Sie optimieren Prozesse in der industriellen Fertigung und Logistik, erhöhen die Präzision medizinischer Eingriffe oder erledigen Aufgaben im Haushalt. Robotik-Systeme sind aus Industrie und Gesellschaft nicht mehr wegzudenken - und die nächste Roboter-Generation ist bereits im Kommen: Soft Robotics Systeme aus weichen Materialien ermöglichen flexible Bewegungsmuster und werden uns zukünftig noch effizienter, sicherer und smarter unterstützen.
Ein Schlüssel für den Durchbruch von Soft Robotics liegt in neuen, nachgiebigen Materialien, die gezielt auf Bewegung, Reiz oder Umweltveränderungen reagieren können. Der Ingenieurwissenschaftler Philipp Rothemund ebnet mit seiner Forschung den Weg für die Entwicklung dieser funktionalen, weichen Materialien.
Damit hat Rothemund jetzt den Sprung in die „Top 40 unter 40“ in der Kategorie „Gesellschaft“ geschafft. Mit dieser Auszeichnung würdigt das Wirtschaftsmagazin Capital herausragende Leistungen ambitionierter Hoffnungsträger unter 40 Jahren. „Ich fühle mich sehr geehrt, diese Auszeichnung entgegenzunehmen. Besonders freue ich mich darüber, dass meine Forschung und ihr Anwendungspotenzial auch über die wissenschaftliche Community hinaus Anerkennung findet“, sagt Rothemund.
Wegbereiter des Zukunftsfelds Soft Robotics
Philipp Rothemund forscht als Tenure Track Professor für Functional Soft Robotic Matter am Institut für Adaptive Mechanische Systeme (IAMS) der Universität Stuttgart. Seine Arbeit, die an der Schnittstelle zwischen Mechanik, Materialwissenschaft und Robotik ansetzt, widmet sich dem grundsätzlichen Verhalten weicher Materialien. Er schafft nicht nur wichtiges Grundlagenwissen, sondern entwickelt mit seiner Gruppe auch innovative, funktionale Materialstrukturen, die auf Temperatur, Feuchtigkeit und elektrische Felder reagieren. In Soft-Robotics-Systemen der Zukunft könnten diese Materialien eine zentrale Rolle spielen - beispielsweise als Aktoren, Sensoren, Steuerungen oder Energiequellen.
Wissenschaftliches Talent gepaart mit gesellschaftlichem Engagement
Philipp Rothemund promovierte 2018 in den Ingenieurswissenschaften an der Harvard University. Weitere akademische Stationen führten ihn an die ETH Zürich, an die University of Colorado Boulder und das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme. 2024 gründete er gemeinsam mit Prof. David Remy das Institut für Adaptive Mechanische Systeme (IAMS) der Universität Stuttgart.
Rothemund hat sich nicht nur mit seiner Expertise im Bereich Soft Robotics einen Namen gemacht, seine Stimme findet auch in der Wissenschaftspolitik Gehör. 2025 wurde er zum Sprecher der Jungen Akademie gewählt, dem Sprachrohr für junge Wissenschaftler*innen in Deutschland. Gerade wurde er zudem in das renommierte WIN-Kolleg der Heidelberger Akademie der Wissenschaften berufen. In diesem Kreis wird er sich mit anderen jungen Top-Forscher*innen aus Baden-Württemberg mit dem Thema Embodiment und der Wechselwirkung zwischen Körper, Geist und Maschine auseinandersetzen. Im Kern also damit, wie Roboter zukünftig durch Bewegung, Wahrnehmung und Feedback lernen könnten – ähnlich wie Menschen.
Über die „Top 40 unter 40“
Jedes Jahr zeichnet eine Jury des Wirtschaftsmagazins Capital junge Entscheider*innen aus Deutschland aus. 2007 machte sich die Capital-Redaktion erstmals auf die Suche nach der Führungselite von morgen – und präsentierte „Deutschlands Wunderkinder“: Jeweils 40 herausragende Talente unter 40 Jahren, die in Politik, Unternehmen, Management und Gesellschaft bereits Beachtliches leisten und denen noch eine große Karriere zugetraut wird.
Pressemeldung / Video über das Institut für Adaptive Mechanische Systeme (IAMS)
Kontakt
Lena Jauernig
Redakteurin Wissenschaftskommunikation / Wissenschaftlicher Nachwuchs