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Datum: 27. Dezember 2011, Nr. 139

Ein Stück Stuttgarter Architekturgeschichte

Planzeichnungen des Neuen Lusthauses werden digitalisiert

Das einem Brand zum Opfer gefallene Neue Lusthaus (1580-1593) in Stuttgart gehörte zu den bedeutendsten Profanbauten der Renaissance in Deutschland. In einem neuen Projekt erforschen und digitalisieren Wissenschaftler am Institut für Architekturgeschichte der Universität Stuttgart nun umfassende Planzeichnungen des Architekten Carl Friedrich Beisbarth aus dem 19. Jahrhundert. Das Forschungsvorhaben ist eines von sieben Projekten, das 2012 von der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg mit mehr als 14.000 Euro gefördert wird.

Noch schlummern die Zeichnungen zum Neuen Lusthaus in der Universitätsbibliothek Stuttgart: Sie sind größtenteils in zehn Bänden zu je 18 bis 30 Blättern gebunden. Auf den durchnummerierten Blättern hat Carl Friedrich Beisbarth viele Details der Ausstattung, der Fundamentierung, der Baukonstruktion, des Dachwerks und einzelner technischer Bauteile des Lusthauses festgehalten. Die Blätter hat der Architekt in einem handschriftlichen Katalog teilweise mit erläuternden Skizzen dokumentiert. Um die Originalblätter zu schonen, werden die Stuttgarter Forscher sie katalogisieren und in hoher Auflösung einscannen. Das erlaubt ihnen, Beisbarths Zeichnungen den Architekturzeichnungen anderer Sammlungen sowie den historischen Fotos von Fragmenten des Lusthauses gegenüberzustellen. Die digitalisierten Zeichnungen sowie weitere Daten zu dem Neuen Lusthaus können später alle Interessierten in dem öffentlich zugänglichen Portal zu Bibliotheken, Archiven und Museen (www.bam-portal.de) einsehen.

Geschichte des Neuen Lusthauses
Das Neue Lusthaus hatte der Hofarchitekt Georg Beer (1527-1600) im Auftrag Herzog Ludwigs von Württemberg in den Jahren 1580 bis 1593 errichtet. Es wurde für seine Anlage und Ausstattung weit über Württembergs Grenzen gerühmt. Der hohe, von einem eingeschossigen Arkadengang umfasste Rechteckbau besaß kleine Rundtürme an seinen äußeren Ecken und innen einen Brunnensaal mit Wasserspielen. Zum Alten Schloss und zum Schlossgarten präsentierte sich das Gebäude mit reichen Schaugiebeln und anspruchsvollen Außentreppen. Das Obergeschoss besaß einen der größten profanen Festsäle Europas. Im 18. Jahrhundert wurde das Lusthaus zur drittgrößten Oper Europas umgebaut, dann 1811 erneut verändert und schließlich mit Teilabbrüchen im Jahr 1844/45 zum Königlichen Hoftheater ausgebaut.

Carl Friedrich Beisbarth war als Architekt am Ausbau zum Stuttgarter Hoftheater beteiligt und fertigte während dieser Zeit mehr als 514 Zeichnungen des Vorgängerbaus an. Heute sind die von den Stuttgarter Architekturhistorikern digitalisierten Zeichnungen eine wichtige Quelle für die Erforschung des Neuen Lusthauses. Nachdem 1902 das Stuttgarter Hoftheater fast vollständig abbrannte, errichtete Theodor Fischer auf den Trümmern 1909 bis 1913 das heute noch bestehende Kunstgebäude am Schlossplatz. Vom abgebrannten Hoftheater konnte ein Teil des Arkadengangs mit zwei Treppenläufen geborgen werden, der noch vom Lusthausbau Georg Beers stammt und heute im Mittleren Schlossgarten aufgestellt ist.

Kontakt
Dr. Dietlinde Schmitt-Vollmer, Institut für Architekturgeschichte, Tel. 0711/685-83287, e-mail: dietlinde.schmitt@ifag.uni-stuttgart.de.
 

 (c)
Neues Lusthaus Stuttgart, Planzeichnung des Architekten Carl Friedrich Beisbarth (1844/45). (Foto: Sammlung Beisbarth, Universitätsbibliothek Stuttgart)