Datum: 2. Dezember 2010, Nr. 133

Erster Wissenschaftsflug erfolgreich

Weiterer Meilenstein für fliegende Sternwarte SOFIA:

Das Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie (SOFIA) der Amerikanischen Weltraumbehörde NASA und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat den wissenschaftlichen Betrieb aufgenommen. Am 30. November 2010 um 19:34 Uhr Ortszeit startete SOFIA von der NASA Dryden Aircraft Operations Facility in Palmdale (US-Bundesstaat Kalifornien) zu ihrem ersten wissenschaftlichen Beobachtungsflug. Ziel der nächtlichen Beobachtungen waren die zahlreichen Sternentstehungsgebiete im Sternbild, deren Infrarotinformationen von der Erde aus wegen des Wasserdampfs in der Atmosphäre praktisch nicht beobachtbar sind. Koordiniert wird der wissenschaftliche Betrieb auf deutscher Seite vom Deutschen SOFIA Institut (DSI) der Universität Stuttgart.

SOFIA landete am 1. Dezember 2010 um 5.28 Uhr Ortszeit (14.28 Uhr Mitteleuropäischer Zeit) wieder in Palmdale. Als leitender Wissenschaftler mit an Bord waren Terry Herter und seine Kollegen von der Cornell University in Ithaca (US-Bundesstaat New York) mit ihrer hochempfindlichen Infrarotkamera FORCAST (Faint Object InfraRed-CAmera for the SOFIA Telescope), die Daten im spektralen Bereich von 5 bis 40 Mikrometern erfassen kann.

Während voran gegangener Charakterisierungsflüge haben die Forscher mit FORCAST Infrarotaufnahmen von den komplexen zentralen Sternentstehungsgebieten des Sternbildes Orion bei 19 und 37 Mikrometern gemacht (siehe Bild). Während des heutigen Fluges konnten diese Beobachtungen nun unter wissenschaftlichen Bedingungen erweitert werden. Aktuelle Bilder des heutigen Fluges werden in Kürze zur Verfügung stehen.
 „Der erste Wissenschaftsflug hat gezeigt, dass das SOFIA-Observatorium sehr gut funktioniert. Die Zusammenarbeit zwischen den amerikanischen und deutschen Projektpartnern läuft hervorragend", sagt Prof. Alfred Krabbe, Leiter des Deutschen SOFIA-Instituts der Universität Stuttgart.
 

 

Einmaliges und vielseitiges Werkzeug zur Untersuchung des Universums

Die ersten wissenschaftlichen Flüge dienen dazu, die Leistungsfähigkeit dieser fliegenden Sternwarte zu demonstrieren. In dieser ersten wissenschaftlichen Beobachtungsnacht konnte Herter Orion etwa sechs Stunden lang beobachten. Nach weiteren zwei Flügen, die in den nächsten Tagen stattfinden sollen, wird er sich mit seinen Kollegen der Datenauswertung widmen und bald die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse von SOFIA präsentieren können. Schon jetzt steht für Terry Herter fest: "SOFIA ist ein großartiges Infrarot-Teleskop."
 
Der Beginn der wissenschaftlichen Beobachtungen markiert den Übergang von SOFIA als Testplattform hin zu einem fliegenden Observatorium. „Von nun an steht den Astronomen aus aller Welt ein einmaliges und vielseitiges Werkzeug zur Untersuchung des Universums zur Verfügung“, sagt Alois Himmes, SOFIA-Projektleiter des DLR. Die Phase des wissenschaftlichen Betriebs ist für eine Dauer von 20 Jahren geplant. Anfang März 2011 soll das deutsche Fern-Infrarot-Spektrometer GREAT (German REceiver for Astronomy at Terahertz Frequencies) unter der Leitung von Rolf Güsten vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn seinen ersten Einsatz an Bord von SOFIA haben, dem ebenfalls nach kurzer Zeit zwei weitere Flüge folgen sollen.
„Mit SOFIA und GREAT werden wir anhand von Moleküllinien die astrochemischen Bedingungen im interstellaren Medium heller Sternentstehungsregionen studieren können“, erklärt Hans Zinnecker, stellvertretende Direktor des Wissenschaftlichen Zentrums am NASA Ames Research Center in Mountain View (Kalifornien).
 
Weitere Informationen bei
Alfred Krabbe, Tel. 0711/685-62379; e-mail: krabbe@dsi.uni-stuttgart.de,
Dörte Mehlert, Tel. 0711/685-69632; e-mail: mehlert@dsi.uni-stuttgart.de,
Henning Krause (DLR), Tel. 02203 / 601-2502 oder
Alois Himmes (DLR), Tel. 0228 / 447-346
 
Weitere Informationen über SOFIA finden Sie unter:
 
Informationen zu FORCAST und GREAT finden Sie unter:
 
 (c)
Infrarotbild des Sternentstehungsgebiets im Zentrum des Orion-Nebels (M42), aufgenommen von SOFIA mit der Infrarotkamera FORCAST (Leitender Wissenschaftler: Terry Herter, Cornell University) im mittleren Infrarotbereich. Es wurde aus zwei Aufnahmen bei 20 (grün) und 37 (rot) Mikrometern zusammengesetzt und gibt einen detaillierten Einblick in die dichten Gas- und Staubwolken, in denen gerade neue Sterne entstehen. Rechts oben im Bild ist die Wärmestrahlung des neu entstandenen Sternhaufens zu sehen. Mit SOFIA können Beobachtungen bei Infrarotwellenlängen durchgeführt werden, die zurzeit von keinem erdgebundenen oder satellitengestützten Teleskop erfasst werden können. (Credits: NASA / SOFIA / USRA / FORCAST Team)