicklungen bis hin zur Prozessregelung. Durch Grundlagenungen und die Entwicklung geeigneter Prozessstrategien arbeitet das Institut heute auch an der Erweiterung laserbasierter Bearbeitungsverfahren auf neue Materialien wie beispielsweise Faserverbundwerkstoffe.

Der ganzheitliche Forschungs- und Entwicklungsansatz hat sich für das IFSW stets als erfolgreich erwiesen. Heute gehören dem Institut rund 45 Mitarbeiter an, und mit Drittmitteleinnahmen von 3,6 Millionen Euro im Jahr 2010 gehört es auch wirtschaftlich zu den stärksten Instituten der Universität. Das IFSW bietet dabei die ganze Entwicklungskette von der universitären Grundlagenforschung bis hin zur industrienahen prototypischen Darstellung und Umsetzung in anwendungsbezogene Produkte und Verfahrenstechniken an. In der Lehre wird die Lasertechnik in einem eigenen Spezialisierungsfach mit zahlreichen Wahlmöglichkeiten von den Grundlagen bis zur Anlagen- und Systemtechnik angeboten. Zentrale Schwerpunktthemen sind das Werkzeug Laser und die verschiedenen Fertigungsverfahren, die damit realisierbar sind.

Vielfach ausgezeichneter Wissenschaftler
Prof. Helmut Hügel wurde 1936 in Rumänien geboren und kam nach dem Studium in Österreich und London nach Stuttgart an das DLR. Nach Promotion in München und Habilitation 1980 an der Universität Stuttgart las er zunächst als Privatdozent an der Fakultät für Luft- und Raumfahrt, bevor er 1985 zum Ordinarius und Direktor des neu zu gründenden Instituts für Strahlwerkzeuge berufen wurde. Hügel war Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Zentrums für Fertigungstechnik, Dekan der Fakultät für Konstruktions- und Fertigungstechnik, Sprecher eines DFG-Sonderforschungsbereichs, Sprecher der Wissenschaftlichen Gesellschaft Lasertechnik und hat in vielen weiteren Gremien federführend mitgewirkt. Der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler erhielt unter anderem den Berthold- Leibinger-Innovationspreis (2002, gemeinsam mit der Forschergruppe „Scheibenlaser“ des IFSW), den Arthur L. Schawlow Award (2004) und die Staufer-Medaille des baden-württembergischen Ministerpräsidenten. Der dreifache Großvater ist auch im Alter von 75 Jahren noch in der Wissenschaft aktiv, indem er regelmäßig an Seminaren teilnimmt und sich an Veröffentlichungen des Instituts zu grundlegenden Problemstellungen der Materialbearbeitung mitwirkt.

Weitere Informationen: Prof. Thomas Graf, Universität Stuttgart, Institut für Strahlwerkzeuge, Tel. 0711/685-66840, e-mail: ifsw.uni-stuttgart.de


 

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(v.l.) Prof. Helmut Hügel und Prof. Thomas Graf bei der Stabübergabefeier des Instituts für Strahlwerkzeuge der Universität Stuttgart im Sommer 2004. (Foto: Universität Stuttgart/ IFSW)