Studierende im Gespräch

Studienwahl-Kompass

Deutsch Lehramt

Bachelor Deutsch Lehramt – Orientierung für Studieninteressierte

Studieninhalte

Studienbeginn – die ersten Semester

Das Studium startet in den ersten zwei Semestern mit der Vermittlung von Grundlagenwissen. In allen drei Teilbereichen − Linguistik, Mediävistik, NDL − wird in den Einführungskursen fachliches Wissen und methodisches Arbeiten eingeübt. Welche lyrischen Formen übernehmen deutsche Autorinnen und Autoren aus der antiken, der italienischen, der französischen, der englischen oder gar der japanischen Literatur und was ändern sie? Wie beschreibe ich sprachliche Laute und was muss im Mund-Rachen-Raum passieren, damit ein bestimmter Laut ausgesprochen wird? Wie erforscht man Sprache oder Literatur und wie kommuniziert man mit Forscherinnen und Forschern, die sich vor zehn Jahren an einem anderen Ort darüber Gedanken gemacht haben?

Weiterer Studienverlauf

Ab dem dritten Semester wird dieses Wissen in weiterführenden Seminaren angewandt und vertieft. Dabei können Sie über Auswahl in Modulen oder Wahlmodulen jedes Semester selbst entscheiden, wo Sie Ihre Schwerpunkte setzen wollen: Möchten Sie lieber Lessings Dramen interpretieren und seine Dramentheorie des 18. Jahrhunderts verstehen, oder interessieren Sie sich für Holocaustliteratur? Damit Sie dennoch einen Überblick über die deutschsprachige Literatur erhalten, bieten wir literaturhistorische Überblicksvorlesungen. Lehramtsstudierende belegen nun auch fachdidaktische Seminare, in denen Sie diskutieren, wie das fachwissenschaftlich aufbereitete Wissen didaktisch sinnvoll mit Schülerinnen und Schülern in der Schule besprochen werden kann. Am Ende verfassen Sie in einem Ihrer beiden Fächen die Bachelorarbeit, die Sie nach eigenem individuellen Interessensgebiet bei einer Dozenten bzw. einer Dozentin Ihrer Wahl schreiben.

Der pädagogische Anteil im Studium

Die Bildungswissenschaften befassen sich mit Fragen der Erziehung und Bildung sowie mit der Schule als Institution mit gesellschaftlichem Auftrag. Zu Ihrem Lehramtsstudium gehören deshalb mehrere bildungswissenschaftliche Module. Diese Module umfassen unter anderem Themen zur Unterrichtsplanung, zur Analyse von Lehr-Lernprozessen (zum Beispiel wie wirksam bestimmte Unterrichtsmethoden oder Medien im Unterricht sind, wie die Schüler-Lehrer-Interaktion aussehen kann), zur Messung des Lernstandes von Schülerinnen und Schülern oder zu aktuellen Erkenntnissen aus bildungswissenschaftlichen Studien. Als Übersicht zu den Modulen kann Ihnen das Dokument „Bildungswissenschaftliche Module im Lehramtsstudium“ dienen.

Studienverlaufsplan nur für die bildungswissenschaftlichen Module

Im Rahmen des bildungswissenschaftlichen Studiums wird auch ein Orientierungspraktikum (OP) absolviert, das in Ihr Bachelor-Studium integriert ist. Ein vor dem Studium durchgeführtes Praktikum wird nicht anerkannt. Das Orientierungspraktikum soll Ihnen bereits während des Studiums ein Kennenlernen des Tätigkeitsfeldes Schule ermöglichen und dauert drei Wochen. Es ist an einer Schule in Baden-Württemberg zu absolvieren und wird mit Seminaren an der Universität vorbereitet und ausgewertet.

Veranstaltungstypen

Anders als man es aus Filmen kennt, besteht das Studium der Germanistik nur zu einem Bruchteil aus Vorlesungen, in denen ein Lehrender spricht und die Studierenden zuhören und mitschreiben. Den Großteil Ihrer Zeit arbeiten Sie in kleineren Gruppen in Seminaren, in denen Texte diskutiert werden, in Übungen, in denen erlerntes Wissen praktisch eingeübt wird, oder in Tutorien, in denen Sie mit Studierenden höherer Fachsemester das Erlernte wiederholen.

Interviews mit Studierenden

Wir haben Studierende des Fachs zum Inhalt des Studiums, den Besonderheiten und Herausforderungen befragt.

Selbststudium: lesen, lesen, lesen ... und schreiben!

Als Student oder Studentin geisteswissenschaftlicher Fächer verbringen Sie höchstens ein Drittel Ihrer Zeit in Lehrveranstaltungen, in der vorlesungsfreien Zeit (Semesterferien) sogar meist gar keine. Das Selbststudium nimmt bei uns also einen großen Anteil ein. Und hier ist Selbstständigkeit gefordert: Sie können Ihre Zeit frei einteilen und auch den Lernort frei wählen, wenn Sie literarische Texte oder Forschungstexte lesen, Vorlesungen und Seminare vor- oder nachbereiten, (Gruppen-)Referate vorbereiten oder für Klausuren lernen. Besonders viel Zeit verbringen Sie mit dem Verfassen eigener Forschungstexte, sogenannter Hausarbeiten. Dann widmen Sie sich einem Forschungsthema Ihrer Wahl, entwickeln in Absprache mit Ihrer Dozentin oder Ihrem Dozenten eine These, lesen weitere Forschungstexte zum Thema und verfolgen in einem etwa 15-seitigen Text Ihre Argumentation. Sind Sie auch von komplexen Texten fasziniert und erschließen sich gerne in Büchern neue Zusammenhänge? Dann sind Sie bei uns richtig.

Einblick Selbststudium – Hausarbeiten schreiben

Dauer: 04:17

Besonderheiten des Studiums an der Uni Stuttgart

Beinahe jede Universität bietet ein Lehramtsstudium und das Fach Deutsch an. Warum also in Stuttgart studieren? Wir bieten das Literaturstudium in seiner vollen historischen und thematischen Breite an. Dabei spielt auch das Verhältnis von Literatur zu anderen Medien eine wichtige Rolle. Die Linguistik in Stuttgart forscht empirisch, geleitet von modernen Grammatiktheorien, nicht nur zum Deutschen. Sie arbeitet dabei interdisziplinär mit Computer- und Psycholinguist*innen sowie Literatur- und Kognitionswissenschaftler*innen. In den letzten Jahren hat sich in Stuttgart ein Schwerpunkt im Bereich „Digital Humanities“ (DH) entwickelt. Studierende im Fach Deutsch können bei uns computergestützte Textanalyseverfahren kennenlernen. Besonders attraktiv ist auch das Umfeld: Das Einzugsgebiet Stuttgart ist mit seinen zahlreichen Schulen für die Praktikumssituation ebenso wie für die Arbeitssituation nach dem Studium ein Ort mit vielen Möglichkeiten. Wir kooperieren zudem mit der lebendigen Kulturszene der Landeshauptstadt Stuttgart, etwa mit Theatern, Kultureinrichtungen und (Schulbuch-)Verlagen. Zudem liegt das wichigste deutsche Literaturarchiv ganz in der Nähe: Im Deutschen Literaturarchiv Marbach (DLA) lassen sich Manuskripte, Briefe und andere Dokumente bedeutender Schriftstellerinnen und Schriftsteller problemlos einsehen. Unsere Studierenden forschen im Archiv und arbeiten bei Literaturausstellungen mit.

Interviews mit Lehrenden

Wir haben Lehrende des Fachs zum Inhalt des Studiums, den Besonderheiten und Herausforderungen befragt.

Beispiele aus unserer Forschung

Was Prof. Dr. Daniel Hole, Leiter des Instituts für Linguistik, besonders an seinem Fach reizt, ist, dass er hinter der Vielfalt die Einheit der Sprachen entdecken kann. Er tut das anhand des Chinesischen, Vietnamesischen, Deutschen und anderer Sprachen und anhand von Phänomenen, die auf den ersten Blick vielleicht trocken oder unbedeutend wirken mögen: Kasus, Kongruenz, Reflexivpronomina, indirekte Objekte und vieles andere mehr. Prof. Hole sieht sich als Teil einer weltweiten Forscher*innen-Community, die gemeinsam daran arbeitet, hinter der Sprache den Geist zu entdecken.

Ein Gebiet, das Prof. Hole gerade besonders interessiert, ist die sprecherorientierte Bedeutung. Mit diesem Begriff bezeichnet man die Tatsache, dass viele Wörter und Konstruktionen implizit etwas über Einstellungen und Gefühle des Sprechers aussagen. Ein Beispiel wäre der Kontrast zwischen den beiden Sätzen (i) Bienen schwirren im Garten und (ii) Der Garten schwirrt vor Bienen. Es lässt sich sehr klar zeigen, dass Satz (ii) gegenüber Satz (i) immer ein Erstaunen und eine Einschätzung des Sprechers ausdrücken, dass das Schwirren auf zu präzisierende Weise "viel" ist.

Prof. Hole sieht sich auch als Mittler zwischen verschiedenen linguistischen Schulen und hat zudem in den vergangenen Jahren in Stuttgart einen neuen Schwerpunkt in der Gebärdensprachlinguistik aufgebaut. 

Der Minnesang, die Liebeslyrik des deutschen Mittelalters, ist in Handschriften überliefert. Jede Handschrift ist ein Unikat, und so sehen die Liedtexte in jedem Manuskript anders aus. Die Varianz beginnt bei der Schreibung der Wörter und setzt sich über deren Bestand und ihre Anordnung im Satz fort bis hin zur Zahl und zur Folge der Strophen. Es kann sogar vorkommen, dass ein Lied unterschiedlichen Autoren zugeschrieben wird.

Die herkömmlichen gedruckten Editionen müssen diese Vielfalt der Überlieferung reduzieren, da sie an jene Vorgaben gebunden sind, die der Umfang der Seite und des Buchs machen. Deshalb arbeitet Prof. Dr. Manuel Braun seit 2017 an dem Forschungsprojekt „Lyrik des deutschen Mittelalters“ mit, das auf insgesamt neun Jahre angelegt ist und das den gesamten Minnesang in einer digitalen Edition frei zugänglich machen wird. Als Digitalisate sind die Handschriften jetzt unmittelbarer Teil der neuen elektronischen Edition. Außerdem werden jetzt alle Handschriften ediert, und die entsprechenden Texte können direkt nebeinander gestellt und miteinander verglichen werden.

Das Interview ist eine relativ junge Textsorte, die seit ihrer Erfindung im 19. Jahrhundert eine steile Karriere hinter sich hat. Mittlerweile stellen Interviews einen festen Bestandteil des Literaturbetriebs dar: Wer mit seinen Büchern wahrgenommen werden will, muss in Zeitungen, Radio, Fernsehen und Internet darüber reden.

Die literaturwissenschaftliche Arbeit mit Interviews von Prof. Dr. Torsten Hoffmann beschäftigt sich unter anderem damit, wie sich Frage- und Antworttechniken, Themen und Inszenierungsformen in Interviews mit Schriftsteller*innen historisch verändern. Dabei spielt das jeweilige Medium eine entscheidende Rolle. Als zum Beispiel im Radio der Weimarer Republik politische Sendungen verboten waren, wurden interviewte Autor*innen fast ausschließlich mit politischen Themen konfrontiert – unter dem Mantel der ‚Kultursendung‘ ließ sich die strenge Zensur umgehen.

Zudem beschäftigt sich Prof. Hoffmanns Forschung mit der Ästhetik des Interviews, also der Frage, inwiefern in Interviews nicht nur über Kunst gesprochen wird, sondern eine eigene Interview-Kunst entsteht. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, sollte sich einmal die online zugänglichen Interviews von Alexander Kluge mit Heiner Müller oder Helge Schneider anschauen. Seit einigen Jahren wird das Interview zudem auch als eine neue Spielform des fiktionalen Erzählens genutzt: Es gibt ganze Romane, die in Interviewform geschrieben worden sind (wie Das Wetter vor 15 Jahren von Wolf Haas oder wir schlafen nicht von Kathrin Röggla). Selbst wer eigentlich keine Interviews lesen will, stößt in der Literatur also auf Interviews – auch deshalb sollte sich die Literaturwissenschaft diese Textsorte in Zukunft genauer anschauen, als es bisher geschehen ist.

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