Stuttgarter Forschende bilden ESA-Reserveastronaut*innen aus

18. November 2025

Wissenschaftler*innen der Universität Stuttgart wirken an der Ausbildung der ESA-Reservecrew mit. Die Reserveastronaut*innen werden erstmalig für mögliche Einsätze im All ausgebildet. Vermittelt werden theoretische Grundlagen der Raumfahrttechnik.
[Bild: ESA]

Erstmalig in der Geschichte der ESA, durchlaufen nun auch die Mitglieder der Reservecrew eine umfassende Grundausbildung. Für die technische Ausbildung im Bereich Raumfahrttechnik griff die ESA erneut auf die Expertise von Forschenden der Universität Stuttgart zurück. Im Rahmen des Kurses „Spaceflight and Aerospace Engineering“, der im September und Oktober 2025 am Europäischen Astronautenzentrum (EAC) der ESA in Köln stattfand, wurden acht Reserveastronaut*innen in den theoretischen Grundlagen der Raumfahrttechnik geschult.

Forschende bilden Astronaut*innen aus

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Das Reserveteam wurde 2022 gemeinsam mit den hauptberuflichen ESA-Astronaut*innen ausgewählt, deren Grundausbildung die Universität 2024 ebenfalls unterstützte. Im Gegensatz zu ihren fest angestellten Kolleg*innen gehen die Reserveastronaut*innen weiterhin ihren bisherigen Berufen nach – die Ausbildung bei der ESA ist für sie eine Nebentätigkeit. „Wir freuen uns über das Vertrauen der ESA, nun auch die Reserveastronaut*innen in den Grundlagen der Raumfahrttechnik unterrichten zu dürfen“, sagt Professor Stefanos Fasoulas, geschäftsführender Direktor des Instituts für Raumfahrttechnik (IRS).

Spaceflight and Aerospace Engineering Course: Grundlagen der Raumfahrttechnik

Der Kurs vermittelt theoretische Grundlagen und macht die Reserveastronaut*innen fit etwa in Planung, Betrieb und Kontrolle von Raumfahrtmissionen, Weltraumumgebung, Aerodynamik, Subsysteme von Raumfahrzeugen, Flugdynamik, Navigation und Regelung. 

Sabine Klinkner gemeinsam mit den ESA Reserveastronaut*innen. Von links nach rechts: Meganne Christian, Andreas Patassa, Sara Garcia Alonso, Amelie Schönenfeld, Sabine Klinkner (IRS), Ales Svoboda, Arnoud Prost, Carmen Possnig, Anthea Comellini.

Zum Dozierendenteam gehörten Stefanos Fasoulas, Professor für Raumtransporttechnologie und Sprecher des Sonderforschungsbereichs ATLAS, Sabine Klinkner, Professorin für Satellitentechnik, Claas Olthoff, Professor für Astronautik und Exploration, Dr. Constantin Traub, Postdoktorand am IRS, sowie Prof. Gisela Detrell, ehemalige Postdoktorandin am IRS und inzwischen Professorin für astronautische Raumfahrttechnologie an der Technischen Universität München.

Technisches Know-how für Missionen im All

Ziel der Grundausbildung ist es, den Teilnehmenden mit unterschiedlichem akademischem Hintergrund ein gemeinsames technisches Fundament für zukünftige Missionen zu vermitteln. „Unsere Kurse waren bewusst interaktiv gestaltet und boten viele Gelegenheiten zum Austausch“, erklärt Traub. „Rechenaufgaben und fachliche Diskussionen vertieften das Verständnis und zeigten die hohe Motivation der Astronautinnen und Astronauten, jedes Detail zu begreifen.“

IRS Dozenten gemeinsam mit den ESA Reserveastronaut*innen. Von links nach rechts: Stefanos Fasoulas (IRS), Andreas Patassa, Amelie Schönenwald, Meganne Christian, Claas Olthoff (IRS), Arnaud Prost, Carmen Possnig, Anthea Comellini, Ales Svoboda, Constantin Traub (IRS).

Langjährige Partnerschaft mit der ESA

Das IRS ist bereits seit 2010 in die Ausbildung der ESA-Astronaut*innen eingebunden und hat unter anderem an den Schulungen von Alexander Gerst und Matthias Mauerer mitgewirkt. Die Grundausbildung ist ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg in den Weltraum – und vielleicht auch auf den Mond. „Es gibt schon eine große Wahrscheinlichkeit, dass ein Mitglied der Astronaut*innen-Klasse von 2022 oder der Reserve eines Tages die erste Europäerin oder der erste Europäer auf dem Mond sein wird“, so Fasoulas.

Luft- und Raumfahrtforschung an der Universität Stuttgart
Die Stuttgarter Luft- und Raumfahrt ist eine bundesweit einzigartige interdisziplinäre Ideenschmiede für Schlüsseltechnologien im All und auf der Erde. Forschende der Universität Stuttgart bündeln Expertisen auf den Gebieten der Klima- und Energieforschung, Kommunikationstechnologie, Antriebstechnik sowie des KI-basierten Fliegens. Ein zentraler Schwerpunkt ist die Erforschung nachhaltiger technologischer Lösungen, die die ökologischen Auswirkungen der Luft- und Raumfahrt minimieren sollen. Geforscht wird interdisziplinär und im engen Dialog mit regionalen und internationalen Partnern aus Wissenschaft und Industrie, etwa im Rahmen der Sonderforschungsbereiche ATLAS (SFB 1667) und SynTrac (SFB-TRR 364). Als Partner von THE Aerospace LÄND trägt die Universität Stuttgart zur Umsetzung der baden-württembergischen Landesstrategie bei, die Luft- und Raumfahrt bis 2050 nachhaltig, digital und kooperativ zu machen. Ihren Studierenden bietet die Universität eine fundierte ingenieurwissenschaftliche und anwendungsorientierte Ausbildung. In der Nachwuchsförderung kooperiert sie mit der „Zukunftsoffensive Luft- und Raumfahrt-Nachwuchs“, einer Initiative des Landes Baden-Württembergs, die sich für die Stärkung der Nachwuchsförderung in den MINT-Fächern engagiert.

 

Strategischer Profilbereich Aerospace Technologies

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Jacqueline Gehrke

 

Onlineredakteurin

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Dörte Mehlert

Dr. rer. nat.

Öffentlichkeitsarbeit

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