Datum: 29. Juni 2011, Nr. 61

Bessere Fachdidaktik für Gymnasiallehrer, mehr Flexibilität für angehende Physiker

Kooperation der Universität Stuttgart mit den Pädagogischen Hochschulen Ludwigsburg und Schwäbisch Gmünd wird vom Wissenschaftsministerium gefördert

Wie das Wissenschaftsministerium am Freitag bekannt gab, erhalten sechs Projekte mit Universitäten, Pädagogischen Hochschulen und Fachhochschulen 2,7 Millionen Euro für Kooperationsmodelle in der Lehrerausbildung. Gefördert wird auch das Projekt „Ausbildungsqualität durch Kooperation in der Lehramtsausbildung (AQUA – KOLA)“ der Universität Stuttgart und der Pädagogischen Hochschulen Ludwigsburg und Schwäbisch Gmünd.

Ziel des Projektes ist zum einen die Weiterentwicklung der Kooperation in den fachdidaktischen und pädagogischen Studien. Dabei bringen Lehrende der Pädagogischen Hochschulen fachdidaktische, pädagogische und psychologische Lehrveranstaltungen für angehende Gymnasiallehrer an der Universität Stuttgart in insgesamt elf Fächern ein. Darüber hinaus wird für die Fächerkombination Physik/Mathematik ein flexiblerer Zugang zum Lehrerberuf eröffnet, der auf einem regulären Fach-Bachelor in Physik und einem anschließenden Lehramts-spezifischen Masterstudium basiert. Einzigartig ist an dieser Kooperation, dass sechs an der Lehrerbildung beteiligte Partner mitwirken (Universität Stuttgart, Pädagogische Hochschulen Ludwigsburg und Schwäbisch Gmünd, Studienseminare Esslingen und Stuttgart sowie in einem Teilbereich die Universität Hohenheim).

„Die Kooperation weist einen neuen Weg in der Lehrerausbildung, der die hervorragenden fachlichen Kompetenzen der Universität Stuttgart mit dem langjährigen didaktischen Know-how der Pädagogischen Hochschulen verbindet und damit die Chance eröffnet, die Bezüge zwischen Theorie und Praxis in der universitären Lehrerausbildung weiter zu stärken“, so der Prorektor Lehre und Weiterbildung der Universität Stuttgart, Prof. Frank Gießelmann.

Die engere Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen in der gymnasialen Lehrerbildung ist für Rektor Dr. Martin Fix von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg ein lange überfälliger Schritt. "Die Kooperation bietet auch den großen Vorteil, dass Forschungsergebnisse der Pädagogischen Hochschulen im fachdidaktischen, pädagogischen und psychologischen Bereich durch die Kooperation nun auch angehenden Gymnasiallehrern unmittelbar zur Verfügung gestellt werden können", betonte Fix.

„Das Projekt bietet die Chance, spezifische Veranstaltungsformen für die innovative Lehrerbildung wie fachliche und fachübergreifende Foren und Summer-Schools zu erproben und zu etablieren, in denen fachliche, fachdidaktische und interdisziplinäre Inhalte vernetzt werden", so die Rektorin der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, Prof. Dr. Astrid Beckmann.

Die fachdidaktischen Lehrangebote sind so angelegt, dass in einem ersten, noch vor dem Praxissemester liegenden Modul zunächst grundlegende Konzepte und Ergebnisse aus der einschlägigen Forschung erschlossen und erste eigene Erfahrungen mit Analyse- und Planungsprozessen gesammelt werden können. Das zweite, projektförmig angelegte
Modul ist nach dem Praxissemester angesiedelt und eröffnet die Möglichkeit zu vertieften, wissenschaftliche Erkenntnisse nutzenden Auseinandersetzungen mit ausgewählten Fragestellungen der Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen, wie zum Beispiel dem Umgang mit Fehlern, der Entwicklung lernförderlicher Aufgaben oder diagnostischen Fragen.

Master statt Staatsexamen
Darüber hinaus wird in Kooperation zwischen der Universität Stuttgart und der PH Ludwigsburg ein eigener Masterstudiengang für Seiteneinsteiger im Lehramt Physik/Mathematik, die zunächst einen Fach-Bachelor in Physik erworben haben, geschaffen. Diese Möglichkeit ist eine neue polyvalente Modellvariante der Lehrerbildung, die nun erprobt wird. Der Aufbau eines solchen Masterstudiengangs dient der Gewinnung von zusätzlichen (und besonders leistungsfähigen) Lehrkräften im MINT-Bereich. In diesen Fächern herrscht an den Schulen ein Mangel an Lehrkräften. Vor diesem Hintergrund ist es einerseits wichtig, auch Optionen für Studierende in reinen Fachstudiengängen zu schaffen und ihnen im Anschluss an einen Bachelorabschluss den Zugang in einen Lehramtsmaster zu ermöglichen. Andererseits erhalten Lehramtsstudenten die Möglichkeit, später auch in anderen Bereichen als Physiker zu arbeiten. Der Masterstudiengang beinhaltet ebenfalls eine enge Vernetzung von Theorie und Praxis, um die Absolventen für den Schuldienst zu qualifizieren.

 
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Foto: Universität Stuttgart